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Milliardenvergleich und harte Regeln: Meta schränkt Instagram und Facebook für Jugendliche drastisch ein

Nikin (CC0), Pixabay

Der Druck auf Social-Media-Konzerne wächst – und für Meta hat der jahrelange Streit über mögliche Gefahren seiner Plattformen für Kinder und Jugendliche nun weitreichende Konsequenzen. Der Mutterkonzern von Facebook und Instagram hat sich im Rahmen eines Rechtsstreits in den USA auf einen milliardenschweren Vergleich verständigt. Neben einer Zahlung von insgesamt knapp 16,7 Milliarden US-Dollar verpflichtet sich das Unternehmen zu umfangreichen Änderungen beim Jugendschutz. Dazu gehören tägliche Zeitlimits, nächtliche Sperren, strengere Alterskontrollen und Änderungen an zentralen Mechanismen sozialer Netzwerke.

Mehr als 20 US-Bundesstaaten gegen Meta

Hintergrund des Vergleichs ist ein Verfahren um die Auswirkungen sozialer Medien auf Minderjährige. Mehr als 20 US-Bundesstaaten hatten Meta vorgeworfen, Kinder bewusst zu einer übermäßigen Nutzung von Facebook und Instagram verleitet und gleichzeitig damit verbundene Risiken verschwiegen zu haben. Meta stimmte schließlich einer Zahlung von knapp 16,7 Milliarden Dollar zu. Die neuen Jugendschutzbestimmungen sollen zunächst in den Vereinigten Staaten gelten.

Der Vergleich ist allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen. Nach Angaben des kalifornischen Generalstaatsanwalts muss ein Gericht der Einigung noch zustimmen. Für Meta könnte der Vergleich zugleich ein erhebliches Prozessrisiko beseitigen: Laut dem Bericht hielten Beobachter im Falle eines Urteils sogar Strafzahlungen im dreistelligen Milliardenbereich für möglich.

Zwei Stunden Social Media pro Tag

Besonders einschneidend ist die geplante Begrenzung der Nutzungsdauer. Minderjährige sollen Facebook und Instagram künftig insgesamt höchstens zwei Stunden täglich nutzen können. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens soll der Zugang für unter 18-Jährige zusätzlich blockiert werden. Auch während der Schulzeiten und nachts sollen keine App-Benachrichtigungen mehr auf den Smartphones der Jugendlichen erscheinen.

Die Kontrolle darüber soll nicht einfach bei den Jugendlichen selbst liegen. Nach den vorgesehenen Regeln dürfen nur die Eltern entsprechende Einschränkungen aufheben. Direktnachrichten und bestimmte Einstellungen sollen von den Beschränkungen weitgehend ausgenommen bleiben. Zusätzlich sollen regelmäßige Hinweise Jugendliche zu einem bewussteren Umgang mit den Plattformen bewegen.

Damit greift Meta direkt in ein wesentliches Prinzip sozialer Netzwerke ein: Plattformen konkurrieren um die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer. Ein festes Zeitlimit setzt diesem Mechanismus zumindest bei Minderjährigen eine konkrete Grenze.

Likes sollen ihren Stellenwert verlieren

Auch der soziale Wettbewerb auf Instagram und Facebook soll abgeschwächt werden. Likes und andere Reaktionen auf Beiträge werden bei Jugendlichen nach den geplanten Vorgaben standardmäßig ausgeblendet. Minderjährige sollen weder bei eigenen noch bei fremden Beiträgen sehen können, wie viele Reaktionen ein Inhalt erhalten hat.

Hinzu kommen Einschränkungen bei Filtern. Meta kündigte an, Filter für „Schönheitsoperationen“ und „extremes Make-up“ zu deaktivieren. Damit reagiert der Konzern auf die Debatte darüber, welchen Einfluss digital veränderte Gesichter und unrealistische Schönheitsideale auf junge Nutzer haben können.

