CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat sich nachdrücklich für eine grundlegende Reform des deutschen Steuersystems zugunsten von Familien ausgesprochen. In der ARD-Talkshow „Caren Miosga“ machte er sich am Sonntagabend für die Einführung eines sogenannten Familiensplittings stark – als moderne und gerechtere Alternative zum bisherigen Ehegattensplitting.
„Ich bin ein großer Fan des Familiensplittings“, erklärte Linnemann wörtlich. Das derzeitige Ehegattensplitting stamme aus einer Zeit, in der das klassische Modell der Alleinverdienerehe vorherrschte. Heute aber bräuchten Familien mit Kindern mehr Unterstützung, unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht, und unabhängig von ihrer Erwerbskonstellation. Das Steuersystem solle gezielt diejenigen stärken, die Kinder großziehen – denn sie trügen eine doppelte Verantwortung: für ihre Familie und für die Zukunft des Landes.
Ein erster konkreter Schritt könne laut Linnemann darin bestehen, den steuerlichen Grundfreibetrag für Kinder auf das gleiche Niveau wie den für Erwachsene anzuheben. Dies wäre ein klares Signal für mehr steuerliche Gerechtigkeit und könnte auch ein Anreiz sein, dass mehr Eltern – insbesondere Mütter – in den Arbeitsmarkt zurückkehren oder ihre Erwerbstätigkeit ausweiten. „Es geht darum, Familien mehr Luft zum Atmen zu geben“, betonte Linnemann.
Dabei sieht der CDU-Generalsekretär durchaus Chancen, eine solche Reform auch parteiintern mehrheitsfähig zu machen. Zwar gebe es innerhalb der Union unterschiedliche Positionen zur Familienbesteuerung, doch wachse die Einsicht, dass das Steuersystem an die gesellschaftliche Realität angepasst werden müsse. „Wir müssen uns als Union fragen, wie wir Familien im 21. Jahrhundert gerecht fördern wollen“, so Linnemann. Das Familiensplitting könne ein entscheidender Baustein dafür sein.
Die Forderung nach einem Familiensplitting wird auch außerhalb der CDU seit Jahren diskutiert. Befürworter sehen darin ein gerechteres Modell, das Kinder stärker in den Fokus rückt und dem demografischen Wandel Rechnung trägt. Kritiker hingegen warnen vor finanziellen Einbußen für Ehepaare ohne Kinder und fordern stattdessen eine umfassendere Familienpolitik jenseits steuerlicher Entlastungen.
Mit seinem Vorstoß positioniert sich Linnemann einmal mehr als Befürworter struktureller Reformen und setzt innerhalb der CDU einen Impuls für eine Debatte, die auch im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen dürfte.