Die Märkte zittern, der Dollar schwächelt, Gold glänzt – und im Weißen Haus wird fleißig getwittert. Klingt nach einem ganz normalen Montag im Jahr 2025.
Der Dow Jones rauschte heute über 1.000 Punkte in den Keller – ein Verlust von 2,6 %. Auch S&P 500 und Nasdaq schlossen sich dem Sturzflug an. Die Börse spielt Crashkurs, während der US-Präsident mal wieder seinen Lieblings-Sündenbock bearbeitet: Jerome Powell, Chef der US-Notenbank.
Der Dollar? Der zeigt sich solidarisch mit der Wall Street und fällt gleich mit – auf den tiefsten Stand seit über drei Jahren. Wer braucht schon eine starke Währung, wenn man starke Tweets hat?
Donald Trump, Meister der monetären Diplomatie, hat erneut klargestellt, was er von Powell hält – nämlich nicht viel. Auf Social Media nennt er ihn einen „riesigen Verlierer“ und betont, dessen Rauswurf könne gar nicht schnell genug kommen. Ob er damit rechtlich durchkommt? Egal. Hauptsache, es kracht ordentlich im Gebälk.
Der Grund für Trumps Wutanfall: Powell weigert sich hartnäckig, die Zinsen zu senken. Während die Europäische Zentralbank eifrig lockert, bleibt die Fed vorerst standhaft. Und das passt dem Präsidenten ganz und gar nicht, schließlich ist Zinssenkung sein Plan A, B und C für Wirtschaftssteuerung – am besten noch vor den nächsten Wahlen.
Der Chefökonom des Weißen Hauses verspricht derweil, man prüfe „neue juristische Wege“, um Powell loszuwerden. Klar, warum sich an Konventionen halten, wenn man auch kreativ regieren kann?
Die Märkte reagieren – wenig überraschend – panisch. Gold steigt auf ein Rekordhoch von über 3.400 Dollar pro Unze. Sicherheit sieht eben anders aus als eine drohende Notenbankkrise inmitten eines Handelsstreits. Apropos: Die Strafzölle, die Trump immer noch fleißig verteilt wie Gratis-T-Shirts, wirken sich natürlich auch nicht gerade beruhigend auf die Investoren aus.
Selbst langjährige Marktbeobachter zeigen sich besorgt. Die Fed galt bisher als unabhängig. Jetzt könnte sie zur nächsten Reality-TV-Bühne verkommen – Titelvorschlag: „Jerome, you’re fired!“
Immerhin: Die Fed tagt Anfang Mai. Da wird entschieden, ob die Zinsen bleiben, wo sie sind. Analysten vermuten, dass Powell sich trotz Dauerbeschuss nicht aus der Ruhe bringen lässt. Noch nicht.
In der Zwischenzeit freuen sich Edelmetall-Händler und Europäische Aktienmärkte über den Geldregen. US-Investoren hingegen fragen sich, ob sie nicht lieber in etwas investieren sollten, das weniger volatil ist – zum Beispiel Ziegen in Neuseeland.
Ach ja, und nebenbei veröffentlichen Unternehmen wie Tesla und Alphabet diese Woche auch noch Quartalszahlen. Fast schon Nebensache, inmitten der neuesten Episode: „Trump vs. die Fed – das Drama geht weiter.“