Nach einem lautstarken Triumphauftritt zum 100. Tag seiner zweiten Amtszeit sieht sich Präsident Donald Trump plötzlich mit einem unangenehmen Kontrast konfrontiert: Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2025 geschrumpft – erstmals seit drei Jahren. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 % stellt einen deutlichen Dämpfer für Trumps Erfolgsversprechen dar und sorgt für Nervosität an den Märkten und unter Verbrauchern.
Der Präsident reagierte prompt – und in Großbuchstaben – auf Truth Social:
„BE PATIENT!!!“, forderte er und machte die wirtschaftliche Entwicklung unter seinem Vorgänger für den aktuellen Rückgang verantwortlich: den sogenannten „Biden-Overhang“.
Doch Experten sehen die Ursache anders. Laut zahlreichen Ökonomen ist die konjunkturelle Abkühlung direkt auf Trumps Politik zurückzuführen – insbesondere auf die hohen Zölle, die teils überraschend eingeführt, gestoppt oder verändert wurden. Diese Unsicherheit bremst Investitionen, verschiebt Lieferketten und treibt Importe in die Höhe, was das Handelsdefizit und damit das Wirtschaftswachstum belastet.
Auch der Aktienmarkt reagierte empfindlich: Dow Jones, Nasdaq und S&P verzeichneten unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen Verluste.
Weiße Haus versucht positive Akzente
Die Regierung bemühte sich dennoch um Optimismus. In einer offiziellen Mitteilung sprach man von „starker wirtschaftlicher Dynamik“. Der Rückgang sei größtenteils durch vorgezogene Importe zur Vorratsbildung bedingt, bevor die härtesten Zölle seit den 1930er-Jahren greifen würden.
Dennoch warnen viele unabhängige Analysten vor einer bevorstehenden milden Rezession, sollten die Zölle wie geplant beibehalten oder gar verschärft werden. Entscheidend wird das zweite Quartal sein – zwei aufeinanderfolgende negative Quartale gelten als klassische Definition einer Rezession.
Politischer Druck wächst
Die schlechte Nachricht kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für Trump: Seine Zustimmungswerte befinden sich laut mehreren Umfragen im Sinkflug – besonders in der Wirtschaftspolitik, einem bisherigen Kernbereich seiner Stärke.
Zudem wirbt der Präsident aktuell um Unterstützung für sein innenpolitisches Vorhaben: ein groß angelegtes Gesetzespaket mit Steuersenkungen und umfassenden Ausgabenkürzungen – von ihm selbst als „großartiges, wunderschönes Gesetz“ bezeichnet. Doch selbst unter Republikanern gibt es Bedenken wegen des Defizits, und bei der knappen Mehrheit im Repräsentantenhaus bleibt wenig Spielraum für Fehler.
Fazit
Trumps wirtschaftlicher Fehlstart im zweiten Amtsjahrhundert könnte sich als mehr als nur ein Stolperstein erweisen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob es ihm gelingt, das Ruder wirtschaftlich und politisch herumzureißen – oder ob der „Biden-Overhang“ zum Bumerang seiner eigenen Strategie wird.