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82-Millionen-Windpark mit Fehlstart: Kann Haltern Moddefeld für Anleger trotzdem aufgehen?

geralt (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2024 der Windpark Haltern Moddefeld GmbH & Co. KG zeigt aus Anlegersicht ein Projekt mit großem Potenzial, aber auch mit einem sehr klaren Risikoprofil. Positiv ist, dass der Windpark baulich weitgehend fertiggestellt wurde und damit der entscheidende Schritt von der Projektierungs- in die Betriebsphase gelungen ist. Kritisch ist jedoch, dass 2024 noch keinerlei Umsatzerlöse erzielt wurden, während Abschreibungen, Finanzierungskosten und laufende Projektkosten bereits voll auf das Ergebnis durchschlagen. Das führt zu einem hohen Jahresfehlbetrag und einer bilanziell angespannten Eigenkapitalsituation.

Der zentrale Punkt ist: 2024 ist noch kein normales Betriebsjahr, sondern ein Übergangsjahr. Genau das betont die Gesellschaft selbst. Die neun Windenergieanlagen wurden zwar im zweiten Halbjahr 2024 fertiggestellt, aber erst im ersten Quartal 2025 in Betrieb genommen. Dadurch stehen auf der einen Seite bereits Sachanlagen von rund 73,3 Mio. Euro in der Bilanz, auf der anderen Seite aber noch keine Stromerlöse. Für Anleger ist das wichtig, weil der ausgewiesene Verlust deshalb nicht automatisch bedeutet, dass das Projekt operativ gescheitert ist. Er ist zu einem erheblichen Teil ein Anlauf- und Strukturphänomen.

Trotzdem sollte man die Zahlen nicht beschönigen. Der Jahresfehlbetrag von rund 4,15 Mio. Euro ist erheblich und deutlich höher als im Vorjahr. Haupttreiber sind vor allem der Finanzaufwand von gut 3,0 Mio. Euro sowie Abschreibungen von rund 746.000 Euro. Hinzu kommen sonstige betriebliche Aufwendungen. Die Gesellschaft verbrennt in dieser Phase also Kapital, noch bevor der laufende Stromverkauf das Modell tragen kann. Aus Anlegersicht ist das typisch für große Infrastrukturprojekte in der Bau- und Anlaufphase, aber es erhöht die Abhängigkeit davon, dass der operative Start 2025 und danach wirklich planmäßig funktioniert.

Besonders kritisch ist die Eigenkapitalseite. In der Bilanz steht ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“ von rund 4,79 Mio. Euro. Das ist ein Warnsignal, weil es zeigt, dass die Verluste das vorhandene Kommanditkapital bereits übersteigen. Anders gesagt: Das Projekt ist bilanziell massiv fremdfinanziert und verfügt per Ende 2024 noch nicht über ein tragfähiges Eigenkapitalpolster. Die Gesellschaft verweist zwar darauf, dass ein lokales Bankenkonsortium auch die Vorfinanzierung des Eigenkapitals zugesagt hat und 2026 zusätzlich rund 14,041 Mio. Euro Kommanditkapital eingeworben werden sollen. Für Anleger bleibt aber entscheidend, dass diese Eigenkapitaleinwerbung tatsächlich gelingt. Sie ist kein Nebenaspekt, sondern ein zentraler Stabilitätsfaktor.

Die Verschuldung ist entsprechend sehr hoch. Die Verbindlichkeiten liegen bei rund 75,7 Mio. Euro, davon knapp 74,6 Mio. Euro gegenüber Kreditinstituten. Für ein Windparkprojekt dieser Größenordnung ist eine hohe Fremdfinanzierung zwar nicht ungewöhnlich. Dennoch bedeutet sie, dass der wirtschaftliche Erfolg über viele Jahre stark von einer stabilen Stromproduktion, planbaren Kosten und tragfähigen Finanzierungsbedingungen abhängt. Schon kleinere Enttäuschungen bei Windaufkommen, Verfügbarkeit, Stromerlösen oder Wartungskosten können ein solches Modell empfindlicher treffen als Projekte mit stärkerer Eigenkapitalbasis.

