Mitten im Gedränge eines niedersächsischen Rockfestivals, zwischen Bierständen, Foodtrucks und Festivalbühnen, standen nicht nur Musik und Party auf dem Programm. Auch ein ernstes, lebenswichtiges Thema fand seinen Platz: Organspende. Frank Logemann und Marco Bock, die Köpfe hinter der niedersachsenweiten Informationskampagne, machten mit ihrem Aufklärungsteam genau dort Station, wo junge Menschen zusammenkommen – auf einem Open-Air-Festival.
Eine Woche lang reisten die beiden mit ihrem Team quer durch Niedersachsen. Ihr Ziel: Menschen an ungewöhnlichen Orten für Organspende sensibilisieren. Der Halt auf dem Festival war dabei besonders aufschlussreich. Tausende Besucher strömten über das Gelände, viele von ihnen jung, politisch interessiert, offen für neue Themen – aber oft ohne einen Organspendeausweis in der Tasche.
Logemann und Bock setzten auf direkte Ansprache. Mit einem auffälligen Info-Mobil, einer großen Aufschrift „Organspende rettet Leben“ und einem interaktiven Stand lockten sie neugierige Festivalgäste an. Dort konnten Interessierte nicht nur Infomaterial mitnehmen, sondern auch anonym abstimmen, ob sie sich bereits entschieden haben, Spender zu sein – oder noch Fragen offen sind.
„Wir haben gemerkt, dass viele Menschen grundsätzlich positiv zur Organspende stehen“, erklärt Marco Bock. „Aber es fehlt oft das konkrete Wissen – oder schlicht der Impuls, sich einmal wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Genau diesen Impuls wollte das Team setzen: niederschwellig, direkt, ohne Druck.
In lockerer Atmosphäre entwickelten sich intensive Gespräche. Besonders der persönliche Bezug – etwa durch Berichte von Betroffenen oder eigene Erfahrungen im Bekanntenkreis – war häufig der Türöffner für Nachdenklichkeit und Gespräche. Einige Besucherinnen und Besucher entschieden sich spontan, einen Organspendeausweis mitzunehmen oder direkt auszufüllen. Andere wollten erst mit ihren Angehörigen sprechen – und bekamen Infomaterial für zu Hause mit.
Auch für Logemann war der Einsatz auf dem Festival mehr als nur ein symbolischer Akt. „Es zeigt, dass man selbst in einem Umfeld, das auf Spaß und Ablenkung ausgerichtet ist, junge Menschen für Verantwortung und gesellschaftliches Engagement gewinnen kann“, so der erfahrene Koordinator.
Neben dem Stand gehörten auch Bühnenansprachen, Videoclips und kurze Interviews auf der Leinwand zum Konzept der Tour. Unterstützt wurde die Aktion von der niedersächsischen Landesregierung und verschiedenen Krankenkassen.
Das Ziel ist klar: Mehr Menschen sollen sich aktiv mit der Frage beschäftigen, ob sie Organe spenden würden – und das idealerweise dokumentieren, etwa mit einem Spenderausweis. Denn noch immer sterben in Deutschland jedes Jahr Menschen, weil für sie kein passendes Organ gefunden wird. Die Zahl der tatsächlichen Spender ist deutlich niedriger als die derjenigen, die grundsätzlich bereit wären.
Der Halt auf dem Rockfestival war ein Beispiel dafür, wie Aufklärung auch abseits von Arztpraxen und Behörden funktionieren kann: direkt, emotional und nah am Alltag der Menschen. Die Bilanz der Tour fällt für das Team rund um Logemann und Bock positiv aus – nicht zuletzt, weil viele Festivalbesucher mit einem neuen Bewusstsein und vielleicht sogar einem ausgefüllten Organspendeausweis nach Hause gingen.