Im Verfahren gegen den früheren Immobilienunternehmer René Benko ist der zweite Verhandlungstag in Innsbruck turbulent verlaufen. Der 48-Jährige, einst gefeierter Milliardär, steht wegen betrügerischen Bankrotts vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, rund 660.000 Euro kurz vor der Insolvenz seines Signa-Imperiums beiseitegeschafft zu haben.
Nachdem der Prozess am Vortag wegen fehlender Zeugen unterbrochen wurde, traten nun mehrere zentrale Figuren aus Benkos Umfeld in den Zeugenstand – darunter auch der langjährige Finanzchef Manuel Pirolt. Sein Auftritt sorgte im Gerichtssaal für betretenes Schweigen: Der einstige Finanzstratege, der über Jahre Milliarden bewegt hatte, wirkte nervös, verunsichert und kaum bei Stimme. Mehrfach musste ihn die Richterin ermahnen, lauter zu sprechen. Auf viele Fragen reagierte Pirolt ausweichend oder mit dem Hinweis, er könne sich nicht erinnern. Beobachter beschrieben seine Aussage als „Trauerspiel“.
Pirolt, gegen den selbst ermittelt wird, war über Jahre eine Schlüsselfigur im engmaschigen Firmengeflecht der Signa-Gruppe. Er gehörte dem Vorstand mehrerer zentraler Immobiliengesellschaften an und war auch in der Stiftung der Familie Benko tätig.
Neben Pirolt sagte auch der langjährige Benko-Vertraute Marcus Mühlberger aus, der als „rechte Hand“ des Unternehmers galt und in zahlreichen Signa-Gesellschaften Führungsfunktionen bekleidete. Auch er wird in einem separaten Verfahren als Beschuldigter geführt.
Für Aufsehen sorgte zudem die Verlesung von E-Mails aus dem Dezember 2023, in denen es um Millionenüberweisungen zwischen Benko, seiner Mutter und seiner Schwester ging. Der Verteidigung war diese Passage unangenehm – sie hatte versucht, die Verlesung zu verhindern, scheiterte jedoch an der Richterin.
Benko selbst zeigte sich während des Verhandlungstags sichtlich angespannt, sprach häufig mit seinen Anwälten, reagierte aber kaum auf die Aussagen der Zeugen. Seine Mutter und seine Schwester machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und erschienen nicht im Gericht.
Nach Abschluss des Beweisverfahrens am späten Vormittag wurde die Verhandlung für die Mittagspause unterbrochen. Am Nachmittag sollten die Plädoyers folgen. Ein Urteil könnte – abhängig vom Verlauf – noch im Laufe des Tages fallen.
Für Benko steht viel auf dem Spiel: Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess markiert den Beginn einer ganzen Serie von Verfahren rund um den spektakulären Zusammenbruch seines milliardenschweren Firmenimperiums.