Angriff auf das endlose Scrollen

Eine weitere Veränderung betrifft das Herzstück moderner Social-Media-Plattformen: den Empfehlungsalgorithmus. Jugendlichen soll künftig ein nicht personalisierter Feed zur Verfügung stehen. Die angezeigten Inhalte würden dann nicht mehr individuell nach den vermuteten Interessen des jeweiligen Nutzers sortiert. Damit soll insbesondere das endlose Scrollen begrenzt werden.

Das ist bemerkenswert, weil gerade personalisierte Empfehlungen entscheidend dafür sind, Nutzer möglichst lange auf einer Plattform zu halten. Der Algorithmus lernt aus Klicks, Likes, Verweildauer und anderen Signalen, welche Inhalte besonders interessant erscheinen, und liefert anschließend ähnliche Beiträge nach. Ein nicht personalisierter Feed könnte diese Rückkopplung zumindest teilweise durchbrechen.

Unter 13-Jährige sollen verschwinden

Meta will darüber hinaus strengere Alterskontrollen einführen. Kinder unter 13 Jahren sollen vollständig von den Plattformen entfernt werden. Gleichzeitig sollen Eltern bessere technische Möglichkeiten erhalten, die Nutzung durch ihre Kinder zu überwachen.

Auch der Umgang mit problematischen Inhalten soll schneller werden. Meta verpflichtet sich dem Bericht zufolge, seine Meldewege zu verbessern. Auf 90 Prozent der Meldungen über gefährliche Inhalte soll innerhalb von sechs Stunden reagiert werden.

Debatte längst in Europa angekommen

Die Auseinandersetzung beschränkt sich längst nicht mehr auf die USA. In verschiedenen Ländern wird darüber diskutiert, wie stark der Zugang Minderjähriger zu sozialen Netzwerken gesetzlich eingeschränkt werden sollte. Australien hat bereits ein Social-Media-Verbot für Teenager eingeführt; Frankreich und Spanien prüfen entsprechende Schritte. Auch in Deutschland wird über Altersgrenzen und Verbote diskutiert, während die Europäische Union ebenfalls Druck auf Meta beim Jugendschutz ausübt.

Eine im zugrunde liegenden Bericht erwähnte repräsentative Umfrage der Techniker Krankenkasse zeigt, dass strengere Altersgrenzen auch unter Jugendlichen Unterstützung finden. Demnach sprechen sich 47 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen für ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter aus, acht Prozent sogar für ein grundsätzliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig steht die Mehrheit der Befragten sozialen Medien grundsätzlich positiv gegenüber.

Meta fordert auch TikTok und YouTube zum Handeln auf

Bemerkenswert ist schließlich, dass Meta die Verantwortung nicht allein tragen will. Der Konzern hat TikTok und YouTube in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die Nutzung ihrer Angebote durch Jugendliche ebenfalls stärker einzuschränken. Die eigenen Jugendschutzmaßnahmen sollen regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden. Sollten andere große Plattformen vergleichbare Regeln einführen, könnten die Beschränkungen laut Bericht noch strenger werden.

Der Vergleich könnte damit über den einzelnen Rechtsstreit hinausreichen. Was zunächst als juristische Auseinandersetzung zwischen Meta und amerikanischen Bundesstaaten begann, berührt inzwischen eine grundsätzliche Frage der digitalen Gesellschaft: Wie viel Verantwortung tragen Plattformbetreiber dafür, wie lange Kinder ihre Dienste nutzen – und mit welchen psychologischen Mechanismen sie dabei konfrontiert werden?

Mit Zwei-Stunden-Limit, nächtlichen Sperren, ausgeblendeten Likes, eingeschränkten Schönheitsfiltern und strengeren Alterskontrollen zeichnet sich jedenfalls ein deutlich stärker reguliertes Social-Media-Erlebnis für Minderjährige ab. Ob daraus ein internationaler Standard entsteht, dürfte nun wesentlich davon abhängen, wie die Regeln praktisch umgesetzt werden – und ob Gesetzgeber und konkurrierende Plattformen nachziehen.

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