Nicht das Gewicht allein entscheidet über die Herzgesundheit, sondern auch, wo sich Fett im Körper anlagert. Das zeigt eine neue, aufsehenerregende Studie aus Großbritannien, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde. Forschende fanden heraus, dass sogenanntes viszerales Fett – also jenes, das tief im Bauchraum um die Organe liegt – das Herz deutlich schneller altern lässt. Besonders betroffen: Menschen mit einer sogenannten „Apfel-Form“.
Das Forschungsteam des Medical Research Council (MRC) am Imperial College London analysierte Daten von über 21.000 Personen aus der UK Biobank. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) wurden MRT-Bilder der Studienteilnehmer ausgewertet – sowohl von der Fettverteilung im Körper als auch vom Zustand des Herzens und der Blutgefäße. Dabei wurden Anzeichen biologischer Alterung – etwa entzündliches Gewebe – sichtbar gemacht.
Fett ist nicht gleich Fett
Während subkutanes Fett, das direkt unter der Haut sitzt, vor allem optisch sichtbar ist, verbirgt sich viszerales Fett tiefer im Körper – etwa um Leber, Magen oder Herz. Auch schlanke Menschen können davon betroffen sein. Das heimtückische Bauchfett steht schon länger im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen. Die neue Studie legt nun nahe, dass es auch direkt zur frühzeitigen Alterung des Herzens beiträgt.
„Unsere Forschung zeigt, dass ‚schädliches‘ Fett, das tief um die Organe sitzt, die Herzalterung beschleunigt“, erklärte Studienleiter Declan O’Regan. Dabei spiele nicht nur die Menge, sondern auch die Verteilung des Fetts eine entscheidende Rolle.
Apfel oder Birne? Der Unterschied ist entscheidend
In der Analyse zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Menschen mit sogenannter Apfel-Form – also Fettansammlungen vor allem am Bauch, wie sie häufiger bei Männern vorkommen – wiesen eine deutlich schnellere Alterung des Herzens auf als Menschen mit Birnen-Form, also mit mehr Fett an Hüften und Oberschenkeln, wie es bei Frauen typisch ist.
Interessant: Frauen vor der Menopause zeigten in der Regel eine langsamere Herzalterung. Forscher vermuten, dass der Östrogenspiegel dabei eine schützende Rolle spielt. Das Hormon könnte laut O’Regan „ein Schlüssel sein für zukünftige Therapien, die gezielt gegen Herzalterung wirken“.
BMI reicht nicht aus
Die Studie liefert auch neue Argumente gegen den traditionellen Body Mass Index (BMI) als alleinigen Gesundheitsindikator. Denn: Zwei Menschen mit gleichem BMI können völlig unterschiedliche Fettverteilungen – und damit völlig unterschiedliches Risiko – aufweisen. „Der BMI ist kein guter Indikator für die Herzgesundheit“, so O’Regan. Es komme vielmehr darauf an, wo im Körper das Fett sitzt – und wie aktiv das Fettgewebe Stoffwechselprozesse beeinflusst.
Was hilft gegen Bauchfett – und damit gegen Herzalterung?
Die Forschenden betonen, dass Bewegung und ausgewogene Ernährung zentrale Maßnahmen sind, um viszerales Fett zu reduzieren – unabhängig vom Körpergewicht. Zusätzlich wollen sie in künftigen Studien prüfen, ob medikamentöse Therapien – etwa GLP-1-Agonisten wie Ozempic, bekannt aus der Adipositas- und Diabetesbehandlung – auch gezielt gegen die „unsichtbare Gefahr“ des Bauchfetts wirken können.
Das langfristige Ziel der Forschung: Wege zu finden, um die gesunde Lebensspanne zu verlängern – nicht nur das Leben selbst, sondern die Jahre mit hoher Lebensqualität.