Dark Mode Light Mode

Schütze GmbH: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen – traditionsreicher Kasseler Taxidienst erst 2025 umbenannt und übernommen

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Für die Schütze GmbH aus Kassel wird kein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet. Das Amtsgericht Kassel hat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 3. September 2026 mangels Masse gemäß § 26 Abs. 1 InsO abgewiesen.

Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 666 IN 82/26 e geführt. Die Gesellschaft hat ihre Geschäftsanschrift im Königstor 55a, 34119 Kassel und ist beim Amtsgericht Kassel unter HRB 14675 eingetragen.

Geschäftsführer ist Jan-Niklas Schütze.

Die Gesellschaft ist wesentlich älter, als der heutige Firmenname vermuten lässt: Hinter der Schütze GmbH steht die bereits 2008 gegründete L & L Taxidienst GmbH, die erst Anfang 2025 in Schütze GmbH umbenannt wurde.

Gericht sieht nicht genügend Vermögen für ein Insolvenzverfahren

Das Amtsgericht Kassel hat den Insolvenzantrag nicht wegen fehlender wirtschaftlicher Schwierigkeiten zurückgewiesen.

Die Entscheidung erfolgte ausdrücklich mangels Masse.

Das bedeutet, dass das vorhandene beziehungsweise verwertbare Gesellschaftsvermögen nach gerichtlicher Prüfung voraussichtlich nicht einmal ausreicht, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu decken und kein ausreichender Kostenvorschuss geleistet wurde.

Damit wird kein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet und auch kein Insolvenzverwalter eingesetzt, der anschließend die Vermögenswerte verwertet und die Gläubiger zur Forderungsanmeldung auffordert.

Wer den Insolvenzantrag stellte, bleibt offen

Die kurze Insolvenzbekanntmachung lässt nicht erkennen, wer den Antrag auf Eröffnung des Verfahrens gestellt hatte.

Es wird weder ausdrücklich von einem Eigenantrag der Schütze GmbH noch von einem Gläubigerantrag gesprochen.

Deshalb sollte derzeit nicht behauptet werden, dass die Geschäftsführung selbst Insolvenz beantragt habe.

Gesichert ist lediglich, dass ein Insolvenzantragsverfahren geführt wurde und dieses am 3. September 2026 mit der Abweisung mangels Masse endete.

Geschäftszweck: Taxifahrzeuge samt Fahrpersonal vermieten

Der Unternehmensgegenstand der Schütze GmbH ist ungewöhnlich konkret formuliert.

Die Gesellschaft beschäftigt sich mit der Vermietung von Taxifahrzeugen nebst Fahrpersonal an Taxi- und Personenbeförderungsunternehmen.

Das Geschäftsmodell unterscheidet sich damit von einem gewöhnlichen Taxiunternehmen, das ausschließlich eigene Beförderungsaufträge von Fahrgästen übernimmt.

Nach dem eingetragenen Gegenstand sollte die Gesellschaft vielmehr Fahrzeuge einschließlich Fahrpersonal anderen Unternehmen des Taxi- und Personenbeförderungsgewerbes zur Verfügung stellen.

Aktive Tätigkeit lässt sich durchaus feststellen

Die Angabe, eine aktive Geschäftstätigkeit habe nicht ermittelt werden können, sollte inzwischen etwas differenzierter betrachtet werden.

Öffentliche Branchenverzeichnisse führen die Schütze GmbH am Königstor 55a aktuell als Taxiunternehmen in Kassel. Dabei wird auch eine Mobilfunknummer angegeben.

In einem weiteren aktuellen Taxiverzeichnis ist die Gesellschaft ebenfalls unter ihrer Kasseler Geschäftsanschrift gelistet.

Damit bestehen zumindest öffentlich sichtbare Anhaltspunkte dafür, dass die Schütze GmbH nach der Übernahme beziehungsweise Umbenennung 2025 tatsächlich im Taxigewerbe auftrat.

Wie groß der zuletzt tatsächlich eingesetzte Fuhrpark war, wie viele Fahrer beschäftigt wurden und wie hoch der laufende Geschäftsumfang war, lässt sich dagegen nicht belastbar feststellen.

Unternehmen existiert bereits seit 2008

Die heutige Schütze GmbH wurde nicht erst von Jan-Niklas Schütze gegründet.

Die Gesellschaft wurde bereits am 9. Dezember 2008 in das Handelsregister eingetragen.

Der Gesellschaftsvertrag stammt vom 29. März 2008 und wurde am 12. Juni 2008 geändert.

Das Stammkapital beträgt 26.000 Euro.

Die Firma lautete ursprünglich:

L & L Taxidienst GmbH.

Der damalige Sitz befand sich in Kaufungen bei Kassel.

Als Geschäftsanschrift wurde Am Höhberg 8, 34260 Kaufungen geführt.

