Nach einem neuen Ausbruch der Blauzungenkrankheit im niedersächsischen Landkreis Göttingen gelten nun weitreichende Einschränkungen auch für Tierhalter in Sachsen-Anhalt. Grund dafür sind EU-weite Seuchenschutzvorschriften, nach denen rund um jeden Ausbruchsort eine Sperrzone mit einem Radius von 150 Kilometern eingerichtet wird. Für viele Betriebe bedeutet das erhebliche Einschränkungen beim Transport von Rindern und Schafen – und zusätzliche wirtschaftliche Belastungen. Während die Krankheit für Menschen ungefährlich ist, kann sie für Wiederkäuer schwerwiegende und sogar tödliche Folgen haben.
Der jüngste Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Niedersachsen hat unmittelbare Auswirkungen über die Landesgrenzen hinaus. Wie das Landwirtschaftsministerium in Magdeburg mitteilte, liegt aufgrund der europäischen Seuchenschutzregelungen nun nahezu ganz Sachsen-Anhalt innerhalb der eingerichteten Restriktionszone.
Für Landwirte bedeutet dies vor allem eines: Der Transport bestimmter Tiere ist ab sofort nur noch unter strengen Auflagen möglich.
EU-Regeln greifen automatisch
Sobald ein Fall der Blauzungenkrankheit bestätigt wird, greifen europaweit einheitliche Vorschriften zur Eindämmung der Tierseuche. Rund um den Ausbruchsort wird automatisch ein Sperrgebiet eingerichtet, das sich über einen Radius von 150 Kilometern erstreckt.
Da der Landkreis Göttingen unmittelbar an Sachsen-Anhalt grenzt, reicht diese Zone weit in das Nachbarbundesland hinein. Nahezu das gesamte Landesgebiet ist dadurch von den neuen Regelungen betroffen.
Innerhalb dieser Zone dürfen Schafe, Rinder und andere empfängliche Tiere nur unter bestimmten Voraussetzungen transportiert werden. Je nach Einzelfall können Impfungen, tierärztliche Untersuchungen oder besondere Genehmigungen erforderlich sein.
Betriebe stehen vor organisatorischen Problemen
Für viele landwirtschaftliche Betriebe kommen die Beschränkungen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Tiertransporte gehören zum Alltag – sei es für den Verkauf, den Wechsel zwischen Weideflächen oder den Transport zu Mast- und Zuchtbetrieben.
Wer Tiere außerhalb der Restriktionszone verbringen möchte, muss nun zusätzliche Vorgaben erfüllen. Das verursacht nicht nur organisatorischen Aufwand, sondern kann auch erhebliche Mehrkosten nach sich ziehen.
Insbesondere kleinere Betriebe befürchten wirtschaftliche Nachteile, wenn Transporte verschoben oder gar abgesagt werden müssen.
Was ist die Blauzungenkrankheit?
Die Blauzungenkrankheit ist eine Virusinfektion, die vor allem Wiederkäuer wie Schafe, Rinder, Ziegen sowie verschiedene Wildtiere befällt. Verursacht wird sie durch das sogenannte Blauzungenvirus, das nicht direkt von Tier zu Tier übertragen wird.
Stattdessen erfolgt die Ansteckung über winzige Stechmücken der Gattung Culicoides, auch Gnitzen genannt. Diese Insekten nehmen das Virus beim Blutsaugen auf und übertragen es anschließend auf weitere Tiere.
Gerade in den warmen Sommer- und Herbstmonaten steigt deshalb das Risiko neuer Ausbrüche deutlich an.
Für Menschen ungefährlich
Eine Entwarnung gibt es für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Nach Angaben der Behörden stellt die Blauzungenkrankheit keine Gefahr für den Menschen dar. Weder durch den Kontakt mit infizierten Tieren noch durch den Verzehr von Fleisch oder Milchprodukten besteht ein Gesundheitsrisiko.
Die Maßnahmen dienen ausschließlich dem Schutz der Tierbestände und sollen verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet.
Schwere Krankheitsverläufe möglich
Für Schafe kann die Erkrankung allerdings lebensbedrohlich sein. Typische Symptome sind hohes Fieber, Schwellungen im Kopfbereich, Entzündungen der Schleimhäute sowie Atem- und Bewegungsprobleme. Der Name der Krankheit geht auf eine mögliche Blaufärbung der Zunge zurück, die infolge von Durchblutungsstörungen auftreten kann.
Auch Rinder können erkranken. Bei ihnen verläuft die Infektion häufig milder, dennoch kann sie erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Möglich sind Fieber, Leistungseinbußen, Fruchtbarkeitsstörungen oder ein Rückgang der Milchleistung. In Einzelfällen endet die Erkrankung auch bei Rindern tödlich.
Warum sich die Krankheit immer weiter ausbreitet
In den vergangenen Jahren ist die Blauzungenkrankheit in Europa immer wieder aufgetreten. Experten führen dies unter anderem auf den Klimawandel zurück. Höhere Temperaturen begünstigen die Ausbreitung der virusübertragenden Gnitzen und verlängern deren Aktivitätszeit erheblich.
Dadurch steigt das Risiko, dass sich die Tierseuche auch in Regionen etabliert, die früher kaum betroffen waren.
Tiergesundheitsexperten warnen deshalb davor, die Krankheit zu unterschätzen. Besonders in den Sommermonaten seien eine intensive Überwachung der Bestände und vorbeugende Maßnahmen von großer Bedeutung.
Impfung gilt als wichtigster Schutz
Als wirksamster Schutz gegen die Blauzungenkrankheit gilt die Impfung der Tierbestände. Veterinärbehörden empfehlen insbesondere in gefährdeten Regionen, empfängliche Tiere rechtzeitig immunisieren zu lassen.
Eine flächendeckende Impfung kann dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern und die wirtschaftlichen Schäden für landwirtschaftliche Betriebe deutlich zu begrenzen.
Tierhalter sollten aktuelle Vorgaben beachten
Mit den neuen Restriktionen stehen viele Betriebe in Sachsen-Anhalt vor zusätzlichen Herausforderungen. Wer Tiere transportieren möchte, sollte sich vorab genau über die geltenden Vorschriften informieren und frühzeitig Kontakt zu den zuständigen Veterinärämtern aufnehmen.
Der aktuelle Ausbruch zeigt erneut, wie schnell sich Tierseuchen über Ländergrenzen hinweg auswirken können. Obwohl die Blauzungenkrankheit für Menschen ungefährlich ist, stellt sie für die Nutztierhaltung eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Umso wichtiger ist es, Ausbrüche konsequent einzudämmen und Tierhalter bei den notwendigen Schutzmaßnahmen zu unterstützen.