Vietnam hat offiziell seine langjährige Zwei-Kind-Politik beendet. Wie vietnamesische Staatsmedien berichten, reagiert die Regierung damit auf einen deutlichen Rückgang der Geburtenrate, insbesondere in urbanen Zentren wie Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Ziel ist es, den demografischen Negativtrend umzukehren und die Bevölkerungspolitik an die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft anzupassen.
Geburtenrate auf historischem Tiefstand
Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Fertilitätsrate bei nur noch 1,9 Kindern pro Frau – der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung. Damit liegt Vietnam unterhalb der sogenannten Bestanderhaltungsgrenze von 2,1 Kindern, die notwendig ist, um eine Bevölkerung langfristig stabil zu halten.
Neue Familienpolitik statt Geburtenkontrolle
Die nun abgeschaffte Regelung war jahrzehntelang ein zentraler Bestandteil der vietnamesischen Familienpolitik. Sie entstand nach dem Vorbild Chinas und zielte darauf ab, das Bevölkerungswachstum zu kontrollieren. Besonders im ländlichen Raum war sie verbindlich – Verstöße wurden teils mit beruflichen oder sozialen Nachteilen geahndet.
Nun vollzieht Vietnam einen grundlegenden Kurswechsel: An die Stelle restriktiver Vorgaben treten Anreize und Unterstützungsmaßnahmen für Familien. Denkbar sind etwa:
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steuerliche Erleichterungen für Mehrkindfamilien
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Förderung von Betreuungsplätzen und Schulen
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Verbesserungen in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Gründe für den Geburtenrückgang
Wie in vielen Schwellenländern liegen die Ursachen für die sinkende Geburtenrate vor allem in:
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steigenden Lebenshaltungskosten
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Wohnraummangel in Städten
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veränderten Rollenbildern und
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wachsenden Karriereansprüchen junger Menschen
Auch eine zunehmende Urbanisierung und Individualisierung führt dazu, dass Kinder in vielen Haushalten nicht mehr an erster Stelle stehen.
Vietnam folgt internationalem Trend
Mit der Abschaffung der Zwei-Kind-Politik folgt Vietnam dem Kurs anderer ostasiatischer Länder wie China, Südkorea oder Japan, die mit ähnlichen demografischen Herausforderungen konfrontiert sind. Während diese Länder inzwischen teilweise mit Bevölkerungsrückgang, Arbeitskräftemangel und steigenden Rentenlasten kämpfen, versucht Vietnam früh gegenzusteuern.
Fazit: Familienpolitik vor dem Umbruch
Die Abschaffung der Zwei-Kind-Regelung markiert einen bedeutenden Wendepunkt in Vietnams Bevölkerungspolitik. Nun wird es entscheidend sein, ob es der Regierung gelingt, mit attraktiven Maßnahmen mehr junge Familien zum Kinderkriegen zu motivieren – und gleichzeitig die nötigen sozialen Strukturen zu schaffen, damit Kinder kein Armuts- oder Karriererisiko sind, sondern ein gesellschaftlicher Zukunftsfaktor.