In einem erschütternden Fall von mutmaßlicher Selbstjustiz hat die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen einen 43-jährigen Mann erhoben. Ihm wird vorgeworfen, im Mai 2021 einen ehemaligen Geschäftspartner acht Stunden lang festgehalten und schwer misshandelt zu haben. Die Anklage umfasst die Vorwürfe der Aussetzung in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und Geiselnahme.
Nach dem Stand der Ermittlungen soll der Beschuldigte sein Opfer, einen heute 31-jährigen Mann, am 25. Mai 2021 gegen 13 Uhr in der Auguststraße in Berlin-Mitte zufällig angetroffen und sofort attackiert haben. Nach mehreren Faustschlägen habe er den Mann gegen dessen Willen in sein Auto gezwungen und in Büroräume in Berlin-Neukölln gebracht. Dort habe der Täter eigens die Überwachungskameras ausschalten lassen wollen – was offenbar misslang.
Acht Stunden der Gewalt dokumentiert
Was sich in diesen Büroräumen abspielte, wirft ein verstörendes Licht auf den Fall: Laut Anklage soll der Angeschuldigte das Opfer zwei Stunden lang lautstark beschuldigt haben, durch angebliche Betrügereien Geschäftspartner vergrault zu haben. In den Stunden danach sei der Mann brutal mit Fäusten, Händen und einem Hammer misshandelt worden – begleitet von massiven Drohungen. Er soll zudem Fotos vom misshandelten Opfer gemacht haben, um sie anderen Geschäftspartnern „als Warnung“ vorzulegen.
Der Tat soll nach jetzigem Stand erst nach acht qualvollen Stunden ein Ende gesetzt worden sein. Das Opfer überlebte schwer verletzt – sowohl körperlich als auch psychisch. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebt der Mann seither aus Angst vor dem Täter im Ausland an einem unbekannten Ort.
Videoaufnahmen belegen Tathergang
Brisant: Entgegen dem Wunsch des mutmaßlichen Täters seien die Kameras in den Büroräumen nicht deaktiviert worden. Somit existiert eine vollständige Videoaufzeichnung der achtstündigen Tat, die nun als zentrales Beweismittel im bevorstehenden Prozess dient.
Die Anzeige des Vorfalls erfolgte erst im April 2023 – durch einen Zeugen, der in die Anmietung der Räumlichkeiten involviert war. Seit dem 16. April 2025 befindet sich der Beschuldigte in Untersuchungshaft.
Ein Verhandlungstermin vor dem Landgericht Berlin steht derzeit noch aus. Die Justiz rechnet mit einem aufwendigen Verfahren.