In einem spektakulären Einsatz hat die Polizei südlich von Rostock eine groß angelegte, nicht genehmigte Cannabis-Plantage ausgehoben. Schauplatz war eine abgelegene, zweigeschossige Scheune auf einem Grundstück in der Gemeinde Pölchow im Landkreis Rostock. Die Anlage war professionell ausgebaut und mit mehreren Hundert Pflanzen bestückt – nach ersten Zählungen zwischen 800 und 850 Hanfpflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien.
Die Gesamtanbaufläche erstreckte sich über etwa 400 Quadratmeter, verteilt auf zwei Ebenen. Die Scheune, einst Teil einer Ziegelei, war mit umfangreicher technischer Infrastruktur ausgestattet. Dazu zählten künstliche Beleuchtungssysteme, Belüftungsanlagen und automatische Bewässerung – alles Hinweise auf einen strukturierten, intensiven Betrieb mit kommerziellen Zielen. Eine Genehmigung für diesen Anbau lag nach Angaben der Polizei nicht vor.
Zufallsfund durch Energieversorger
Auf die Plantage aufmerksam wurden die Behörden nicht durch gezielte Ermittlungen, sondern durch technische Auffälligkeiten im Stromnetz. Mitarbeitende eines regionalen Energieversorgers hatten ungewöhnliche Stromschwankungen festgestellt. Bei der Nachverfolgung der Ursache stießen sie auf einen illegalen Stromabgriff an einem Transformatorenhäuschen. Eine manipulierte Leitung führte direkt zu dem alten Ziegeleigebäude – ein klarer Fall von Stromdiebstahl.
Daraufhin schaltete der Energieversorger die Polizei ein. Etwa 25 Beamte durchsuchten das Gelände am Freitag über mehrere Stunden hinweg. Dabei wurden die Pflanzen sowie sämtliche Aufzuchttechnik sichergestellt. Laut Polizei konnten umfangreiche Spuren gesichert werden, die nun kriminaltechnisch ausgewertet werden. Personen wurden bei dem Zugriff nicht angetroffen – möglicherweise wurde die Anlage ferngesteuert betrieben oder kurzfristig verlassen.
Kein legaler Cannabis-Anbau – trotz Gesetzesänderung
Obwohl der Anbau von Cannabis in Deutschland seit 2024 unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist – etwa in sogenannten Cannabis-Social-Clubs oder im Rahmen des Eigenbedarfs – war der Betrieb in Pölchow nach Ansicht der Ermittler klar illegal. „Wir gehen nicht davon aus, dass eine Genehmigung vorlag“, sagte eine Polizeisprecherin dem NDR. Auch Hinweise auf eine Vereinigung gemäß dem Cannabisgesetz fehlten. Hinzu kommt der massive Stromdiebstahl, der das Ausmaß der kriminellen Energie unterstreicht.
Die sichergestellten Pflanzen werden nun getrocknet, um den Wirkstoffgehalt (THC) zu bestimmen. Dieser Wert ist entscheidend für die weitere strafrechtliche Bewertung – etwa zur Frage, ob der Tatbestand des „unerlaubten Anbaus in nicht geringer Menge“ erfüllt ist. Je nach Ergebnis drohen den Verantwortlichen mehrjährige Freiheitsstrafen.
Ermittlungen gegen Unbekannt – und Hinweise auf professionelle Täter
Die Polizei ermittelt aktuell gegen Unbekannt. Aufgrund der professionellen Aufzuchtanlage gehen die Ermittler davon aus, dass hinter der Plantage keine Einzelperson, sondern ein organisiertes Netzwerk steckt. Der Umbau einer alten Ziegelei, die technischen Installationen und die systematische Stromumleitung sprechen für Erfahrung und Kapital – typische Merkmale professioneller Cannabis-Produktionsstätten.
Politische und gesellschaftliche Dimension
Der Fall wirft auch ein Licht auf die Herausforderungen nach der teilweisen Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Während viele Konsumentinnen und Konsumenten auf legale Angebote setzen, bleiben illegal betriebene Großplantagen offenbar weiterhin ein lukratives Geschäftsfeld. Der Schwarzmarkt ist nicht verschwunden – und nutzt Lücken und unklare Zuständigkeiten im neuen Rechtsrahmen aus.
Die Polizei kündigte an, künftig verstärkt auch Energieversorger in die Aufklärung verdächtiger Objekte einzubeziehen. Stromanomalien gelten inzwischen als ein sensibler Indikator für versteckte Indoor-Plantagen.
Ob der Fund in Pölchow ein Einzelfall bleibt oder Teil eines größeren Netzes ist, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen. Klar ist: Der Kampf gegen illegale Cannabis-Anbauanlagen bleibt auch im Zeitalter der Teillegalisierung ein wichtiges Thema für Polizei und Justiz.