Dark Mode Light Mode

VERBUND Windpark Quelkhorn rutscht ins Minus: Zinslast verdreifacht sich fast – was Anleger aus der Bilanz 2025 lesen können

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2025 der VERBUND Windpark Quelkhorn GmbH zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Der Windpark arbeitet auf operativer Ebene weiterhin profitabel, doch unter dem Strich reicht das nicht mehr für schwarze Zahlen.

Nach einem Jahresüberschuss von 33.300 Euro im Jahr 2024 weist die Gesellschaft für 2025 einen Jahresfehlbetrag von 164.900 Euro aus.

Besonders auffällig ist dabei nicht allein der Umsatzrückgang. Vor allem die erheblich gestiegenen Finanzierungskosten drücken das Ergebnis.

Für Anleger stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Verdient der Windpark operativ langfristig genug, um seine Finanzierung zuverlässig zu tragen?

Umsatz sinkt um knapp zwölf Prozent

Die Umsatzerlöse gingen von 956.600 Euro im Jahr 2024 auf 842.900 Euro im Jahr 2025 zurück. Das entspricht einem Minus von rund 11,9 Prozent.

Noch stärker fällt der Rückgang beim operativen Ergebnis aus.

2024 erwirtschaftete die Gesellschaft einen Betriebserfolg von 146.200 Euro. Ein Jahr später bleiben davon lediglich 76.800 Euro übrig. Das operative Ergebnis hat sich damit nahezu halbiert.

Trotzdem ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Anders als bei manchen verlustreichen Projektgesellschaften arbeitet Quelkhorn auf der ausgewiesenen operativen Ebene noch positiv.

Problematisch wird es erst anschließend – bei der Finanzierung.

Der eigentliche Ergebniskiller: die Zinsen

Besonders auffällig entwickeln sich die Zinsaufwendungen.

2024 betrugen sie 82.200 Euro. Im Jahr 2025 sind es bereits 217.300 Euro.

Damit haben sich die Zinsaufwendungen innerhalb nur eines Jahres um rund 164 Prozent erhöht – sie liegen also beim rund 2,6-Fachen des Vorjahreswertes.

Die Gesellschaft erzielt zwar 6.200 Euro Zinserträge, dennoch verschlechtert sich das Finanzergebnis von minus 79.300 Euro auf minus 211.100 Euro.

Das ist aus Anlegersicht der entscheidende Punkt.

Der Windpark erwirtschaftet 2025 einen positiven operativen Erfolg von 76.800 Euro. Die Finanzierungskosten sind jedoch so hoch, dass dieser operative Gewinn mehr als aufgezehrt wird.

Das Ergebnis vor Steuern dreht deshalb von plus 67.000 Euro auf minus 134.300 Euro. Nach Steuern steht schließlich ein Jahresfehlbetrag von 164.900 Euro.

Abschreibungen von mehr als einer halben Million Euro

Auch hier muss man die Besonderheiten eines kapitalintensiven Windparks berücksichtigen.

Die Gewinn- und Verlustrechnung enthält planmäßige Abschreibungen von 527.100 Euro. Abschreibungen stellen grundsätzlich keinen entsprechenden Zahlungsmittelabfluss des jeweiligen Geschäftsjahres dar.

Deshalb wäre es zu einfach, aus dem Jahresverlust von 164.900 Euro unmittelbar auf einen entsprechenden Liquiditätsverlust zu schließen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass sich die Ertragslage gegenüber dem Vorjahr verschlechtert hat.

Umsatz und operativer Gewinn sinken, während gleichzeitig die Finanzierungskosten erheblich steigen.

Gerade diese Kombination sollte ein Anleger beobachten.

Überraschend komfortabel: 1,71 Millionen Euro Bankguthaben

Auf der Liquiditätsseite präsentiert sich Quelkhorn deutlich stärker, als der Jahresverlust zunächst vermuten lässt.

Zum Jahresende 2025 verfügt die Gesellschaft über Bankguthaben von rund 1,713 Millionen Euro. Ende 2024 waren es bereits rund 1,572 Millionen Euro.

