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WestWind-Windpark 122: Solide Entschuldung – doch mehr als 1,3 Millionen Euro Forderungen gegen Gesellschafter bleiben der größte Unsicherheitsfaktor

geralt (CC0), Pixabay

Die 122. WestWind Windpark GmbH & Co. KG aus Kirchdorf setzt ihren Kurs der finanziellen Konsolidierung fort. Der Jahresabschluss 2024 zeigt einen weiteren Rückgang der Verschuldung, eine verbesserte Liquidität und stabile Eigenkapitalverhältnisse. Gleichzeitig bleibt jedoch ein Punkt auffällig: Die Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern erreichen inzwischen mehr als 1,34 Millionen Euro und machen erneut den größten Teil des Umlaufvermögens aus. Für Anleger ist dies der kritischste Aspekt der Bilanz.

Bilanzsumme sinkt um rund 600.000 Euro

Die Bilanzsumme verringerte sich von 7,54 Millionen Euro auf 6,95 Millionen Euro. Der Rückgang um knapp 596.000 Euro ist vor allem auf die planmäßigen Abschreibungen der Windenergieanlagen sowie den fortgesetzten Abbau der Finanzverbindlichkeiten zurückzuführen.

Damit setzt die Gesellschaft den bereits in den Vorjahren eingeschlagenen Konsolidierungskurs fort.

Anlagevermögen nimmt erwartungsgemäß ab

Das Anlagevermögen reduzierte sich von 5,51 Millionen Euro auf 4,76 Millionen Euro.

Davon entfallen:

  • 4,64 Millionen Euro auf Sachanlagen,
  • 114.313 Euro auf immaterielle Vermögensgegenstände,
  • 1 Euro auf Finanzanlagen.

Die Entwicklung entspricht dem üblichen Abschreibungsverlauf eines bestehenden Windparks. Die sinkenden Buchwerte sind daher kein Hinweis auf eine wirtschaftliche Verschlechterung.

Weitere Entschuldung stärkt die Finanzierung

Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von 6,50 Millionen Euro auf 5,98 Millionen Euro zurück.

Davon entfallen:

  • 656.820 Euro auf kurzfristige Verbindlichkeiten,
  • 5,33 Millionen Euro auf langfristige Darlehen.

Die Darlehen mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren wurden erneut reduziert und belaufen sich nun auf 3,55 Millionen Euro, nach 3,99 Millionen Euro im Vorjahr.

Der kontinuierliche Schuldenabbau verbessert die langfristige Finanzierungsstruktur und senkt zukünftige Zinsbelastungen.

Eigenkapital bleibt konstant

Das Eigenkapital beträgt weiterhin 750.000 Euro.

Das eingezahlte Kommanditkapital blieb unverändert. Von den insgesamt 1,9 Millionen Euro zugesagten Kapitaleinlagen sind weiterhin 1,15 Millionen Euro noch nicht eingefordert.

Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird nicht ausgewiesen.

Forderungen gegen Gesellschafter steigen erneut deutlich

Besonders auffällig bleibt die Entwicklung der Forderungen.

Die gesamten Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände belaufen sich auf 1,69 Millionen Euro.

Davon entfallen 1,35 Millionen Euro auf Forderungen gegenüber Gesellschaftern.

Im Vorjahr betrug dieser Wert noch 990.272 Euro.

Innerhalb eines Jahres erhöhten sich die Forderungen gegenüber Gesellschaftern damit um rund 356.000 Euro beziehungsweise rund 36 Prozent.

Für Anleger ist dies der wichtigste Kritikpunkt des Jahresabschlusses.

Grundsätzlich können Forderungen gegenüber Gesellschaftern aus konzerninternen Darlehen oder Finanzierungsmaßnahmen entstehen. Der veröffentlichte Jahresabschluss enthält jedoch keine Angaben darüber, weshalb diese Forderungen erneut deutlich angestiegen sind oder wann sie zurückgeführt werden sollen.

Da rund 80 Prozent aller Forderungen gegenüber dem eigenen Gesellschafterkreis bestehen, bleibt ein erheblicher Teil des Umlaufvermögens für außenstehende Investoren nur eingeschränkt beurteilbar.

