Dark Mode Light Mode

Gamma Plus: Defensive Grundidee, aber massive Mittelabflüsse und schwache Renditebilanz belasten

geralt (CC0), Pixabay

Der Gamma Plus von HANSAINVEST verfolgt einen anspruchsvollen Absolute-Return-Ansatz. Der Fonds soll kontinuierliche Erträge erwirtschaften, die möglichst unabhängig von Aktienmarktentwicklung und Marktphase entstehen. Dazu kombiniert das Management ein defensives Basisportfolio aus Anleihen staatlicher und öffentlich-rechtlicher Emittenten mit einer Optionsstrategie auf nordamerikanische Aktienindizes. Der Jahresbericht umfasst die Anteilklassen Gamma Plus I, V und R.

Anspruchsvolle Optionsstrategie als eigentlicher Renditemotor

Das Anleiheportfolio dient primär als stabile Basis, während die wesentlichen Renditebeiträge aus dem Handel mit Optionen kommen sollen. Dabei werden sowohl Long- als auch Short-Optionen auf Aktienindizes eingesetzt. Einzelaktienoptionen und OTC-Derivate werden bewusst vermieden. Das Management versucht, mehr Long- als Short-Optionen zu halten und gleichzeitig einen Prämienüberschuss zu erzielen. Ein Überhang an Long-Puts soll zudem bei starken Kursrückgängen einen gewissen Schutz bieten. Der Anlageprozess folgt einem quantitativen, regelbasierten Konzept, wobei die konkrete Umsetzung diskretionär erfolgt.

Für Anleger ist dieses Konzept grundsätzlich interessant: Die Strategie soll nicht einfach an steigenden Aktienmärkten partizipieren, sondern eine alternative Renditequelle erschließen und insbesondere in schwierigen Marktphasen Diversifikation bieten. Gleichzeitig ist sie deutlich komplexer und weniger transparent als ein klassischer Renten- oder Aktienfonds. Der Anlageerfolg hängt maßgeblich davon ab, ob die Optionspositionierung und das Timing des Managements dauerhaft funktionieren.

Schwaches Geschäftsjahr bei allen drei Anteilklassen

Die Entwicklung der Anteilwerte fällt für das Geschäftsjahr 2025/2026 enttäuschend aus. Der Anteilwert der Klasse I sank von 108,01 Euro auf 106,67 Euro, was einer Veränderung von rund -1,2 % entspricht. Bei der Klasse R ging der Anteilwert von 105,61 Euro auf 103,73 Euro zurück, entsprechend etwa -1,8 %. Die Klasse V sank von 107,46 auf 106,16 Euro beziehungsweise um rund -1,2 %. Damit gelang es dem Fonds im Berichtsjahr nicht, seinen Anspruch kontinuierlich positiver Erträge zu erfüllen.

Auch die Ergebnisrechnung zeigt, dass die Optionsstrategie keine überzeugenden realisierten Ergebnisse lieferte. Bei der Klasse I standen realisierten Gewinnen von 952.573 Euro realisierte Verluste von 1,13 Mio. Euro gegenüber. Daraus entstand ein negatives Veräußerungsergebnis von rund 178.700 Euro und ein realisierter Jahresverlust von knapp 199.400 Euro. Erst nicht realisierte Wertsteigerungen drehten das Gesamtergebnis der Klasse I auf einen Gewinn von 57.317 Euro.

Ähnlich sieht es bei den anderen Anteilklassen aus. Gamma Plus R verzeichnete ein negatives realisiertes Ergebnis von rund 122.700 Euro und schloss auch nach Berücksichtigung der nicht realisierten Gewinne mit einem Jahresverlust von rund 11.950 Euro ab. Bei Gamma Plus V kompensierten nicht realisierte Gewinne das negative realisierte Ergebnis fast vollständig, sodass lediglich ein Jahresüberschuss von 722 Euro übrig blieb.

