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Krankenkasse schlägt Alarm: Kinder und Jugendliche bekommen deutlich häufiger Antibiotika

JerzyGórecki (CC0), Pixabay

Kinder und Jugendliche in Deutschland erhalten wieder häufiger Antibiotika – und das in einem Ausmaß, das Gesundheitsexperten zunehmend besorgt. Eine aktuelle Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zeigt, dass die Verordnungen für 6- bis 18-Jährige zwischen 2019 und 2024 um mehr als 12 Prozent gestiegen sind.

Nach Angaben der Kasse erhielt im Jahr 2024 jeder vierte Heranwachsende ein Antibiotikum – deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

Starker Anstieg nach der Pandemiephase

Die Daten zeigen einen klaren Trend: Während während der Corona-Jahre weniger Infektionserkrankungen auftraten und somit auch weniger Antibiotika verschrieben wurden, steigen die Zahlen seit Aufhebung der Lockdown- und Hygienemaßnahmen kontinuierlich wieder an. Viele Kinder hatten aufgrund geringerer Kontakte zuvor kaum Infekte durchgemacht – nun trifft sie die Welle von Erkältungs- und anderen Infektionskrankheiten besonders stark.

Doch die KKH betont: Nicht jeder Infekt rechtfertigt den Einsatz eines Antibiotikums.

RKI warnt vor weltweiter Zunahme von Resistenzen

Das Robert Koch-Institut (RKI) weist seit Jahren darauf hin, dass Antibiotikaresistenzen weltweit eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen darstellen. Je häufiger Antibiotika eingesetzt werden – vor allem unnötig –, desto größer ist das Risiko, dass Bakterien unempfindlich werden.

Die Folgen sind gravierend

  • Infektionen werden schwerer behandelbar,

  • Krankenhäuser müssen zunehmend auf Reserveantibiotika zurückgreifen,

  • die Gefahr schwerer Krankheitsverläufe steigt,

  • Operationen und medizinische Routinebehandlungen werden riskanter.

Besonders kritisch ist der Einsatz bei Kindern, da ihr Immunsystem sich noch entwickelt und Resistenzen lebenslange Konsequenzen haben können.

Warum Ärzte dennoch häufiger verschreiben

Pädiaterinnen und Pädiater berichten von mehreren Ursachen für den Anstieg:

  • Mehr Infekte nach den Corona-Jahren durch fehlende Grundimmunität.

  • Elterndruck, wenn Kinder schnell wieder schul- oder kitafähig sein müssen.

  • Unsicherheit, ob eine bakterielle Infektion vorliegt – besonders ohne Schnelltest.

  • Zeitdruck in Praxen, der dazu führt, dass auf Nummer sicher gegangen wird.

Die KKH mahnt jedoch, dass Antibiotika nur in klar begründeten medizinischen Fällen eingesetzt werden sollten – etwa bei bakteriellen Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen oder Streptokokkeninfektionen.

Gesundheitsexperten: Bewusstsein muss gestärkt werden

Medizinerinnen und Mediziner rufen dazu auf:

  • Eltern besser über den Unterschied zwischen Virus- und Bakterieninfektionen zu informieren,

  • diagnostische Tests stärker zu nutzen,

  • unnötige Verordnungen zu vermeiden,

  • bei milden Infekten auf Symptomlinderung statt Antibiotika zu setzen.

Viele akute Infekte im Kindesalter – etwa typische Erkältungen – sind viraler Natur und reagieren nicht auf Antibiotika.

Fazit: Trend zeigt Handlungsbedarf

Der deutliche Anstieg der Antibiotika-Verschreibungen bei Kindern und Jugendlichen ist ein Warnsignal. Er unterstreicht, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Medikamenten ist – besonders vor dem Hintergrund weltweit zunehmender Resistenzentwicklungen.

Die zentrale Botschaft der Experten lautet:
Antibiotika retten Leben – aber nur, wenn sie sorgfältig und sparsam eingesetzt werden.

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