Spanien steht erneut unter Schock nach einem weiteren schweren Eisenbahnunglück. Nur zwei Tage nach einer verheerenden Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge im Süden des Landes ist am Dienstagabend ein Pendlerzug in Katalonien entgleist. Bei dem Unfall in der Gemeinde Gelida, rund 30 Kilometer südwestlich von Barcelona, kam der Lokführer ums Leben, 37 weitere Menschen wurden verletzt.
Nach Angaben der katalanischen Regionalregierung ereignete sich das Unglück gegen 22 Uhr Ortszeit auf der stark frequentierten R4-Linie, die täglich von Tausenden Pendlern genutzt wird. Der Zug war auf der Strecke zwischen Gelida und Sant Sadurní d’Anoia unterwegs, als er entgleiste. Ursache war nach ersten Erkenntnissen eine Stützmauer, die infolge heftiger Regenfälle auf die Gleise gestürzt war. Die herabfallenden Trümmer ließen dem Zug keine Chance mehr zum rechtzeitigen Anhalten.
Unmittelbar nach dem Unfall wurden umfangreiche Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Die Notrufzentralen registrierten 28 Anrufe, woraufhin 20 Krankenwagen des medizinischen Notfalldienstes SEM sowie 38 Einheiten der regionalen Feuerwehr zum Unfallort entsandt wurden. Die Einsatzkräfte richteten zunächst eine Sicherheitszone ein und stabilisierten sowohl den Zug als auch die beschädigte Stützmauer, um weitere Gefahren auszuschließen.
Anschließend begannen die Rettungsteams damit, die Verletzten aus dem sogenannten „Hot Zone“-Bereich zu evakuieren. Eine Person musste aus dem Zugwrack befreit werden, da sie eingeklemmt war. Laut Claudi Gallardo, Inspektor der katalanischen Feuerwehr, erlitten vier Personen schwere Verletzungen. Alle Passagiere konnten schließlich aus dem Zug gebracht werden.
Besonders tragisch ist der Tod des Lokführers, der trotz schneller Hilfe durch die ersten Einsatzkräfte seinen Verletzungen erlag. Mehrere weitere Fahrgäste wurden mit leichten bis mittelschweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Das Unglück wirft einen dunklen Schatten auf das spanische Bahnnetz, zumal es nur zwei Tage nach einem der schlimmsten Zugunfälle der jüngeren Geschichte des Landes geschah. Bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Adamuz in der Provinz Córdoba kamen 41 Menschen ums Leben. Die zeitliche Nähe der beiden Katastrophen hat landesweit eine Debatte über die Sicherheit der Bahninfrastruktur und den Zustand von Gleisanlagen ausgelöst.
Die katalanische Innen- und Sicherheitsministerin Nuria Parlón sowie die Ministerin für Territorium, Silvia Paneque, machten sich noch am selben Abend auf den Weg zur Unfallstelle. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache dauern an, während Spanien um die Opfer einer weiteren Tragödie trauert.