Besonders bemerkenswert ist, dass laut Tätigkeitsbericht sowohl die realisierten Gewinne als auch die realisierten Verluste im Wesentlichen aus Optionsgeschäften entstanden. Damit wird deutlich, wie entscheidend die Derivatestrategie für Erfolg oder Misserfolg des Fonds ist.

Dramatischer Rückgang des Fondsvolumens

Der auffälligste Punkt des gesamten Jahresberichts ist jedoch nicht die moderate negative Wertentwicklung, sondern die enorme Kapitalflucht aus dem Fonds.

Zu Beginn des Geschäftsjahres verwalteten die drei Anteilklassen zusammen rund 31,7 Mio. Euro. Zum 31. Mai 2026 waren es nur noch 4,03 Mio. Euro. Der Rückgang beträgt damit rund 87 %. Hauptursache waren Netto-Mittelabflüsse von insgesamt etwa 27,7 Mio. Euro.

Besonders drastisch fiel die Entwicklung der institutionellen Anteilklasse V aus: Ihr Fondsvermögen brach von 25,38 Mio. Euro auf nur noch 635.241 Euro ein. Allein die Rücknahmen beliefen sich auf rund 25,22 Mio. Euro, während lediglich knapp 395.000 Euro neu investiert wurden.

Auch die Klasse I erlitt Nettoabflüsse von rund 2,32 Mio. Euro und schrumpfte von 4,53 Mio. auf 2,17 Mio. Euro. Bei der Klasse R standen einem Anfangsvermögen von 1,82 Mio. Euro zum Jahresende nur noch 1,22 Mio. Euro gegenüber.

Für Anleger ist diese Entwicklung ein deutliches Warnsignal. Ein kleines Fondsvolumen bedeutet nicht automatisch eine schlechte Anlage. Bei nur noch rund vier Mio. Euro Gesamtvermögen steigen jedoch die relativen Belastungen durch fixe Kosten, Prüfungsgebühren und sonstige Aufwendungen. Darüber hinaus stellt sich langfristig die wirtschaftliche Frage, ob der Fonds bei einem derart stark geschrumpften Volumen fortgeführt werden kann. Aus dem Jahresbericht selbst ergibt sich allerdings kein Hinweis auf eine geplante Schließung oder Auflösung.

Kosten sind gemessen an der Rendite hoch

Die Kostenstruktur verschärft die Renditeproblematik. Die Gesamtkostenquote beträgt:

Gamma Plus I: 1,48 %
Gamma Plus R: 2,03 %
Gamma Plus V: 1,14 %

Bei den Klassen I und R kamen außerdem performanceabhängige Vergütungen von 0,07 beziehungsweise 0,04 Prozent hinzu. Zusätzlich entstanden Transaktionskosten von 17.892 Euro bei einem bemerkenswert hohen gesamten Transaktionsvolumen von rund 130,55 Mio. Euro.

Gerade die Klasse R erscheint aus Anlegersicht problematisch. Eine laufende Kostenquote von mehr als zwei Prozent erzeugt bei einer Absolute-Return-Strategie eine hohe Hürde. Der Fonds muss zunächst diese Kosten erwirtschaften, bevor beim Anleger überhaupt ein positiver Nettoertrag entsteht. Die reguläre Verwaltungsvergütung beträgt bei der R-Klasse 1,55 % jährlich, während I und V jeweils 1,00 % berechnen.

Defensives Rentenportfolio trifft auf erhebliche Derivatepositionen

Zum Stichtag betrug das Fondsvermögen 4,03 Mio. Euro. Dem standen Anleihen im Marktwert von rund 4,38 Mio. Euro beziehungsweise 108,7 % des Fondsvermögens gegenüber. Der negative Marktwert der Derivate lag bei rund 823.000 Euro beziehungsweise -20,4 %. Hinzu kamen netto Bankguthaben von 12,15 % des Fondsvermögens.

Das Anleiheportfolio besteht überwiegend aus kurzfristigen deutschen Staats- und Länderanleihen und ist damit qualitativ defensiv ausgerichtet. Die komplexere Risikokomponente entsteht eindeutig aus den Derivaten.

