Melonen aus Norddeutschland? Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, ist für Inga Kreutzfeldt Realität. Die Landwirtin aus dem Kronprinzenkoog im Kreis Dithmarschen baut dort seit fünf Jahren erfolgreich Melonen an – mitten im kühlen Schleswig-Holstein.
Ein ungewöhnliches Experiment mit Potenzial
Im Jahr 2020 startete Kreutzfeldt ihr Experiment mit dem Anbau von Zuckermelonen. Inspiriert von Versuchen in Süddeutschland und den Niederlanden, wollte sie wissen, ob auch das Klima an der Nordseeküste warm genug sein kann, um die wärmeliebenden Früchte zur Reife zu bringen. Die Bedingungen im Kronprinzenkoog – windgeschützt, sonnenreich und mit fruchtbarem Marschboden – erschienen vielversprechend.
Klimawandel verändert auch die Landwirtschaft
Dass so ein Projekt überhaupt denkbar ist, hängt auch mit den Veränderungen durch den Klimawandel zusammen. Die Sommer werden in Norddeutschland länger und wärmer, die Vegetationsperiode verlängert sich. Für Kreutzfeldt eine Chance, neue Wege in der Landwirtschaft zu gehen – und gleichzeitig auf regionale Versorgung mit Produkten zu setzen, die sonst Tausende Kilometer reisen müssen.
Hoher Aufwand – aber süße Ernte
Ganz ohne Hilfsmittel funktioniert der Melonenanbau im Norden dennoch nicht. Die Pflanzen wachsen geschützt unter Folientunneln, werden präzise bewässert und brauchen besonders in der Keim- und Blütephase viel Aufmerksamkeit. „Man muss die Melonen gut beobachten und den richtigen Erntezeitpunkt genau abpassen“, erklärt Kreutzfeldt im Beitrag.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die geernteten Früchte sind aromatisch, süß und bei Kunden auf dem Wochenmarkt in Heide oder in Hofläden sehr beliebt. Viele Käufer sind zunächst überrascht, dass die Melonen tatsächlich aus Schleswig-Holstein stammen – und greifen dann umso begeisterter zu.
Regionalität trifft auf Innovation
Für Kreutzfeldt ist der Melonenanbau mehr als nur ein landwirtschaftliches Experiment. Es ist ein Beispiel dafür, wie regionale Landwirtschaft innovativ und klimabewusst neue Wege beschreiten kann. Ihr Ziel: In Zukunft noch mehr Menschen für regionale Südfrüchte zu begeistern und die Anbauflächen behutsam auszuweiten.
Der NDR-Beitrag zeigt in kompakten zwei Minuten eindrucksvoll, wie viel Leidenschaft, Mut und Fachwissen hinter dem Projekt stecken – und wie sich sogar eine Wüstenpflanze wie die Melone an der Nordseeküste wohlfühlen kann.