Das Bankguthaben ist also trotz des ausgewiesenen Jahresverlusts sogar um rund 142.000 Euro gestiegen.

Zusammen mit Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen von rund 239.900 Euro verfügt die Gesellschaft über ein Umlaufvermögen von rund 1,953 Millionen Euro.

Dem stehen laut Bilanz lediglich rund 468.900 Euro Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr gegenüber.

Das ist ein wichtiger positiver Aspekt: Aus diesen Bilanzzahlen allein lässt sich keine akute Liquiditätsnot ableiten.

Verschuldung sinkt – aber Konzernfinanzierung steigt

Auch die Entwicklung der Gesamtverbindlichkeiten ist auf den ersten Blick positiv.

Sie gehen von rund 5,522 Millionen Euro Ende 2024 auf rund 5,121 Millionen Euro Ende 2025 zurück.

Vor allem die Bankverschuldung wurde reduziert: Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sinken von rund 3,571 Millionen auf rund 3,120 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang von rund 451.000 Euro.

Gleichzeitig gibt es allerdings eine gegenläufige Entwicklung innerhalb des Konzerns.

Die Finanzverbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen steigen von rund 1,843 Millionen auf rund 1,988 Millionen Euro.

Für Anleger bedeutet das: Die externe Bankverschuldung wird zwar reduziert, die konzerninterne Finanzierung nimmt jedoch zu.

Warum steigen die Zinskosten trotz sinkender Bankverschuldung so stark?

Genau daraus ergibt sich eine der interessantesten Fragen des gesamten Jahresabschlusses.

Die Bankverbindlichkeiten sinken um rund 451.000 Euro. Trotzdem erhöhen sich die gesamten Zinsaufwendungen von 82.200 auf 217.300 Euro.

Aus dem veröffentlichten Abschluss allein lässt sich nicht eindeutig erkennen, was diesen starken Anstieg verursacht hat.

Denkbar wären beispielsweise veränderte Finanzierungskonditionen, unterschiedliche Zinsperioden oder Effekte aus konzerninternen Finanzierungen. Ohne weitergehende Angaben wäre es jedoch spekulativ, eine bestimmte Ursache festzulegen.

Aus Anlegersicht wäre deshalb interessant zu erfahren, wie sich die 217.300 Euro Zinsaufwendungen konkret zusammensetzen und ob dieses Zinsniveau auch in den kommenden Jahren zu erwarten ist.

Denn sollte die Belastung dauerhaft auf diesem Niveau bleiben, müsste der operative Gewinn erheblich steigen, damit die Gesellschaft wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreibt.

Eigenkapital sinkt, bleibt aber positiv

Das Eigenkapital reduziert sich von 833.500 Euro auf 668.600 Euro.

Ursache dafür ist der Jahresfehlbetrag von 164.900 Euro.

Bemerkenswert ist allerdings, dass die Gesellschaft weiterhin über einen erheblichen Gewinnvortrag verfügt. Nach Verrechnung des Jahresverlusts verbleibt ein Bilanzgewinn von 643.600 Euro.

Damit unterscheidet sich Quelkhorn deutlich von Projektgesellschaften, bei denen bereits erhebliche kumulierte Bilanzverluste entstanden sind.

Im Anhang findet sich allerdings eine redaktionelle Auffälligkeit: Dort ist bei einem Betrag von 643.600 Euro von einem „Bilanzverlust“ die Rede, obwohl Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung diesen Betrag als Bilanzgewinn ausweisen. Rechnerisch ergibt sich aus 808.500 Euro Gewinnvortrag abzüglich 164.900 Euro Jahresfehlbetrag tatsächlich ein positiver Betrag von 643.600 Euro.

Für die wirtschaftliche Interpretation sollte daher auf die konsistenten Zahlen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung abgestellt werden.

Rückstellungen verdoppeln sich nahezu

Eine weitere Entwicklung verdient Aufmerksamkeit.

Die Rückstellungen steigen von 103.000 Euro auf 205.300 Euro und haben sich damit nahezu verdoppelt.

Besonders stark erhöhen sich die Rückstellungen für ausstehende Rechnungen: von 22.100 auf 115.700 Euro.

