Im aufsehenerregenden Prozess gegen Erin Patterson, die beschuldigt wird, bei einem Familienessen in ihrem Haus in Leongatha (Victoria) tödliche Pilze serviert zu haben, hat nun ihr Ex-Ehemann Simon Patterson als erster Zeuge ausgesagt. Er beschrieb das verhängnisvolle Mittagessen im Juli 2023 als „sehr ungewöhnlich“, da Erin selten gesellschaftliche Zusammenkünfte veranstalte. Er selbst war eingeladen – sagte aber am Tag zuvor ab, weil er sich „zu unwohl“ fühlte.
Drei Personen starben nach dem Essen: Erins Ex-Schwiegereltern Don (70) und Gail Patterson (70) sowie Gails Schwester Heather Wilkinson (66). Nur deren Ehemann, Pastor Ian Wilkinson, überlebte schwerverletzt. Die Hauptfrage des Prozesses: Hat Erin Patterson die als tödlich bekannte Pilzsorte „Death Cap“ absichtlich serviert?
Simon Patterson schilderte in seiner emotionalen Aussage, dass seine Ex-Frau eine intelligente und schlagfertige Person sei – eine Eigenschaft, die ihn einst anzog. Dennoch sei die Beziehung früh von Trennungen geprägt gewesen – eine davon besonders drastisch: 2009 habe Erin ihn während eines Roadtrips mit ihrem Baby in der Mitte Australiens einfach zurückgelassen. Er musste allein rund 5000 Kilometer mit dem Kind bis nach Perth fahren.
Er berichtete außerdem von einer Nachricht am Tag vor dem Essen, in der Erin enttäuscht auf seine Absage reagierte: „Ich habe viele Stunden in die Vorbereitung des Essens gesteckt. Es ist wichtig für mich, dass ihr alle kommt.“
Laut Anklage hatte Erin die Gäste unter dem Vorwand eingeladen, an Krebs erkrankt zu sein. Zudem soll sie laut Staatsanwaltschaft gelogen haben, als sie angab, die Pilze seien aus einem Asia-Markt in Melbourne. Tatsächlich habe sie sie nahe ihres Hauses gesammelt. Auch der angeblich zur Zubereitung verwendete Dörrautomat soll nachträglich auf einer Mülldeponie entsorgt worden sein.
Simon Patterson erinnerte sich außerdem daran, dass seine Tante Heather am Tag nach dem Essen irritiert erwähnt habe, dass Erin sich selbst ihr Essen auf einem farbigen Teller serviert habe – im Gegensatz zu den anderen Gästen. „Sie fragte mich, ob Erin einfach zu wenig Geschirr habe“, sagte Patterson. Er habe geantwortet, das könne sein.
Er schilderte auch den Zustand seiner Eltern im Krankenhaus: „Mein Vater war deutlich schlechter dran als meine Mutter. Er war gekrümmt, das Gesicht verfärbt, Sprechen war eine Qual.“
Erin Patterson bestreitet die Tat. Ihre Verteidigung argumentiert, sie habe in Panik reagiert, nachdem sie bemerkt habe, dass ihre Gäste schwer erkrankt waren. Der Prozess wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt – nicht nur wegen der dramatischen Umstände, sondern auch wegen der zentralen Frage: Unglück oder vorsätzlicher Mord?