Mehr als 16 Jahre unter dem Namen L & L Taxidienst

Unter ihrem ursprünglichen Namen L & L Taxidienst GmbH war die Gesellschaft über viele Jahre im Taxigewerbe tätig.

Bereits bei der Gründung 2008 wurde als Unternehmensgegenstand genau die Tätigkeit eingetragen, die auch heute noch gilt: die Vermietung von Taxifahrzeugen einschließlich Fahrpersonal an Taxi- und Personenbeförderungsunternehmen.

Damit wurde der Unternehmensgegenstand beim späteren Namenswechsel nicht grundsätzlich neu erfunden.

Das Kerngeschäft hat eine lange Vorgeschichte.

Familie Lübon prägte das Unternehmen über Jahre

Die L & L Taxidienst GmbH wurde über lange Zeit insbesondere durch Wolfgang Lübon und Sabine Lübon geprägt.

Wolfgang Lübon gehörte bereits bei der Gründung zur Geschäftsführung.

Auch Sabine Lübon war als Geschäftsführerin eingetragen.

Über viele Jahre veröffentlichte die Gesellschaft regelmäßig Jahresabschlüsse. Öffentlich auffindbar sind Abschlüsse von 2008 bis einschließlich 2021.

Das spricht dafür, dass es sich jedenfalls historisch um eine tatsächlich wirtschaftlich tätige Gesellschaft und nicht lediglich um eine Vorrats- oder Mantelgesellschaft handelte.

Frühe Bilanz zeigt reales operatives Geschäft

Ein Blick in ältere veröffentlichte Finanzdaten unterstreicht dies.

Zum Jahresende 2010 wies die damalige L & L Taxidienst GmbH eine Bilanzsumme von knapp 300.000 Euro aus.

Zum Anlagevermögen gehörten Sachanlagen von mehr als 63.000 Euro. Daneben bestanden umfangreiche Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.

Das Unternehmen erzielte für 2010 einen Jahresüberschuss.

Diese Zahlen sind inzwischen mehr als 15 Jahre alt und sagen nichts über die heutige finanzielle Lage aus. Sie zeigen jedoch, dass die Gesellschaft in ihrer früheren Form tatsächlich ein operatives Geschäft betrieb.

Einschnitt im Jahr 2024 und Anfang 2025

Der entscheidende Wandel erfolgte 2024 beziehungsweise Anfang 2025.

Die Gesellschafterversammlung beschloss eine Änderung von Firma und Sitz.

Zum 3. Januar 2025 wurde die Veränderung im Handelsregister eingetragen.

Aus der bisherigen

L & L Taxidienst GmbH

wurde die

Schütze GmbH.

Gleichzeitig wechselte der Unternehmenssitz von Kaufungen nach Kassel.

Die neue Geschäftsanschrift lautete Königstor 55a.

Jan-Niklas Schütze übernimmt Geschäftsführung

Mit der Umfirmierung erfolgte auch ein Führungswechsel.

Wolfgang Lübon schied als Geschäftsführer aus.

Neu bestellt wurde Jan-Niklas Schütze.

Er ist alleinvertretungsberechtigt und darf auch Rechtsgeschäfte mit sich selbst oder als Vertreter eines Dritten abschließen.

Damit ging die Gesellschaft Anfang 2025 sowohl hinsichtlich ihres Namens als auch ihrer Geschäftsführung und ihres Standortes in eine neue Phase.

Jan-Niklas Schütze offenbar alleiniger Gesellschafter

Aktuelle öffentlich ausgewertete Registerdaten weisen Jan-Niklas Schütze zudem als alleinigen Gesellschafter der Schütze GmbH aus.

Danach hält er das gesamte Stammkapital von 26.000 Euro.

Damit wäre die Gesellschaft nicht nur nach ihm benannt und von ihm geführt worden, sondern auch vollständig seinem gesellschaftsrechtlichen Einfluss zuzurechnen.

Verbindung zur Kondor Taxibetriebsführungsgesellschaft

Jan-Niklas Schütze ist außerdem mit einem weiteren Kasseler Taxiunternehmen verbunden.

Seit Juli 2024 gehört er zur Geschäftsführung der Kondor Taxibetriebsführungsgesellschaft mit beschränkter Haftung.

Dieses Unternehmen ist ebenfalls im Kasseler Taxigewerbe tätig.

Damit verfügte Schütze bereits vor der Umbenennung der L & L Taxidienst GmbH über eine weitere unternehmerische Verbindung in derselben Branche.

Die Insolvenzbekanntmachung vom 3. September betrifft jedoch ausschließlich die Schütze GmbH.

Aus deren Abweisung mangels Masse kann nicht geschlossen werden, dass auch die Kondor Taxibetriebsführungsgesellschaft insolvent ist.

Noch im März 2026 als aktive Gesellschaft bestätigt

Interessant ist außerdem, dass für die Schütze GmbH erst im März 2026 ein sogenannter Legal Entity Identifier, kurz LEI, registriert wurde.

