Deutschland hat seinen bisherigen Widerstand gegen eine stärkere Einbindung der Atomkraft auf europäischer Ebene aufgegeben. Damit räumt die Bundesregierung eine zentrale Hürde für Frankreichs Pläne aus dem Weg, Atomenergie als Teil der EU-Klimastrategie zu stärken. Wie aus EU-Kreisen bekannt wurde, will Berlin künftig nicht mehr blockieren, dass Projekte mit Kernenergie unter bestimmten Bedingungen als förderfähig im Rahmen der EU-Industriepolitik gelten.
Frankreich hatte sich dafür eingesetzt, dass Atomkraft als grüne Brückentechnologie eingestuft wird – insbesondere im Kontext der EU-Initiativen zur Förderung sauberer Technologien und zur Sicherung industrieller Souveränität.
Deutschland hatte sich bislang dagegen gewehrt und stattdessen auf erneuerbare Energien gesetzt. Nun signalisiert die Bundesregierung laut Insidern Kompromissbereitschaft – wohl auch, um eine gemeinsame europäische Linie im Wettbewerb mit China und den USA zu ermöglichen.
Hintergrund:
Der Atomkurs Frankreichs ist Teil einer langfristigen Strategie zur Energieunabhängigkeit und Dekarbonisierung. Deutschland hatte 2023 als letztes Land seine Atomkraftwerke abgeschaltet. Nun folgt es in Brüssel offenbar einer pragmatischeren Linie, auch wenn es sich im Inland weiterhin gegen neue AKW positioniert.
Offizielle Stellungnahmen aus Berlin oder Paris zur neuen Linie gibt es bisher nicht. Eine formale Einigung in der EU könnte aber in den kommenden Wochen folgen.