Nach dem schweren Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge im Süden Spaniens hat Ministerpräsident Pedro Sánchez eine umfassende und transparente Aufklärung der Ursache angekündigt. Bei dem Unglück nahe der andalusischen Gemeinde Adamuz kamen mindestens 40 Menschen ums Leben, mehr als 120 weitere wurden verletzt. Es handelt sich um das schwerste Eisenbahnunglück des Landes seit über einem Jahrzehnt.
Der Unfall ereignete sich am Sonntagabend gegen 19:45 Uhr, als ein von Málaga nach Madrid fahrender Zug entgleiste und auf das Gegengleis geriet. Dort kollidierte er frontal mit einem entgegenkommenden Zug, der von Madrid in Richtung Huelva unterwegs war. Durch die Wucht des Aufpralls wurden mehrere Waggons aus den Schienen gerissen und gegen einen Bahndamm geschleudert. Besonders die vorderen Wagen des zweiten Zuges waren stark betroffen.
Rettungskräfte arbeiteten die ganze Nacht hindurch unter schwierigen Bedingungen. Verbogene Metallteile und ineinander verkeilte Waggons erschwerten den Zugang zu eingeschlossenen Passagieren. Insgesamt befanden sich rund 400 Fahrgäste und Bahnmitarbeiter in den beiden Zügen. Nach Angaben der Behörden werden noch immer Opfer identifiziert, die endgültige Zahl der Todesopfer steht noch nicht fest. Zwölf der Verletzten befinden sich weiterhin in intensivmedizinischer Behandlung.
Pedro Sánchez besuchte am Montag gemeinsam mit Verkehrsminister Óscar Puente und weiteren Regierungsvertretern die Unglücksstelle. In einer Ansprache sprach der Ministerpräsident von einem „Tag der Trauer für ganz Spanien“ und ordnete drei Tage Staatstrauer an. Er betonte, man werde die Ursachen des Unglücks ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen offenlegen.
Erste Hinweise aus Ermittlerkreisen deuten auf ein mögliches technisches Problem an den Schienen hin. Medienberichten zufolge könnte eine fehlerhafte Schienenverbindung eine Rolle gespielt haben. Ob dieser Defekt Ursache oder Folge des Unfalls war, ist jedoch noch unklar. Verkehrsminister Puente sprach von einem „äußerst ungewöhnlichen Vorfall“ und rechnet mit einer mindestens einmonatigen Untersuchung.
Augenzeugen schilderten dramatische Szenen. Ein Journalist des spanischen Fernsehens RTVE beschrieb den Moment des Aufpralls wie ein Erdbeben. Videoaufnahmen zeigen umgestürzte Waggons, aus denen Rettungskräfte Verletzte durch Fenster und Türen bargen. Viele Überlebende berichteten von Panik, Schreien und chaotischen Zuständen unmittelbar nach dem Zusammenstoß.
Aus Respekt vor den Opfern wurden alle Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen Madrid und mehreren Städten im Süden des Landes vorübergehend eingestellt. Auch König Felipe VI. und Königin Letizia äußerten ihr Mitgefühl. Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz sind vor Ort im Einsatz und unterstützen Angehörige psychologisch. Das Unglück hat eine landesweite Debatte über Sicherheit und Wartung im spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz neu entfacht.