Dark Mode Light Mode

Putin zeigt Trump, wie egal er ihm ist – und das mit Stil

azmeyart-design (CC0), Pixabay

Manche Telefonate ändern die Welt. Andere sind einfach nur höfliche Zeitverschwendung auf Staatsniveau. Der Anruf von Donald Trump bei Wladimir Putin fällt definitiv in die zweite Kategorie – zumindest, wenn man Putin glauben mag. Und das tut er natürlich selbst am liebsten.

Während Trump also offenbar mit der Idee spielt, die Welt zu retten, sitzt Putin seelenruhig in einem Musik-Internat in Sotschi, umgeben von hochbegabten Kindern, und telefoniert nebenbei mit dem (einst mächtigsten?) Mann der Welt. Man kann sich vorstellen, wie die Geige im Hintergrund säuselt, während Putin denkt: Was will der jetzt wieder?

Denn was auch immer Trump da versucht hat – Putin hat’s nicht gebraucht, nicht gewollt und nicht mal besonders ernst genommen.

Trump, noch vor einer Woche als Möchtegern-Mediator zwischen Moskau und Kiew unterwegs, klingt nach dem Anruf schon merklich desillusioniert: „Sie müssen direkt miteinander sprechen.“ – Klar. Wenn sich zwei im Krieg befinden, hilft es natürlich, sie ohne Vermittlung sich gegenseitig ins Gesicht brüllen zu lassen. Diplomatie à la Immobilienhai.

Und als Trump dann sogar die Verantwortung an den neuen amerikanischen Papst – ja, AMERIKANISCHEN Papst – weiterreichen will, weiß man: Das Weiße Haus reicht die Weltpolitik jetzt per DHL ans Vatikan weiter. Viel Erfolg und Gottes Segen.

Willkommen im Zeitalter des symbolischen Rückzugs

Während Trump sich mit warmen Worten aus der Affäre zieht, spielt Putin Schach mit geopolitischen Ziegelsteinen. Und zwar mit der Überzeugung, dass er das alles auch ohne Washingtons „Hilfe“ gewinnen kann – vielleicht sogar gerade deswegen.

Denn seien wir ehrlich: Drei Jahre Krieg, hunderttausende Tote, die Rhetorik von der „existentiellen Bedrohung“ durch die NATO – da ist die Idee, man könnte einfach mal schnell Frieden stiften, ungefähr so realistisch wie ein TikTok-Tanz als Lösung für den Klimawandel.

JD Vance und das Nicht-Versprechen des Jahres

Und dann war da noch JD Vance, Amerikas Vizepräsident mit dem politischen Taktgefühl eines Vorschlaghammers, der meinte:
„Es ist nicht unser Krieg.“
Ach so? Vielleicht nochmal kurz googeln, was Bündnistreue bedeutet. Oder Glaubwürdigkeit.

Für Moskau ist das der ultimative Bonus-Level: Amerika signalisiert Rückzug – und Russland muss nichts tun, außer weiterbomben. Wie man sich durch Stillstand diplomatisch verbessert? Frag den Kreml.

Trump, der Businessman – und der Deal, den es nicht gibt

Trump liebt Deals. Große Deals. Aber hier ist keiner. Putin kauft nichts. Nicht mal Gesprächsangebote. Der Kreml-Chef will nicht verhandeln – er will gewinnen. Territorial, symbolisch, geschichtlich.

Und was bleibt Trump da?
Die Option, entweder härtere Sanktionen zu verhängen (was Indien und China sicher ganz toll fänden), oder Russland mit Samthandschuhen zu „kitzeln“, was wiederum die EU nervt – also, diejenigen, die noch halbwegs an sowas wie einen gemeinsamen Westen glauben.

Fazit: Macht macht keine Pause, nur Amerika tut’s

Das Fazit dieses geopolitischen Trauerspiels?
Putin braucht Trump nicht. Nicht zum Verhandeln, nicht als Gegner, nicht mal als Feindbild.
Und Trump? Erkennt vielleicht gerade, dass internationale Machtpolitik kein Golfturnier ist. Man kann nicht einfach frühzeitig aufgeben, wenn man den Ball ins Wasser gesetzt hat.

Falls es also die wichtigste Friedensverhandlung seit dem Zweiten Weltkrieg wird – sie beginnt nun wahrscheinlich in Rom, mit Weihrauch statt Waffen, während Amerika sich still in die zweite Reihe setzt.

Willkommen in der Weltordnung 2.0:
Vatikan vorne, Washington hinten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

„Ich hab nicht für ihn gestimmt!“ – Wie US-Touris jetzt mit politischem Gepäck reisen

Next Post

Texas, Baby: 83,5 Millionen Gründe, warum du deine Kohle nicht kriegst