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Akademische Laufbahn: Frauenanteil unter Professorinnen steigt deutlich – bleibt aber hinter Potenzial zurück

werbeguru (CC0), Pixabay

Der Anteil von Frauen in Professuren ist in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gestiegen – doch trotz deutlicher Fortschritte bleibt die Spitze der Wissenschaft weiterhin mehrheitlich männlich. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamts.

Zum Jahresende 2024 waren 30 Prozent der 52.100 hauptberuflichen Professor*innen an deutschen Hochschulen weiblich. Damit hat sich der Frauenanteil innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt.

  • 2004: 14 %

  • 2014: 22 %

  • 2024: 30 %

Dieser kontinuierliche Anstieg zeigt, dass politische Förderprogramme, Berufungsverfahren und Gleichstellungsinitiativen Wirkung entfalten. Gleichzeitig offenbart die Statistik aber auch strukturelle Probleme der akademischen Karrierewege.

Mehr Studentinnen – aber weniger Professorinnen: Die „leaky pipeline“ bleibt ein Problem

Während an vielen Universitäten der Frauenanteil bei Studienanfängern seit Jahren bei rund 50 % oder höher liegt, schrumpft er auf dem Weg zur wissenschaftlichen Spitze kontinuierlich.

Zwischen Studienbeginn und Professur gehen viele potenzielle Wissenschaftlerinnen verloren – ein Phänomen, das international als „leaky pipeline“ bezeichnet wird.

Gründe sind unter anderem:

  • unsichere Karrierewege mit befristeten Verträgen

  • Vereinbarkeitsprobleme von Familie und wissenschaftlicher Laufbahn

  • unterrepräsentierte Mentorinnen und Vorbilder

  • Gender Bias in Berufungsverfahren

  • überdurchschnittliche Belastungen in der Qualifikationsphase

Dass nur knapp jede dritte Professur von einer Frau besetzt ist, zeigt, wie viel Potenzial nach wie vor ungenutzt bleibt.

Unterschiede zwischen Fachrichtungen besonders groß

Dass der Frauenanteil steigt, bedeutet nicht, dass alle Bereiche gleichermaßen profitieren. Traditionell männlich dominierte Fächer wie:

  • Ingenieurwissenschaften

  • Informatik

  • Physik

weisen deutlich geringere Frauenanteile auf, während geistes- und sozialwissenschaftliche Professuren überdurchschnittlich weiblich besetzt sind.

Auch zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Kunsthochschulen zeigen sich Unterschiede – Letztere haben traditionell höhere Frauenanteile.

Politische Programme zeigen Wirkung – aber es braucht mehr

Initiativen wie das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder, Quotenregelungen in Berufungskommissionen oder familienfreundlichere Strukturen haben zur positiven Entwicklung beigetragen. Viele Hochschulen berichten, dass die Zahl qualifizierter Bewerberinnen wächst.

Gleichzeitig zeigen Expert*innen, dass der Weg zur Gleichstellung noch weit ist. Um den Anteil nachhaltig zu erhöhen, fordern Forschungsinstitute und Gleichstellungsbeauftragte:

  • mehr unbefristete Stellen nach der Promotion,

  • transparentere Berufungsverfahren,

  • bessere Vergütung in frühen Karrierephasen,

  • eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit.

Fazit: Fortschritt, aber keine Vollendung

Die starken Zuwächse der vergangenen 20 Jahre sind ein wichtiges Signal: Frauen holen in der akademischen Spitzenqualifikation auf. Dennoch bleibt der Rückstand zu ihrer Präsenz in Studium und Promotion erheblich.

Die große Frage lautet:
Schafft es das deutsche Hochschulsystem, die „leaky pipeline“ weiter zu schließen – oder bleibt der Weg zur Professur für viele Frauen ein Hindernisparcours?

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