Viele Autofahrer in Deutschland ärgern sich über die hohen Spritpreise. Besonders nach dem Auslaufen staatlicher Entlastungen ist Benzin und Diesel wieder deutlich teurer geworden. Ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt: Deutschland gehört zwar zu den Hochpreisländern, ist aber nicht das teuerste Land Europas.
Nach aktuellen Daten der Europäischen Kommission zahlten Autofahrer Anfang Juli in Deutschland durchschnittlich 2,06 Euro für einen Liter Super E5. Damit liegt Deutschland deutlich über Ländern wie Polen (1,58 Euro), Tschechien (1,62 Euro), Spanien (1,52 Euro) oder Österreich (1,69 Euro). Noch höhere Preise werden jedoch in Dänemark (2,33 Euro) und den Niederlanden (2,20 Euro) verlangt.
Doch warum ist Kraftstoff in Deutschland so teuer?
Der größte Teil des Preises entsteht nicht an der Zapfsäule selbst, sondern durch staatliche Abgaben. Auf jeden Liter Kraftstoff werden Energiesteuer, CO₂-Abgabe und anschließend zusätzlich die Mehrwertsteuer erhoben. Dadurch macht der Steueranteil einen erheblichen Teil des Endpreises aus. Hinzu kommen die Kosten für den Einkauf von Rohöl, dessen Verarbeitung in Raffinerien, den Transport sowie die Gewinnmargen der Mineralölunternehmen.
Ein weiterer Preistreiber sind derzeit die außergewöhnlich hohen Raffineriemargen. Obwohl der Rohölpreis zeitweise wieder nachgegeben hat, bleiben Benzin und Diesel teuer. Grund dafür sind unter anderem Produktionsausfälle und Angriffe auf Raffinerien im Nahen Osten und in Russland. Dadurch ist das Angebot an fertigen Kraftstoffen knapper geworden, während die Nachfrage hoch bleibt. Die Raffinerien erzielen deshalb derzeit Rekordgewinne, was sich unmittelbar auf die Preise an den Tankstellen auswirkt.
Andere europäische Länder haben auf die Preisentwicklung unterschiedlich reagiert. Polen senkte zeitweise die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe und reduzierte zusätzlich die Verbrauchssteuern. Italien führte angesichts steigender Energiepreise ebenfalls vorübergehende Steuererleichterungen auf Diesel ein, um Autofahrer und Unternehmen zu entlasten. Solche Maßnahmen drücken den Endpreis an der Zapfsäule, belasten jedoch gleichzeitig die Staatshaushalte.
Der europäische Vergleich zeigt deshalb: Der Kraftstoff selbst kostet nicht nur in Deutschland mehr. Ausschlaggebend sind vor allem die jeweiligen Steuer- und Abgabensysteme sowie die politische Entscheidung, ob und in welchem Umfang die Bürger durch Steuersenkungen entlastet werden. Während einige Staaten vorübergehend auf Einnahmen verzichten, hält Deutschland an seinem bisherigen System fest.
Für Autofahrer bedeutet das: Solange die hohen Steuern bestehen und gleichzeitig die internationalen Raffineriekosten auf einem hohen Niveau bleiben, dürfte Deutschland auch künftig zu den Ländern mit den höheren Kraftstoffpreisen in Europa gehören. Zwar ist das Tanken hierzulande günstiger als in Dänemark oder den Niederlanden, gegenüber vielen Nachbarstaaten zahlen deutsche Autofahrer jedoch weiterhin deutlich mehr.