Liquidität verbessert sich deutlich

Positiv entwickelt sich dagegen die Liquiditätslage.

Die Guthaben bei Kreditinstituten stiegen von 331.020 Euro auf 460.451 Euro.

Die Gesellschaft verfügt damit über rund 129.000 Euro mehr liquide Mittel als im Vorjahr und besitzt dadurch einen größeren finanziellen Spielraum für den laufenden Betrieb.

Rückstellungen deutlich reduziert

Die Rückstellungen wurden nahezu halbiert.

Sie sanken von 294.005 Euro auf 146.579 Euro.

Dies spricht dafür, dass Verpflichtungen erfüllt oder zuvor erwartete Risiken geringer ausgefallen sind als ursprünglich angenommen.

Mangels veröffentlichter Gewinn- und Verlustrechnung bleibt jedoch offen, welche konkreten Ursachen hinter diesem Rückgang stehen.

Latente Steuern erstmals ausgewiesen

Erstmals weist die Gesellschaft sowohl aktive latente Steuern in Höhe von 10.700 Euro als auch passive latente Steuern von 68.920 Euro aus.

Latente Steuern entstehen aus unterschiedlichen handels- und steuerrechtlichen Bewertungsansätzen und haben zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Liquidität.

Banken bleiben umfangreich abgesichert

Die Kreditverbindlichkeiten sind weiterhin umfassend besichert.

Für Darlehen bestehen Sicherheiten über insgesamt 5,77 Millionen Euro.

Zusätzlich wurde für den späteren Rückbau der Windenergieanlage eine Bankbürgschaft über 161.000 Euro gestellt, die wiederum durch ein Pfandrecht auf die Windenergieanlage abgesichert ist.

Damit bleiben die finanzierenden Banken umfassend geschützt.

Keine eigenen Beschäftigten

Wie viele Projektgesellschaften im Bereich der Windenergie beschäftigt auch die 122. WestWind Windpark GmbH & Co. KG keine eigenen Arbeitnehmer.

Die Geschäftsführung erfolgt über die Westwind Verwaltungs GmbH, wodurch die laufenden Verwaltungskosten gering gehalten werden.

Begrenzte Offenlegung erschwert die Bewertung

Die Gesellschaft nutzt die gesetzlichen Erleichterungen für kleine Personengesellschaften.

Dadurch fehlen wichtige Informationen für Investoren:

  • Wie hoch waren die Erlöse aus der Stromproduktion?
  • Welchen Jahresgewinn erzielte der Windpark?
  • Welche Finanzierungskosten entstanden?
  • Weshalb nahmen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern erneut deutlich zu?

Gerade diese Angaben wären entscheidend, um die wirtschaftliche Entwicklung vollständig beurteilen zu können.

Kritische Bewertung aus Anlegersicht

Die Bilanz vermittelt insgesamt einen stabilen Eindruck.

Positiv hervorzuheben sind:

  • der kontinuierliche Schuldenabbau,
  • die deutlich verbesserte Liquidität,
  • sinkende Rückstellungen,
  • konstante Eigenkapitalverhältnisse.

Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch der erhebliche Bestand an Forderungen gegenüber den Gesellschaftern.

Solange deren wirtschaftlicher Hintergrund und die geplante Rückführung nicht erläutert werden, bleibt ein wesentlicher Teil des Vermögens für außenstehende Anleger nur eingeschränkt nachvollziehbar.

Fazit

Die 122. WestWind Windpark GmbH & Co. KG entwickelt sich bilanziell solide. Die Verschuldung wird konsequent reduziert, die Liquidität verbessert sich und die Finanzierung wirkt insgesamt stabil.

Gleichzeitig wächst jedoch der Bestand an Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern erneut deutlich an. Dieser Bilanzposten bleibt aus Sicht von Investoren der zentrale Unsicherheitsfaktor. Mehr Transparenz über die konzerninternen Finanzierungsstrukturen und die Ertragslage würde die Beurteilung der wirtschaftlichen Qualität des Unternehmens erheblich erleichtern.

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