15. Prozesstag
Der Strafprozess um die mutmaßlich von Christina Block beauftragte Entführung ihrer eigenen Kinder entwickelt sich weiterhin zu einem der spektakulärsten Gerichtsverfahren des Jahres. Am Dienstag kam es zu mehreren ungewöhnlichen Ereignissen im Saal 237 des Hamburger Landgerichts – darunter das plötzliche Verschwinden zweier wichtiger Zeugen aus Dänemark, eine emotionale Briefverlesung der Großeltern und pikante Aussagen über mutmaßliche Entführer.
Zwei Zeugen aus Dänemark einfach verschwunden
Ein Kuriosum zu Beginn: Die beiden dänischen Zeugen Flemming J. und Thomas W., die in Gråsten wichtige Beobachtungen zur mutmaßlichen Kindesentführung gemacht haben sollen, sind am heutigen Verhandlungstag nicht erschienen – trotz Ladung. Die Richterin ließ sie durch die Dolmetscherin aufrufen – erfolglos. Die Konsequenz: Ihre bei der dänischen Polizei gemachten Aussagen wurden stattdessen im Gerichtssaal verlesen.
Beide Männer berichteten unabhängig voneinander von auffälligen Szenen in der Silvesternacht 2023/24: Mehrere Männer hätten ein Kind in ein Auto gezogen, ohne dass es sich freiwillig verhalten habe. Besonders Thomas W. machte deutlich, dass das Verhalten der Gruppe „sehr verdächtig“ wirkte – das größere Kind habe sich sichtlich gewehrt.
Emotionaler Brief der Großeltern: „Wir vermissen unser Glück“
Eine weitere Wendung nahm der Prozesstag mit der Verlesung eines Briefs von Eugen und Christa Block, den sie am 24. Januar 2023 an eine Nachbarin des Kindsvaters in Gråsten geschrieben hatten. In eindringlichen Worten schildern die 82-jährigen Großeltern ihre Sorge um die Enkelkinder und baten um Informationen über deren Verbleib. Besonders bewegend: „Wir vermissen unser Glück, ihre kleinen Notizen und das Gespräch mit ihnen.“
Verteidiger Ingo Bott sprach von einem „rührseligen“ Brief – eine Einordnung, die offenbar auch das Gericht bewegte.
Mietwagen-Spur führt zu mutmaßlichem Entführer
Ein weiterer zentraler Punkt war die Aussage eines langjährigen Mitarbeiters der Autovermietung Hertz am Hamburger Flughafen. Er erkannte in einem früheren Kunden den mutmaßlichen Entführer Said B., gegen den ein internationaler Haftbefehl besteht. Der Mann habe zwei Autos angemietet, die laut Polizei mutmaßlich bei der Entführung verwendet wurden. Der Zeuge schilderte seine Eindrücke von Said B. als „kompakt, schweigsam, auffällig“. Der Verteidiger von Mitangeklagtem Tal S. stellte jedoch kritisch infrage, ob der Eindruck des Zeugen wirklich auf einem tatsächlichen Gespräch basierte.
Verteidiger von Mitangeklagtem unter Beschuss
Auch Andreas C., der als Familienanwalt der Blocks wegen Beihilfe mitangeklagt ist, sorgte für Aufsehen: Er versuchte mehrfach, sich mithilfe seines Anwaltsausweises an der Sicherheitskontrolle vorbeizumogeln. Ein Justizwachtmeister stoppte ihn – ein kleiner, aber symbolträchtiger Vorfall in einem ohnehin aufgeladenen Prozessumfeld.
Hintergrund
Christina Block, Erbin der „Block House“-Steakhaus-Kette, wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben. Mitangeklagt sind unter anderem ihr Lebensgefährte, der ehemalige Sportmoderator Gerhard Delling (66), sowie ein Familienanwalt und mehrere mutmaßliche Helfer. Im Zentrum des Falls stehen jahrelange Sorgerechtsstreitigkeiten mit dem Vater der Kinder, Stephan Hensel.
Wie geht es weiter?
Die nächsten Prozesstage versprechen weitere spannende Entwicklungen. Am 20. Oktober wird mit wichtigen Entscheidungen gerechnet – möglicherweise auch mit Urteilen gegen einzelne Angeklagte. Ob bis dahin die verschwundenen Zeugen doch noch auftauchen, bleibt unklar.