Der Klimawandel brennt nicht nur unter den Füßen – sondern auch in der sozialen Realität. Eine neue Studie der BOKU Wien zeigt, was viele ohnehin spüren: Die Hitze trifft nicht alle gleich. Besonders hart erwischt es einkommensschwache Haushalte, ältere Menschen und alle, die sich keine teuren Ventilatoren, coolen Lofts oder gut beschatteten Innenhöfe leisten können.
Doch es wird noch absurder: Selbst gut gemeinte Klimaschutzmaßnahmen wie Stadtbegrünung können zur Verdrängung führen – wenn bei der Umsetzung nicht auch die soziale Brille aufgesetzt wird. Was als grüne Oase geplant ist, endet zu oft als teures Prestigeprojekt mit Latte-Macchiato und Immobilienblase.
Wenn Bäume unbezahlbar werden
„Wir müssen aufpassen, dass wir mit mehr Bäumen nicht auch die Menschen rauswachsen lassen, die sie am dringendsten brauchen“, warnt Studienautor Michael Friesenecker von der BOKU. Denn: Grün macht Stadtteile attraktiver – und damit teurer. Mieten steigen, Investor:innen kommen, alteingesessene Mieter:innen gehen.
Besonders in unregulierten Wohnungsmärkten, wie es sie auch in Wien gibt (Stichwort: private Mietwohnungen), ist das Risiko hoch. Die Studie zeigt: Begrünung ohne Sozialpolitik ist wie ein Sonnenschirm, den man über den Golfplatz spannt – hübsch, aber für die falschen Leute.
Sozialer Wohnbau als Klimaretter? Ja, tatsächlich.
Die Lösung? Mehr sozialer Wohnbau. Laut der Studie senkt jedes zusätzliche Prozent an gefördertem Wohnraum das Risiko für Gentrifizierung um bis zu fünf Prozent. Damit wird deutlich: Wer Klimaschutz ernst meint, muss auch über Mieten reden.
Gerade Wien – lange Vorzeigemodell für leistbares Wohnen – steht hier unter besonderer Beobachtung. Die Forscher:innen haben die Stadt als Beispiel genommen, um zu zeigen: Eine lebenswerte Stadt für alle braucht nicht nur Pflanzen, sondern auch politische Pflöcke.
Fazit: Keine grüne Zukunft ohne soziale Gerechtigkeit
Klimaanpassung darf nicht zur Luxussanierung von Problemzonen verkommen. Wer wirklich Resilienz will – also eine Gesellschaft, die auf Krisen nicht mit Zynismus, sondern mit Zusammenhalt reagiert – muss Ökologie und soziale Gerechtigkeit zusammendenken.
Oder wie es die Studie sagt:
„Eine klimagerechte Stadt ist kein Zufallsprodukt – sie ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen.“