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Wie das kleine Land Slowakei zu einer Schwergewichtsnation der Autoindustrie wurde

Mitten in den verschneiten Bergen im Norden der Slowakei, nahe der Stadt Žilina, steht eine der modernsten Autofabriken Europas. Hier produziert der südkoreanische Hersteller Kia bis zu 350.000 Fahrzeuge pro Jahr – ein Symbol für den bemerkenswerten Aufstieg der Slowakei zu einem der wichtigsten Automobilstandorte weltweit. In einem Land mit nur 5,4 Millionen Einwohnern entstehen fast eine Million Autos jährlich. Pro Kopf produziert kein anderes Land mehr Fahrzeuge.

Der Wandel begann nach der Samtenen Revolution 1989. Mit dem Ende des Sozialismus öffnete sich die damalige Tschechoslowakei für westliche Investoren. Volkswagen übernahm schrittweise den Autobauer Škoda, andere Hersteller folgten. Nach der Teilung des Landes 1993 setzte insbesondere die Slowakei konsequent auf die Autoindustrie als wirtschaftliches Zugpferd.

Ein entscheidender Faktor waren die niedrigen Lohnkosten. In den 1990er-Jahren lagen sie bei nur etwa 20 % des deutschen Niveaus. Auch heute sind sie noch deutlich geringer, bei gleichzeitig hoher Produktivität. Das macht das Land für internationale Konzerne attraktiv. Hinzu kommt eine zentrale Lage im Herzen Europas, mit guter Anbindung an wichtige Absatzmärkte wie Deutschland, Italien oder Großbritannien.

Im Kia-Werk in Žilina arbeiten rund 3.700 Menschen, fast ausschließlich Slowaken. Für viele ist der Job mehr als nur Broterwerb. Der 48-jährige Marcel Pukhon spricht von seinem „Traumjob“, während jüngere Mitarbeiterinnen wie Simona Krnova die guten Verdienstmöglichkeiten schätzen. Mit durchschnittlich 2.400 Euro Monatsgehalt liegt Kia deutlich über dem slowakischen Durchschnitt, auch wenn die Löhne unter dem EU-Schnitt bleiben.

Die Autoindustrie hat ganze Regionen verändert. In und um Žilina sank die Arbeitslosigkeit stark, tausende Arbeitsplätze entstanden direkt und indirekt. Ein dichtes Netz von rund 360 Zulieferbetrieben stärkt den Standort zusätzlich. Staatliche Förderungen und Steuervergünstigungen unterstützen Investitionen, etwa beim Umbau auf Elektromobilität.

Auch Bildung spielt eine wichtige Rolle. Duale Ausbildungsprogramme, technische Schulen und Universitäten arbeiten eng mit den Herstellern zusammen und sichern den Nachwuchs an Fachkräften. Gleichzeitig profitiert die Branche von der vergleichsweise klimafreundlichen Energieerzeugung des Landes, was insbesondere für die Produktion von Elektroautos ein Vorteil ist.

Neben Kia produzieren auch Volkswagen, Stellantis und Jaguar Land Rover in der Slowakei, Volvo folgt 2027 mit einem neuen E-Autowerk. Die Erfolgsgeschichte zeigt: Mit kluger Industriepolitik, qualifizierten Arbeitskräften und internationaler Vernetzung kann selbst ein kleines Land zu einem globalen Autoriesen werden.

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