Hinzu kommt die extrem knappe Liquidität zum Bilanzstichtag. Die liquiden Mittel betragen lediglich rund 170 Euro. Formal wird das im Lagebericht relativiert, weil die Finanzierungslinien des Bankenkonsortiums die Zahlungsfähigkeit gesichert hätten. Dennoch ist das aus Anlegersicht ein Punkt, der Aufmerksamkeit verdient. Eine derart geringe frei ausgewiesene Liquidität zeigt, wie eng die Finanzierung strukturiert ist und wie stark das Projekt auf externe Kreditgeber angewiesen bleibt.

Positiv ist, dass der Windpark inzwischen tatsächlich in Betrieb gegangen ist. Das reduziert das zentrale Fertigstellungsrisiko deutlich. Außerdem wurde laut Lagebericht ein Teil der Einspeisevergütung nach EEG 2023 abgesichert, und für die vor dem 25. Februar 2025 in Betrieb genommenen Anlagen gelten bei negativen Strompreisen noch günstigere Übergangsregeln. Das ist wirtschaftlich relevant, weil negative Strompreise für Windparks zunehmend ein realer Belastungsfaktor sind. Allerdings profitiert nicht der gesamte Park gleichermaßen, weil ein Teil der Anlagen später in Betrieb ging und damit strengeren Regeln unterliegt.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die zeitweise Netzengpass-Situation. Die vorhandene Einspeisekapazität von 54 MW wurde zunächst auf 17 MW gedrosselt, eine volle Einspeisung wurde erst ab voraussichtlich Ende des vierten Quartals 2025 zugesichert. Zwar soll der dadurch entstehende Schaden gesetzlich vom Netzbetreiber ausgeglichen werden, aber solche Verzögerungen zeigen, dass selbst nach Fertigstellung der Anlagen nicht automatisch ein reibungsloser Vollbetrieb garantiert ist. Für Anleger ist das ein klares Beispiel dafür, dass technische Fertigstellung und wirtschaftliche Normalisierung zwei verschiedene Dinge sind.

Ebenfalls relevant sind die sehr hohen nicht bilanzierten sonstigen finanziellen Verpflichtungen von rund 42,4 Mio. Euro, vor allem aus Windpachten, sonstigen Pachten, Wartung und festen Betriebsführungsverträgen. Diese Verpflichtungen laufen teilweise sehr langfristig. Das ist in der Branche normal, schränkt aber die Flexibilität ein. Wenn Stromerlöse oder Windaufkommen hinter den Erwartungen zurückbleiben, bleiben diese Kostenstrukturen trotzdem bestehen.

Fairerweise muss man sagen, dass das Projekt auch echte Chancen hat. Die Dimension des Parks ist beachtlich, die Anlagen sind modern, und die Gesellschaft erwartet ab den Folgejahren dauerhafte Gewinne. Die erste Auszahlung an Kommanditisten ist für 2027 vorgesehen, also nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Stabilisierung. Das wirkt aus Anlegersicht eher vernünftig als überoptimistisch. Auch der Hinweis auf mögliche zusätzliche Erlöschancen über PPA-Modelle nach oder neben der EEG-Förderung zeigt, dass die Gesellschaft strategisch weiterdenkt.

Der entscheidende Investmentpunkt ist deshalb nicht, ob 2024 schlecht aussieht – das tut es bilanziell eindeutig –, sondern ob 2025 und 2026 den Übergang in einen stabilen operativen Betrieb schaffen. Genau dort liegen die wesentlichen Fragen: Kommt das Eigenkapital wie geplant herein? Läuft die Einspeisung absehbar voll? Bleiben Zinsen, Wartung und technische Verfügbarkeit im Rahmen? Und erreicht der Windpark die prognostizierte Standortgüte ausreichend zuverlässig?

Unterm Strich wirkt Windpark Haltern Moddefeld aus Anlegersicht wie ein chancenreiches, aber klar hoch gehebeltes Projekt in der sensiblen Übergangsphase vom Bau zum Betrieb. Die technische Grundlage ist gelegt, doch die Bilanz 2024 zeigt noch keine operative Reife, sondern vor allem Vorleistungen, Verluste und Finanzierungsdruck. Wer sich für ein solches Investment interessiert, sollte weniger auf die Hoffnung einer schnellen Ausschüttung schauen und stärker darauf, ob sich die angekündigte Stabilisierung im Jahr 2025 und spätestens 2026 tatsächlich in belastbaren Erträgen niederschlägt.

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