Im Rahmen der laufenden Waffenruhe und des vereinbarten Gefangenenaustauschs zwischen Israel und der Hamas hat Israel nach eigenen Angaben mehr als 1.900 palästinensische Häftlinge freigelassen. Damit reagierte die israelische Regierung auf die Freilassung von mehreren Dutzend israelischen Geiseln, die seit dem Hamas-Angriff im Gazastreifen festgehalten worden waren.
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, trafen am Montag mehrere Busse mit den Entlassenen im Westjordanland ein. Eine johlende Menschenmenge erwartete die Fahrzeuge am Ortseingang von Beitunia, unweit des bekannten Ofer-Gefängnisses, das unter israelischer Verwaltung steht. Viele Angehörige und Unterstützer feierten die Rückkehr der Gefangenen mit palästinensischen Fahnen, Gesängen und Tränen der Erleichterung.
Auch im Gazastreifen kam es zu feierlichen Szenen. Am Nasser-Krankenhaus in Chan Junis wurden mehrere Busse des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) empfangen. Hunderte Menschen versammelten sich, schwenkten Flaggen und schossen teils Freudenschüsse in die Luft, um die Rückkehr der Inhaftierten zu feiern.
Nach Angaben israelischer Behörden handelt es sich bei den meisten Freigelassenen um Jugendliche und Frauen, die wegen Steinwürfen, politischer Aktivitäten oder anderer sicherheitsrelevanter Delikte inhaftiert waren. Einige von ihnen saßen bereits seit Jahren in Untersuchungshaft, ohne verurteilt worden zu sein.
Die Freilassung erfolgte im Zuge einer vermittelten Vereinbarung, die von Katar, Ägypten und den USA begleitet wurde. Ziel ist es, die Spannungen zu verringern und Raum für weitere humanitäre Verhandlungen zu schaffen.
Trotz der emotionalen Szenen bleibt die Lage in der Region angespannt. In Israel löste die Entlassung der Häftlinge auch heftige Kritik aus. Einige Angehörige von Terroropfern protestierten vor Regierungsgebäuden in Jerusalem und warfen Premierminister Benjamin Netanjahu vor, sich dem Druck der Hamas zu beugen.
Unterdessen dauern die Gespräche über eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe an. Vertreter der Hamas erklärten, man sei bereit, weitere israelische Geiseln freizulassen, falls Israel im Gegenzug weitere Häftlinge entlässt und die humanitäre Hilfe für Gaza ausweitet.
Die internationale Gemeinschaft, darunter die UNO und die EU, begrüßte die Freilassungen als „wichtigen Schritt“ hin zu einer möglichen Deeskalation des Konflikts. Doch Beobachter warnen: Die Lage bleibt fragil – und ein erneutes Aufflammen der Gewalt könne jederzeit drohen.