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Politisches Beben in Sachsen-Anhalt: AfD laut erster ARD-Prognose bei 44,5 Prozent – CDU stürzt auf 18,5 Prozent

succo (CC0), Pixabay

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich ein politisches Beben ab. Nach der ersten ARD-Prognose von 18 Uhr wird die AfD mit großem Abstand stärkste Kraft. Sie kommt demnach auf 44,5 Prozent. Die CDU erreicht nur noch 18,5 Prozent.

Damit würde die AfD ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln. Damals hatte sie 20,8 Prozent erreicht. Die CDU, die 2021 noch mit 37,1 Prozent klar stärkste Partei geworden war, müsste dagegen einen dramatischen Absturz hinnehmen.

Wichtig: Bei diesen Zahlen handelt es sich um die erste Prognose auf Grundlage von Nachwahlbefragungen und noch nicht um das ausgezählte Wahlergebnis. Die ersten Hochrechnungen werden im Laufe des Abends ein genaueres Bild liefern. Die ARD-Prognose basiert auf Befragungen tatsächlicher Wählerinnen und Wähler nach der Stimmabgabe.

Die erste ARD-Prognose

Nach den um 18 Uhr veröffentlichten Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

AfD: 44,5 Prozent
CDU: 18,5 Prozent
Linke: 9,5 Prozent
Grüne: 9,0 Prozent
SPD: 8,0 Prozent
BSW: 5,0 Prozent
FDP: 2,0 Prozent
Andere: 3,5 Prozent

Besonders spannend ist damit auch das Abschneiden des BSW. Mit genau 5,0 Prozent liegt die Partei in der ersten Prognose unmittelbar an der Fünf-Prozent-Hürde. Schon kleine Verschiebungen bei den Hochrechnungen könnten deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Zusammensetzung des neuen Landtags haben.

AfD übertrifft sogar ihre hohen Umfragewerte

Dass die AfD die Wahl gewinnen könnte, hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet. Die letzte ARD-Vorwahlumfrage vom 26. August sah die Partei bei 42 Prozent und die CDU bei 22 Prozent.

Die erste Prognose geht nun noch darüber hinaus: Mit 44,5 Prozent läge die AfD weitere 2,5 Prozentpunkte über diesem letzten ARD-Umfragewert.

Für die CDU fällt das Bild dagegen noch schlechter aus als vor der Wahl erwartet. Statt der zuletzt prognostizierten 22 Prozent werden ihr zunächst nur 18,5 Prozent zugerechnet.

Sollten sich diese Werte im Laufe des Abends bestätigen, wäre dies eine historische Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse in Sachsen-Anhalt.

Reicht es der AfD sogar zur absoluten Mehrheit?

Die entscheidende Frage des Wahlabends lautet nun, ob die AfD mit 44,5 Prozent möglicherweise sogar eine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag erreichen könnte.

Dafür benötigt eine Partei nicht zwingend mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen. Entscheidend ist, wie viele Stimmen auf Parteien entfallen, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und deshalb bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt werden.

Genau deshalb ist das Abschneiden des BSW von besonderer Bedeutung. Sollte das BSW unter fünf Prozent fallen und gemeinsam mit FDP und weiteren kleineren Parteien nicht in den Landtag einziehen, könnte die AfD mit ihrem hohen Stimmenanteil einer absoluten Sitzmehrheit sehr nahe kommen oder sie möglicherweise erreichen.

Ob dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich aus der ersten Prognose allein jedoch noch nicht seriös feststellen.

CDU vor einem historischen Debakel

Besonders schwer wiegt das Ergebnis für die CDU. Bei der Landtagswahl 2021 erreichte sie unter Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent und 40 Sitze. Die AfD kam damals auf 20,8 Prozent.

Mit jetzt prognostizierten 18,5 Prozent würde die CDU gegenüber 2021 nahezu die Hälfte ihres Stimmenanteils verlieren.

Für Ministerpräsident Sven Schulze wäre dies eine äußerst schwierige Ausgangslage für eine mögliche Regierungsbildung.

Grüne überraschend deutlich im Landtag

Eine weitere Überraschung der ersten Prognose sind die Grünen. Sie werden mit 9,0 Prozent ausgewiesen und lägen damit deutlich über ihrem Ergebnis von 2021 von 5,9 Prozent.

Die Linke erreicht zunächst 9,5 Prozent, die SPD 8,0 Prozent.

Die FDP dagegen würde mit lediglich 2,0 Prozent klar aus dem Landtag ausscheiden. 2021 hatte sie noch 6,4 Prozent erreicht und war anschließend Teil der Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP.

Damit wäre die bisherige Regierungskoalition nicht nur abgewählt – sie könnte in ihrer bisherigen Zusammensetzung überhaupt nicht mehr fortgeführt werden.

Außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung

Bereits im Tagesverlauf hatte sich eine außergewöhnlich hohe Beteiligung abgezeichnet. Bis 16 Uhr hatten nach Angaben der Landeswahlleitung bereits 65,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme im Wahllokal abgegeben. Briefwähler waren darin noch nicht enthalten. 2021 hatten zu diesem Zeitpunkt lediglich 41 Prozent gewählt.

Knapp 1,7 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen.

Jetzt entscheiden die Hochrechnungen

Noch ist der Wahlabend ganz am Anfang. Die 18-Uhr-Prognose ist kein amtliches Wahlergebnis. Erst mit den Hochrechnungen fließen tatsächlich ausgezählte Stimmen ein. Im Laufe des Abends werden die Zahlen dadurch zunehmend belastbarer.

Schon geringe Veränderungen könnten heute besonders wichtig werden. Das gilt vor allem für das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde und für die Frage, wie viele Sitze die AfD letztlich erhält.

Fest steht nach der ersten Prognose aber bereits: Sollten sich die Zahlen annähernd bestätigen, hat Sachsen-Anhalt eine historische Verschiebung seiner politischen Kräfteverhältnisse erlebt. Die AfD wäre mit großem Abstand stärkste Partei – und die CDU müsste eine Niederlage von bislang kaum gekanntem Ausmaß verkraften.

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