Dabei wurden Firmenname, Anschrift und Handelsregisternummer anhand offizieller Registerdaten bestätigt.

Die Gesellschaft wurde dabei mit dem Status „ACTIVE“ geführt.

Dies ist allerdings keine Aussage über Zahlungsfähigkeit oder wirtschaftliche Gesundheit. Ein solcher Status bedeutet lediglich, dass die juristische Person registerrechtlich als bestehend geführt wurde.

Nur wenige Monate später folgte das Insolvenzantragsverfahren.

Keine aktuellen Finanzzahlen öffentlich erkennbar

Die zuletzt öffentlich auffindbaren Jahresabschlussveröffentlichungen reichen bis zum Geschäftsjahr 2021.

Aktuelle Zahlen über Umsatz, Gewinn oder Verlust, Fuhrpark, Personalbestand und Verbindlichkeiten der Jahre 2024 bis 2026 sind öffentlich nicht belastbar festzustellen.

Damit bleibt insbesondere offen, in welchem wirtschaftlichen Zustand Jan-Niklas Schütze das Unternehmen übernahm und wie sich die Vermögenslage anschließend entwickelte.

Auch die Ursachen dafür, dass schließlich keine ausreichende Insolvenzmasse mehr vorhanden war, sind nicht bekannt.

Keine Angaben zur Höhe der Schulden

Der Beschluss des Amtsgerichts Kassel nennt weder die Höhe der Verbindlichkeiten noch die Zahl der Gläubiger.

Ebenso wenig wird mitgeteilt, welche Vermögenswerte zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags noch vorhanden waren.

Bei einem Unternehmen aus dem Taxigewerbe wäre insbesondere von Interesse, ob Fahrzeuge im Eigentum der Gesellschaft standen, geleast oder finanziert waren.

Auch hierzu enthält die gerichtliche Bekanntmachung keine Angaben.

Der Unternehmensgegenstand allein beweist nicht, dass zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags noch ein eigener werthaltiger Fuhrpark vorhanden war.

Abweisung mangels Masse hat Folgen für die GmbH

Die rechtskräftige Abweisung eines Insolvenzantrags mangels Masse hat für eine GmbH erhebliche gesellschaftsrechtliche Konsequenzen.

Die Gesellschaft wird grundsätzlich kraft Gesetzes aufgelöst.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Schütze GmbH am 3. September automatisch aus dem Handelsregister gelöscht wurde.

Zunächst können weitere Abwicklungs- und registerrechtliche Maßnahmen folgen.

Eine spätere Löschung ist davon zu unterscheiden.

Für Gläubiger besonders ungünstige Situation

Auch Forderungen gegen die Schütze GmbH verschwinden durch die Abweisung nicht automatisch.

Für Gläubiger besteht jedoch das Problem, dass kein reguläres Insolvenzverfahren durchgeführt wird.

Es gibt damit keinen Insolvenzverwalter, der sämtliche Vermögenswerte zusammenträgt und nach den Regeln der Insolvenzordnung gemeinschaftlich verteilt.

Die Feststellung, dass nicht einmal genügend Masse zur Deckung der Verfahrenskosten vorhanden ist, deutet auf sehr begrenzte wirtschaftliche Möglichkeiten hin.

Keine neue Meldung vom 4. September

Für die tägliche Auswertung muss die Entscheidung zeitlich korrekt eingeordnet werden.

Der Beschluss des Amtsgerichts Kassel stammt vom 3. September 2026.

Die Schütze GmbH ist deshalb keine neue Insolvenzmeldung vom 4. September 2026.

Soll ausschließlich nach am 4. September veröffentlichten beziehungsweise entschiedenen Fällen gefiltert werden, darf sie nicht erneut als neuer Tagesfall aufgeführt werden.

Vom L & L Taxidienst zur Schütze GmbH – nach rund 18 Jahren droht das Ende

Der Fall ist dennoch bemerkenswert, weil hinter der Schütze GmbH kein erst kürzlich gegründetes Taxiunternehmen steht.

Die Gesellschaft besteht bereits seit 2008 und war mehr als 16 Jahre als L & L Taxidienst GmbH tätig.

Erst Anfang 2025 erfolgten der Wechsel zu Jan-Niklas Schütze, die Umbenennung in Schütze GmbH und der Umzug von Kaufungen nach Kassel.

Weniger als zwei Jahre später steht die Gesellschaft vor dem wirtschaftlichen Aus.

Das Amtsgericht Kassel hat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Schütze GmbH am 3. September 2026 mangels Masse gemäß § 26 Abs. 1 InsO abgewiesen.

Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 666 IN 82/26 e geführt.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Falkland-Streit flammt neu auf: London weist Milei scharf zurück – und Trump sorgt für zusätzliche Unsicherheit

Next Post

VERBUND Windpark Quelkhorn rutscht ins Minus: Zinslast verdreifacht sich fast – was Anleger aus der Bilanz 2025 lesen können