Ein Haus, das niemand betritt – aber rund um die Uhr streng bewacht wird: Laut Recherchen des NDR Hamburg Journal leisten Hamburger Polizeikräfte seit Jahren tausende Einsatzstunden, um die Privatwohnung von Bundeskanzler Olaf Scholz zu sichern – obwohl dieser dort seit Jahren nicht mehr gesehen wurde.
Insgesamt beläuft sich der Aufwand laut Schätzungen auf rund 28.000 Stunden Polizeischutz pro Jahr, mit Kosten von bis zu zwei Millionen Euro.
Eine leerstehende Wohnung – mit Dauerbewachung
Die betreffende Wohnung befindet sich in Hamburgs Stadtteil Rotherbaum, wo Scholz früher lebte, bevor er nach Berlin zog. Obwohl er dort offenbar nicht mehr wohnt und auch keine persönlichen Gegenstände lagert, wird die Immobilie weiterhin durchgehend bewacht – aus Sicherheitsgründen, wie es offiziell heißt.
Ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde erklärte, der Schutz gelte „nicht nur Personen, sondern auch bestimmten Wohnobjekten mit Sicherheitsrelevanz“. Ob Scholz die Wohnung überhaupt noch nutzt, ließ man offen.
Polizeigewerkschaft kritisiert Ressourcenverschwendung
Die Nachricht sorgt für Unmut – auch innerhalb der Polizei. Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerten scharfe Kritik:
„Wir kämpfen seit Jahren mit Personalmangel. Es ist schwer zu vermitteln, dass Kolleginnen und Kollegen ein leerstehendes Haus bewachen, während in anderen Stadtteilen Streifen fehlen“, sagte ein Hamburger GdP-Sprecher.
Schätzungen zufolge könnten die eingesetzten Kräfte in derselben Zeit mehr als 100.000 reguläre Streifenfahrten leisten oder Tausende Einsätze im Stadtgebiet übernehmen.
Politische Brisanz: Warum wird weiter bewacht?
Laut Sicherheitskreisen liegt die Entscheidung beim Bundeskriminalamt (BKA), das die Schutzmaßnahmen für Regierungsmitglieder koordiniert.
Begründet wird der Aufwand mit einer fortbestehenden Gefährdungslage: Auch wenn Scholz die Wohnung nicht nutze, bleibe sie „ein potenzielles Ziel“ – etwa für Demonstrationen, Anschläge oder symbolische Aktionen.
Kritiker halten das für übertrieben. „Wenn ein Objekt seit Jahren leer steht, kann man den Schutz anpassen – statt Millionen Steuergeld zu binden“, sagte ein Hamburger Oppositionspolitiker.
Ein teurer Schatten der Vergangenheit
Während Olaf Scholz längst im Kanzleramt residiert, scheint seine alte Wohnung in Hamburg zu einem Dauerposten im Sicherheitsbudget geworden zu sein – und zum Sinnbild für eine teure Sicherheitslogik ohne sichtbaren Nutzen.
Ob die Schutzmaßnahmen bald reduziert werden, ist offen. Das Innenressort verweist auf eine laufende Sicherheitsbewertung.
Bis dahin bleibt die Wohnung leer – aber bestens bewacht.