Dark Mode Light Mode

Nvidia sprengt erneut die Erwartungen – doch ausgerechnet jetzt werden Anleger nervös

Mizter_X94 (CC0), Pixabay

Der KI-Boom beschert Nvidia weiter außergewöhnliche Wachstumsraten. Der Chipkonzern stellte für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von rund 108 Milliarden US-Dollar in Aussicht – und liegt damit deutlich über den durchschnittlichen Erwartungen der Wall Street von 104,2 Milliarden Dollar.

Auch die Zahlen des abgelaufenen Quartals zeigen, welche Dimension das Geschäft mit KI-Rechenzentren inzwischen erreicht hat. Der Umsatz kletterte auf 96,2 Milliarden Dollar und damit auf mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts. Noch beeindruckender entwickelte sich der Gewinn: Unter dem Strich verdiente Nvidia 59,7 Milliarden Dollar – ein Plus von 126 Prozent.

Doch an der Börse genügte selbst das nicht für Begeisterung. Die Aktie verlor nachbörslich zunächst rund 1,2 Prozent. Das wirkt paradox, zeigt aber, wie hoch die Erwartungen an den wertvollen KI-Konzern inzwischen sind: Sehr gute Zahlen allein reichen offenbar nicht mehr – Nvidia muss die Erwartungen immer wieder deutlich übertreffen.

China wird zum entscheidenden Unsicherheitsfaktor

Besonders aufmerksam dürften Anleger auf das China-Geschäft schauen. Nvidia kalkuliert in seiner Prognose offenbar keine Verkäufe von Rechenzentrumschips nach China ein. Damit fehlt ein potenziell bedeutender Absatzmarkt in der Planung.

Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck. Während die Nvidia-Aktie im bisherigen Jahresverlauf laut den vorliegenden Angaben rund 14 Prozent zugelegt hat, haben sich die Aktienkurse der Konkurrenten AMD und Intel mehr als verdoppelt. Das bedeutet nicht automatisch, dass Nvidia technologisch seine Führungsposition verliert. Es zeigt jedoch, dass Investoren zunehmend auch Alternativen zum bisherigen KI-Börsenliebling suchen.

Ein weiteres Detail verdient Beachtung: Die bereinigte Bruttomarge soll im dritten Quartal bei rund 74 Prozent liegen, nach 75 Prozent im zweiten Quartal. Das ist weiterhin außergewöhnlich hoch. Der leichte Rückgang könnte dennoch genau beobachtet werden, denn für die Bewertung der Nvidia-Aktie ist entscheidend, ob der Konzern seine enorme Preissetzungsmacht und Profitabilität langfristig verteidigen kann.

Für Anleger verschiebt sich die entscheidende Frage

Bislang lautete sie vor allem: Wie schnell wächst Nvidia? Inzwischen dürfte eine andere Frage wichtiger werden: Wie lange kann Nvidia dieses extreme Wachstum aufrechterhalten?

Die aktuellen Zahlen liefern zunächst starke Argumente für die Optimisten. 108 Milliarden Dollar erwarteter Quartalsumsatz und eine operative Bruttomarge um 74 Prozent zeigen, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur weiterhin enorm ist.

Gleichzeitig steigen mit jedem Rekordquartal die Erwartungen. China-Risiken, stärkere Konkurrenz, die gewaltigen Investitionen der großen Rechenzentrumsbetreiber und eine möglicherweise nachlassende Margendynamik könnten deshalb stärker ins Gewicht fallen.

Das eigentlich Bemerkenswerte an den Zahlen ist damit nicht, dass Nvidia die Erwartungen übertroffen hat. Es ist die Reaktion der Börse: Selbst Rekordwachstum wird inzwischen kritisch hinterfragt. Für Anleger könnte genau das der Hinweis sein, dass bei Nvidia nicht mehr nur die Geschäftsentwicklung zählt – sondern zunehmend auch die Frage, wie viel zukünftiger KI-Erfolg bereits im Aktienkurs eingepreist ist.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Warnungen der englischen Finanzmarktaufsicht FCA

Next Post

Mögliche Entführung auf Discounter-Parkplatz in Bielefeld: Polizei sucht dringend Zeugen