Während Hitzewellen mit Rekordwerten die USA heimsuchen, leben Millionen Amerikaner bewusst oder unfreiwillig ohne Klimaanlage. Etwa 39 Millionen Menschen – das sind rund 12 % der Bevölkerung – nutzen keine AC, so die US-Energiebehörde EIA.
Die Gründe dafür sind vielfältig: finanzielle Not, milde Klimazonen, ökologische Überzeugung – oder ganz einfach: man mag die Kälte nicht.
„Wir warten den ganzen Winter, um die Fenster zu öffnen“
So wie Shelley Snyder aus Columbus, Ohio. Auch bei Innenraumtemperaturen über 30 °C bleibt die AC aus – seit Jahren. „Ich liebe frische Luft und den Sommer“, sagt die bald 70-Jährige, die in einem alten Haus mit hohen Decken und Deckenventilatoren lebt.
AC – für viele unbezahlbar
Während sich einige aus Überzeugung gegen die Kühlung entscheiden, können viele sich die steigenden Stromkosten schlicht nicht mehr leisten. Der US-Durchschnitt für die Sommerstromrechnung liegt dieses Jahr bei 784 US-Dollar – der höchste Stand seit 12 Jahren.
Schwarze, hispanische und einkommensschwache Haushalte sind laut Gesundheitsorganisation KFF besonders betroffen. Die staatliche Energiehilfe für Geringverdiener (LIHEAP) steht nun auf dem Spiel: Trumps Haushaltsplan für 2026 sieht vor, das Programm komplett zu streichen – rund 6 Millionen Haushalte könnten dadurch ihre AC oder Heizung verlieren.
„Viele Menschen haben Angst, sie einzuschalten“, sagt Mark Wolfe vom Verband der Energiehilfedirektoren.
Alaska bis San Francisco: Städte mit wenig AC
In Alaska haben nur 7 % der Haushalte eine Klimaanlage. Auch in San Francisco leben 55 % der Bewohner ohne AC – bislang genügt gutes Hausdesign, Isolierung, Bäume und weiße Dächer, so wie bei Devin Carraway, der lieber in Wärmedämmung investierte als in eine AC-Einheit.
Klimaschutz statt Kälteschock
Auch Klimabewusstsein spielt für manche eine Rolle: Denn 20 % der US-Treibhausgasemissionen stammen aus Wohngebäuden, darunter Heizen und Kühlen. Wissenschaftler sprechen von einem „Teufelskreis“: mehr Klimaanlagen führen zu mehr Emissionen, was wiederum die Erderwärmung antreibt.
Stan Cox, Autor von „Losing Our Cool“, hat seinen Stromverbrauch durch kluge Nutzung um 80 % gesenkt – mit Ventilatoren, Kellerräumen und einem Baum im Garten. Die AC? Nutzt er einmal im Jahr – zum Testlauf. Oder wenn Gäste kommen.
Fazit: Komfort vs. Kosten vs. Klima
Ob aus Prinzip, Notwendigkeit oder Gewohnheit – der Verzicht auf Klimaanlagen in den USA ist ein Spiegel sozialer Ungleichheit, wachsender ökologischer Verantwortung und eines Landes, das sich mitten im Klimawandel befindet.
Oder wie Snyder es formuliert:
„Ich schätze Klimaanlagen wie jeder andere – aber ich bin 70 und hab es bisher auch so geschafft.“