Nach dem verheerenden Brand in der Schweizer Bar Le Constellation im Wintersportort Crans-Montana, bei dem in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben kamen und 116 weitere verletzt wurden, haben die Anwälte der Betreiber erstmals öffentlich Stellung bezogen. Sie kritisieren eine aus ihrer Sicht „öffentliche Vergeltungshaltung“ und weisen zahlreiche Berichte über ihre Mandanten als falsch zurück.
Die französischen Barbesitzer Jessica und Jacques Moretti stehen unter strafrechtlicher Untersuchung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Brandstiftung vor. Ihre Anwälte betonen jedoch, das Paar sei zutiefst erschüttert über die Tragödie und habe keine Kenntnis von einer konkreten Gefahr in ihrem Lokal gehabt.
Laut ersten Ermittlungsergebnissen brach das Feuer aus, nachdem Wunderkerzen an Champagnerflaschen die schallisolierende Deckenverkleidung im Keller der Bar entzündet hatten. Die Behörden räumten ein, dass das Lokal seit fünf Jahren nicht mehr sicherheitstechnisch überprüft worden war. Viele der Opfer waren sehr jung, acht von ihnen unter 16 Jahre alt. Zahlreiche Verletzte werden weiterhin wegen schwerer Verbrennungen behandelt.
Anwältin Yaël Hayat sprach gegenüber lokalen Medien von „Lügen“, die über ihre Mandanten verbreitet würden. Insbesondere wies sie Berichte zurück, wonach Jessica Moretti mit Geld aus der Kasse aus dem brennenden Gebäude geflohen sei. Sie habe vielmehr vor Ort geholfen und Verletzte unterstützt.
Patrick Michod, der Jacques Moretti vertritt, erklärte, dass sich Betreiber eines Lokals nach einer solchen Katastrophe zwar moralisch verantwortlich fühlten, dies jedoch nicht automatisch eine strafrechtliche Schuld bedeute. Entscheidend sei allein die Frage der rechtlichen Verantwortung. Zur brennbaren Deckenverkleidung sagte Michod, sein Mandant habe das Material bei einem großen Baumarkt gekauft, ohne über dessen Entflammbarkeit informiert worden zu sein. Ziel sei eine akustische Dämmung gewesen, keine gefährliche Installation.
Auch die Anwälte der Opfer melden sich zu Wort. Die Familie einer verstorbenen Mitarbeiterin erklärte, diese habe keinerlei Sicherheitsschulung erhalten und sei sich der Gefahr durch die Decke nicht bewusst gewesen. Hayat bezeichnete die junge Frau als enge Freundin der Morettis und zitierte aus einer persönlichen Postkarte, die deren familiäres Verhältnis unterstreiche.
Während Jacques Moretti für zunächst 90 Tage in Untersuchungshaft sitzt, wurde gegen Jessica Moretti eine Ausreisesperre verhängt. Beide müssen mit einer hohen Kaution rechnen. Die Ermittlungen dauern an und werden die Justiz wie auch die Öffentlichkeit in der Schweiz noch lange beschäftigen.