Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wächst unter europäischen Unternehmerinnen und Unternehmern der Ruf nach mehr Selbstbewusstsein gegenüber den USA. Führende Köpfe der Tech-Branche sind sich einig: Europa müsse mutiger auftreten, eigene Champions aufbauen und seine wirtschaftliche Stärke entschlossener ausspielen.
In zahlreichen Diskussionsrunden betonten Manager, Investoren und Gründer, dass Europa über exzellente Voraussetzungen verfüge – von gut ausgebildeten Fachkräften über starke Forschung bis hin zu einem großen Binnenmarkt. Dennoch fehle es oft an dem Willen, diese Vorteile konsequent in globale Marktführerschaft zu übersetzen. „Wir dürfen uns nicht ständig kleiner machen, als wir sind“, heißt es hinter den Kulissen immer wieder.
Kritisch sehen viele die starke Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen, etwa bei Cloud-Diensten, Künstlicher Intelligenz oder Plattformökonomie. Zwar seien Kooperationen wichtig, doch Europa müsse zugleich eigene Lösungen entwickeln und skalieren. Dafür brauche es mehr Risikokapital, schnellere Genehmigungsverfahren und weniger regulatorische Zersplitterung zwischen den Mitgliedstaaten.
Ein wiederkehrendes Thema in Davos ist auch der geopolitische Druck. Angesichts einer zunehmend selbstbewussten US-Wirtschaftspolitik und harter Konkurrenz aus China sei Zurückhaltung keine Option mehr. Europa müsse lernen, strategisch zu denken und wirtschaftliche Interessen klarer zu vertreten – auch gegenüber engen Partnern.
Mehrere Unternehmer warnten davor, sich allein auf Regulierung als europäische Antwort zu verlassen. Regeln seien wichtig, reichten aber nicht aus. Entscheidend seien Investitionen, Innovationsfreude und der politische Wille, europäische Weltmarktführer zu ermöglichen. „Wir haben die Köpfe, wir haben die Ideen – jetzt müssen wir den Mut haben, sie groß zu machen“, lautete ein häufig gehörter Appell.
Die Stimmung in Davos zeigt: In Europas Wirtschaftseliten wächst die Erkenntnis, dass Zurückhaltung kein Erfolgsmodell mehr ist. Ob aus den Worten konkrete Taten folgen, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.