Positiv fällt dabei die formelle Risikomessung aus. Der durchschnittliche potenzielle Marktrisikobetrag nach Value-at-Risk lag im Geschäftsjahr bei lediglich 0,17 %, das Maximum bei 1,55 %. Die regulatorische Grenze beträgt 4,47 %. Der durchschnittliche Umfang des Leverage durch Derivategeschäfte wurde mit 0,99 angegeben.

Diese Kennzahlen sprechen dafür, dass das Management die Strategie innerhalb relativ enger Risikogrenzen betrieben hat. Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass VaR-Modelle Extremereignisse und komplexe Optionsrisiken nur eingeschränkt abbilden können.

Nachhaltigkeitsanspruch eher als Ausschlusskonzept

Gamma Plus wird als Artikel-8-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung geführt und bewirbt ökologische und soziale Merkmale. Mindestens 51 % des Sondervermögens sollen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden; dabei wird unter anderem ein MSCI-ESG-Rating von mindestens BB verlangt. Nachhaltige Investitionen im engeren Sinne wurden jedoch nicht angestrebt. Der ESG-Ansatz ist daher eher als Filter- und Ausschlusskonzept denn als ausgeprägte Impact-Strategie zu verstehen.

Positiv: uneingeschränktes Prüfungsurteil

Der Abschlussprüfer kommt zu dem Ergebnis, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Anforderungen des KAGB entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens vermittelt. Ein eingeschränktes Prüfungsurteil oder wesentliche Beanstandungen sind nicht ausgewiesen.

Fazit aus Anlegersicht

Der Gamma Plus besitzt ein grundsätzlich interessantes Konzept: Hochwertige, kurzfristige Anleihen bilden die defensive Basis, während eine quantitative Optionsstrategie marktunabhängige Erträge liefern und Long-Puts in Krisenzeiten Schutz bieten sollen. Auch die ausgewiesenen VaR-Kennzahlen sprechen für ein kontrolliertes Marktrisiko.

Die tatsächliche Entwicklung überzeugt derzeit jedoch nicht. Alle drei Anteilklassen verloren im Geschäftsjahr an Wert, die realisierten Ergebnisse aus dem Optionshandel waren negativ und insbesondere die vergleichsweise hohen Kosten begrenzen das Renditepotenzial. Am kritischsten ist jedoch der massive Kapitalabzug: Innerhalb eines Jahres sank das Fondsvermögen von rund 31,7 Mio. auf nur noch 4,0 Mio. Euro. Ein Rückgang um rund 87 % ist ein außergewöhnlich starkes Signal und sollte von bestehenden oder potenziellen Anlegern genau beobachtet werden.

Für einen Neueinstieg spricht daher derzeit vor allem die Idee einer alternativen, potenziell wenig mit Aktien- und Rentenmärkten korrelierten Strategie. Dagegen stehen eine bislang wenig überzeugende Rendite, hohe Kosten – insbesondere in der R-Klasse –, die Abhängigkeit vom Erfolg komplexer Optionsgeschäfte und vor allem das inzwischen sehr geringe Fondsvolumen.

Gesamturteil: eher kritisch. Der Gamma Plus kann als spezialisierte Beimischung für Anleger interessant sein, die gezielt nach einer Absolute-Return-Optionsstrategie suchen und deren Funktionsweise verstehen. Für ein breiteres Basisinvestment ist das Chance-Risiko-Verhältnis nach den Zahlen des Geschäftsjahres 2025/2026 jedoch wenig überzeugend. Vor einem Engagement wäre insbesondere zu beobachten, ob sich das Fondsvolumen stabilisiert und ob die Optionsstrategie in den kommenden Perioden wieder nachhaltig positive Nettoerträge erzielt.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

HBG GmbH & Co. KG: Allgemeines Verfügungsverbot gegen hessische Bau- und Immobiliengesellschaft angeordnet

Next Post

Wetech GmbH in vorläufiger Insolvenz – Technologie-, KI- und E-Commerce-Unternehmen aus Hochheim betroffen