Die Rückstellung für Rückbauverpflichtungen steigt moderater von 75.000 auf 83.700 Euro.

Auch das ist nicht automatisch ein Warnsignal. Rückstellungen bilden erwartete beziehungsweise wirtschaftlich verursachte Verpflichtungen bilanziell ab.

Der deutliche Sprung bei den ausstehenden Rechnungen wäre für einen Anleger dennoch erklärungsbedürftig, insbesondere wenn sich eine solche Entwicklung im nächsten Geschäftsjahr wiederholen sollte.

Keine neuen Investitionen im Anlagevermögen

Interessant ist außerdem die Entwicklung des Sachanlagevermögens.

Der Bruttowert des Sachanlagevermögens bleibt 2025 bei rund 8,423 Millionen Euro. Zugänge und Abgänge werden jeweils mit null ausgewiesen. Die Veränderungen zwischen einzelnen Anlagenkategorien beruhen auf Umbuchungen.

Gleichzeitig fallen planmäßige Abschreibungen von 527.100 Euro an. Dadurch sinkt der Restbuchwert des Sachanlagevermögens von rund 4,569 Millionen auf rund 4,042 Millionen Euro.

Das ist für einen bestehenden Windpark zunächst nicht ungewöhnlich.

Aus längerfristiger Anlegersicht stellt sich dennoch irgendwann die Frage, wie hoch der zukünftige Investitions- und Instandhaltungsbedarf der Anlagen sein wird und welche Auswirkungen dies auf den freien Cashflow haben könnte.

Weitere Verpflichtungen nicht vollständig bezifferbar

Im Anhang werden zudem Miet- und Pachtverpflichtungen von 75.000 Euro für 2026 und insgesamt 300.000 Euro für die Jahre 2027 bis 2030 ausgewiesen.

Interessant ist die dazugehörige Fußnote: Die Gesamtverpflichtung sei wegen der unbestimmten Vertragsdauer betragsmäßig nicht ermittelbar.

Damit sollte die in der Tabelle ausgewiesene „Gesamtverpflichtung“ von 0 Euro nicht dahingehend missverstanden werden, dass keine langfristigen Verpflichtungen existieren. Der Abschluss erklärt ausdrücklich, dass der Gesamtbetrag wegen der Vertragsdauer nicht bestimmt werden kann.

Der VERBUND-Konzern steht im Hintergrund

Die Gesellschaft gehört nicht isoliert einem einzelnen Windparkbetreiber.

Das Stammkapital wird von der VERBUND Green Power Deutschland GmbH gehalten. Konsolidierungspflichtiges Mutterunternehmen ist die österreichische VERBUND AG.

Diese Konzernzugehörigkeit ist für die wirtschaftliche Einordnung relevant, zumal knapp zwei Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen bestehen.

Sie sollte allerdings nicht automatisch als Garantie für sämtliche Verpflichtungen der Projektgesellschaft verstanden werden. Ob konkrete Garantien, Patronatserklärungen oder andere Unterstützungsverpflichtungen bestehen, lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.

Was Anleger positiv sehen können

Das Bild ist keineswegs ausschließlich negativ.

Die Gesellschaft verfügt über rund 1,71 Millionen Euro Bankguthaben. Die Bankverschuldung wurde um rund 451.000 Euro reduziert. Die Gesamtverbindlichkeiten sinken. Das operative Geschäft schreibt weiterhin schwarze Zahlen. Das Eigenkapital ist positiv und ein Bilanzgewinn von rund 644.000 Euro ist weiterhin vorhanden.

Außerdem erklärt die Gesellschaft, dass nach dem Bilanzstichtag keine Vorgänge von besonderer Bedeutung eingetreten seien.

Dem stehen jedoch sinkende Umsätze, ein nahezu halbierter operativer Gewinn, deutlich gestiegene Zinskosten, ein Jahresverlust und höhere Rückstellungen gegenüber.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Schütze GmbH: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen – traditionsreicher Kasseler Taxidienst erst 2025 umbenannt und übernommen

Next Post

Wert-Investition Projekt 167 GmbH: Immobilienprojektgesellschaft scheitert mangels Masse – Insolvenzverfahren wird nicht eröffnet