Der Nutri-Score ist eine freiwillige, farbige Nährwertkennzeichnung, die Verbraucher:innen helfen soll, Lebensmittel schnell und einfach in ihrer Nährstoffqualität einzuschätzen – besonders bei verarbeiteten Produkten. Seit 2020 ist die Verwendung in Deutschland rechtssicher geregelt. Doch wie funktioniert der Nutri-Score genau – und was kann er (nicht)?
Was zeigt der Nutri-Score an?
Der Nutri-Score erscheint vorderseitig auf der Verpackung eines Lebensmittels und besteht aus fünf farbigen Buchstaben von A (dunkelgrün, beste Bewertung) bis E (rot, schlechteste Bewertung).
Er bewertet das Verhältnis von günstigen und ungünstigen Inhaltsstoffen pro 100 g bzw. 100 ml eines Produkts – etwa bei Pizza, Müsli, Getränken oder Fertiggerichten.
- Günstig: Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte
- Ungünstig: Zucker, gesättigte Fette, Salz, Kalorien
So wird der Nutri-Score berechnet
- Ungünstige Punkte sammeln: z. B. für Zucker, Fett, Salz, Kalorien
- Günstige Punkte sammeln: z. B. für Ballaststoffe, Proteine, Gemüseanteil
- Verrechnung der Punkte ergibt die Einstufung von A bis E
Seit 2024 gilt eine neue, verschärfte Berechnungsgrundlage, etwa mit:
- Strengeren Regeln bei Zucker, Salz und Ballaststoffen
- Eigenem Rechenmodell für pflanzliche Öle, Nüsse & Samen
- Verschärfte Bewertung von Süßstoffen in Getränken
Was zeigt der Nutri-Score nicht?
- Keine Aussage über Zusatzstoffe oder Aromen (außer Süßstoffe in Getränken)
- Keine Bewertung einzelner Nährstoffe, z. B. Vitamine
- Nicht geeignet für unverarbeitete Lebensmittel (z. B. frisches Obst, Gemüse, Fleisch)
- Keine Aussage zur Umweltverträglichkeit oder Herkunft
- Produkte können „schön gerechnet“ sein, wenn sie an Schwellenwerten optimiert werden
Welche Produkte tragen den Nutri-Score?
Nur, wenn Hersteller sich freiwillig registrieren, dürfen sie den Nutri-Score nutzen. Entscheidet sich ein Unternehmen für die Kennzeichnung, muss sie konsequent für alle Produkte einer Marke erfolgen – nicht nur für die „gesunden“.
Bislang haben sich in Deutschland rund 910 Unternehmen mit über 1350 Marken registriert (Stand: Oktober 2024).
Wofür ist der Nutri-Score hilfreich?
- Schneller Vergleich innerhalb einer Produktgruppe (z. B. zwischen Pizzasorten oder Müslis)
- Bessere Orientierung beim Einkauf – besonders im Supermarkt-Alltag
- Anstoß für Hersteller, ihre Rezepturen gesünder zu gestalten
Was wird nicht mit dem Nutri-Score gekennzeichnet?
- Säuglings- und Kleinkindnahrung
- Nahrungsergänzungsmittel, medizinische Spezialnahrung
- Unverarbeitete Produkte (z. B. frisches Obst, Kräuter, Salz, Tee, Kaffee)
- Alkoholische Getränke mit über 1,2 % Vol.
Was sagen die Verbraucherzentralen dazu?
Positiv:
- Verständlich, farblich eingängig, hilft bei Kaufentscheidungen
- Motiviert Hersteller zur Rezepturverbesserung
Kritisch sehen sie:
- Freiwilligkeit verhindert Vergleichbarkeit über alle Produkte hinweg
- Intransparente Übergangsphase zwischen alter und neuer Berechnungsweise
- Gesündeste Lebensmittel (wie frisches Gemüse) tragen keinen Nutri-Score
- Zuckergrenzwerte aus Sicht der DGE & WHO immer noch zu hoch
Fazit
Der Nutri-Score ist ein praktisches Orientierungssystem im Supermarkt – besonders für verarbeitete Lebensmittel. Er ersetzt keine detaillierte Nährwerttabelle, ist aber ein schneller, verständlicher Wegweiser zu einer ausgewogeneren Ernährung. Für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit fordern Fachleute allerdings: Eine EU-weite verpflichtende Kennzeichnung ist der nächste logische Schritt.