Angesichts der fortschreitenden Legalisierung von Cannabis in Deutschland fordern Apotheker deutlich strengere Kontrollen bei der Abgabe von Cannabis über sogenannte Anbau- und Konsumvereine. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt vor gesundheitlichen Risiken und möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten, die bislang aus ihrer Sicht zu wenig berücksichtigt würden.
ABDA-Präsident Thomas Preis erklärte in einem Interview mit der Rheinische Post, strengere Regulierungen könnten helfen, gesundheitliche Folgeschäden für Konsumentinnen und Konsumenten zu reduzieren. Es gehe nicht darum, die Legalisierung grundsätzlich infrage zu stellen, sondern um verantwortungsvolle Rahmenbedingungen beim Zugang zu Cannabis.
Preis verwies darauf, dass immer mehr wissenschaftliche Studien Risiken des Cannabis-Konsums aufzeigen, die über bekannte psychische Auswirkungen hinausgehen. Demnach könne Cannabis unter anderem das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen und bei regelmäßigem Konsum langfristige gesundheitliche Folgen haben. Diese Risiken müssten aus Sicht der Apothekerschaft stärker in die öffentliche Debatte einfließen.
Besonders kritisch sehen Apotheker mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Cannabis könne den Abbau zahlreicher Medikamente im Körper verlangsamen oder deren Wirkung verstärken. Das betreffe unter anderem Mittel zur Blutverdünnung, bestimmte Schmerzmedikamente oder Psychopharmaka. Ohne fachliche Beratung bestehe die Gefahr von Über- oder Fehlwirkungen, die für Patienten ernsthafte Konsequenzen haben könnten.
Vor diesem Hintergrund fordern die Apotheker klarere Vorgaben für Cannabis-Clubs – etwa bei der Abgabe, bei Aufklärungspflichten und beim Schutz vulnerabler Gruppen. Die derzeitigen Regelungen reichten aus ihrer Sicht nicht aus, um gesundheitliche Risiken ausreichend zu minimieren.
Wie berichtet wird, plant die Bundesregierung, die Cannabis-Legalisierung in zwei groß angelegten Studien wissenschaftlich zu evaluieren. Dabei sollen unter anderem Auswirkungen auf Gesundheit, Konsumverhalten und den Schwarzmarkt untersucht werden. Die Apothekerverbände hoffen, dass die Ergebnisse dieser Studien zu einer Nachschärfung der gesetzlichen Regelungen führen.
Die Debatte zeigt, dass die Cannabis-Legalisierung weiterhin ein politisch und gesellschaftlich sensibles Thema bleibt – mit offenen Fragen zur Gesundheitsvorsorge, zur Aufklärung und zur langfristigen Regulierung.