Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) sind in Deutschland derzeit etwa 1.800 Kinder als vermisst registriert. Diese Zahl wurde zum Stichtag 1. Mai erfasst und umfasst sowohl aktuelle Fälle als auch Vermisstenmeldungen, die bereits seit vielen Jahren bestehen und bislang nicht aufgeklärt werden konnten.
Wie das BKA weiter mitteilte, handelt es sich bei einem erheblichen Teil dieser Fälle nicht um klassische Entführungen oder Straftaten, sondern vor allem um sogenannte Kindesentziehungen, bei denen ein Elternteil das Kind gegen das Sorgerecht des anderen Elternteils ins Ausland bringt oder verbirgt. Daneben sind Dauerausreißer, also Kinder und Jugendliche, die immer wieder aus Einrichtungen oder dem Elternhaus verschwinden, ein häufiger Grund für die Registrierung als vermisst. Auch unbegleitete minderjährige Geflüchtete, die etwa nach ihrer Ankunft in Deutschland aus Aufnahmeeinrichtungen verschwinden, sind in dieser Statistik erfasst.
Das BKA betont, dass in der überwiegenden Mehrheit der Fälle keine schwerwiegenden Verbrechen oder tragische Unglücksfälle wie tödliche Unfälle oder Gewaltverbrechen zugrunde liegen. Die meisten Kinder tauchen nach einiger Zeit wieder auf, entweder freiwillig oder nach polizeilichen Ermittlungen. Dennoch bleiben einige Schicksale über Jahre hinweg ungeklärt, was für die betroffenen Familien eine enorme psychische Belastung bedeutet.
Die Polizei und spezialisierte Organisationen wie die Initiative „Vermisste Kinder“ oder das Europäische Zentrum für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder (AMBER Alert Europe) arbeiten kontinuierlich daran, Hinweise zu überprüfen und verschwundene Kinder aufzuspüren.
Eltern und Bezugspersonen wird geraten, bereits bei einem ersten Verdacht oder ungewöhnlichem Verhalten wachsam zu sein und sich frühzeitig an die Polizei oder Hilfsorganisationen zu wenden.