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„Klimawandel im Live-Modus“: Rekorddürre in Norddeutschland alarmiert Experten

josealbafotos (CC0), Pixabay

In Norddeutschland herrscht derzeit eine historische Dürre – mit dramatischen Folgen für Landwirtschaft, Wälder und Wasserreserven. Wetterexperte Frank Böttcher warnt im Gespräch mit dem NDR vor den Auswirkungen des Klimawandels, der sich in der aktuellen Wetterlage besonders deutlich zeige: „Das ist Klimawandel im Live-Modus.“

Seit Februar hat es in Regionen wie Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern deutlich weniger geregnet als üblich. Eine klassische Blocking-Wetterlage – ein stabiles Hochdruckgebiet über Nordeuropa – verhindert den Zustrom feuchter Luft vom Atlantik. Die Folge: wolkenloser Himmel, trockene Luftmassen, ausbleibender Regen.

An der Hamburger Messstation Fuhlsbüttel fielen zwischen Februar und Mitte Mai nur 52 Liter Regen pro Quadratmeter – üblich wären rund 175 Liter. Laut Böttcher sei die aktuelle Trockenphase die stärkste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Besonders gefährdet seien leichte, sandige Böden, die ihr Wasser am schnellsten verlieren. Landwirte befürchten Ernteausfälle, Förster sorgen sich um junge Bäume.

Zunehmend extreme Gegensätze

Böttcher macht klar: Trockenheit und Starkregen seien zwei Seiten derselben Medaille. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Verteilung der Niederschläge stark verändert. Während sanfter Landregen seltener werde, nähmen Unwetter mit extremen Regenmengen zu. Die Folge seien längere Dürreperioden – unterbrochen von sintflutartigen Regenfällen, die oft nicht in den Boden eindringen, sondern oberflächlich abfließen.

Der Ozean heizt nach

Als besonders besorgniserregend bewertet Böttcher die Entwicklung der Ozeantemperaturen. Die Weltmeere hätten sich in den letzten Jahren so stark erwärmt wie nie zuvor. Die oberen Wasserschichten speichern die Wärme, während der Wärmeaustausch mit den tieferen Schichten abnimmt. Dadurch steigt auch die Lufttemperatur schneller – ein beschleunigter Kreislauf, der Extremwetter begünstigt.

Anpassung wird zur Pflicht

Für Böttcher steht fest: Der Klimawandel lässt sich nicht mehr vollständig aufhalten – Anpassung sei ebenso notwendig wie Emissionsreduktion. Gerade im norddeutschen Raum müssten Küstenschutz, Deichbau und langfristige Rückzugsstrategien aus tief liegenden Gebieten mitgedacht werden. Szenarien mit einem Meeresspiegelanstieg von über zehn Metern seien bei einem Temperaturanstieg von drei Grad nicht mehr auszuschließen.

Und wie geht’s weiter – kommt der Regen?

Wann es in Norddeutschland wieder ausgiebig regnet, lässt sich derzeit nicht genau vorhersagen. Der Experte rechnet damit, dass die kommenden Niederschläge eher als punktuelle, kräftige Gewitter auftreten. Ein anhaltender, ergiebiger Landregen – wie ihn die Natur jetzt dringend bräuchte – sei zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Dennoch bleibt Böttcher optimistisch: „Der nächste Regen kommt bestimmt – nur wahrscheinlich nicht gleichmäßig, sondern heftig.“

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