In Syracuse im Bundesstaat New York hat ein Fall von extremem Mobbing unter Schülern die Öffentlichkeit erschüttert: 11 Mitglieder des Lacrosse-Teams der Westhill High School haben sich den Behörden gestellt, nachdem sie verdächtigt wurden, fünf jüngere Mitspieler brutal gedemütigt und in einem Fall sogar wie entführt behandelt zu haben.
Laut der Staatsanwaltschaft hatte eine Gruppe der Älteren die jüngeren Spieler unter dem Vorwand, sie würden nach einem Spiel zu McDonald’s gefahren, in ein abgelegenes Waldgebiet gelockt. Dort sprangen vermeintliche „Entführer“ aus dem Gebüsch – vermummt, mit einem Messer und mutmaßlich auch mit einer Waffe bewaffnet. Einer der Opfer wurde mit einem Kissenbezug über dem Kopf gefesselt, in einen Kofferraum gesteckt und in einem anderen Waldstück ausgesetzt.
Anklage und milderes Strafmaß durch Selbstanzeige
Alle 11 verdächtigen Schüler – die meisten davon Minderjährige – erschienen innerhalb der gesetzten 48-Stunden-Frist freiwillig bei der Polizei. Damit konnten sie einer Anklage wegen schwerer Entführung entgehen und müssen sich nun wegen Freiheitsberaubung (ein Vergehen) verantworten. Die Jugendlichen unter 18 Jahren werden vor ein Familiengericht gestellt. Volljährige könnten unter das „Youthful Offender“-Gesetz fallen, was bedeutet, dass ihr Strafregister versiegelt wird.
Lacrosse-Saison abgebrochen – Vertrauensbruch in der Schule
Als Reaktion auf den Vorfall hat der Schulleiter Stephen Dunham die restliche Lacrosse-Saison abgesagt – auch wenn viele Teammitglieder weder beteiligt waren noch von der Aktion wussten. Man wolle nun einen „kulturellen Neustart“ für das Team. Die Schule untersucht den Fall intern, verweist jedoch auf geltende Datenschutzregeln in Disziplinarangelegenheiten. Es sei aber klar: „Hazing ist nicht zu entschuldigen“, so Dunham.
Was bleibt: Tiefe Spuren bei den Opfern
Der Bezirksstaatsanwalt William Fitzpatrick sprach von einer Grenzüberschreitung, die „weit über harmloses Mobbing hinausgeht“. Die Tat sei gefilmt worden – auch die Reaktionen der Täter, die darüber lachten. Besonders tragisch: Ein Opfer glaubte für eine Zeit, es werde allein in der Wildnis zurückgelassen.
Ein Weckruf für Schulen und Eltern
Dieser Fall zeigt auf schockierende Weise, wie schnell aus „Traditionen“ im Team schmerzhafte und potenziell traumatisierende Erfahrungen werden können. Es bleibt zu hoffen, dass der Fall als Warnung dient – und Schulen sowie Familien landesweit dazu bringt, präventiv gegen Hazing-Kulturen vorzugehen.