Dark Mode Light Mode

„Neustart auf zwei Rädern – Indischer Partner sichert KTM das Überleben“

lionpress (CC0), Pixabay

In einer Phase großer wirtschaftlicher Turbulenzen hat sich für den traditionsreichen Motorradhersteller KTM ein entscheidender Hoffnungsschimmer aufgetan: Der indische Miteigentümer Bajaj Auto International stellt jene finanziellen Mittel bereit, die notwendig sind, um einen drohenden Konkurs abzuwenden – und damit auch tausende Arbeitsplätze zu sichern.

Nachdem KTM Ende November 2024 Insolvenz anmelden musste und ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eingeleitet wurde, hing das Schicksal des Unternehmens an einem seidenen Faden. Die Zeit drängte: Bis zum 23. Mai, Mitternacht, musste eine Barquote von 30 Prozent – rund 600 Millionen Euro – beim Sanierungsverwalter Peter Vogl eingelangt sein. Diese Frist wurde nun erfolgreich eingehalten. Die dringend benötigte Finanzspritze ist eingetroffen.

600 Millionen für den Neuanfang

Der indische KTM-Miteigentümer Bajaj Auto International hat ein massives Darlehen in Höhe von 450 Millionen Euro bereitgestellt, um die finanzielle Grundlage für den Sanierungsplan zu sichern. Weitere 150 Millionen Euro stammen von der Muttergesellschaft Pierer Mobility AG, was die Gesamtsumme auf beeindruckende 600 Millionen Euro bringt. Diese Mittel dienen der Finanzierung der drei angenommenen Restrukturierungspläne und ermöglichen es, die gesetzlich vorgeschriebene Quote an die Gläubiger zu erfüllen.

Damit wird nicht nur ein Insolvenzverfahren mit weitreichenden Folgen vermieden, sondern auch der Weiterbetrieb der KTM AG, der KTM Components GmbH sowie der KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH gesichert.

Eigentumsverhältnisse verschieben sich – Bajaj übernimmt das Ruder

Mit dem Geldfluss verändert sich auch die Unternehmensstruktur nachhaltig. Bajaj strebt – vorbehaltlich der regulatorischen Genehmigungen – die vollständige Übernahme der Pierer Bajaj AG an. Dieses Joint Venture zwischen Stefan Pierer und Bajaj hält bislang knapp 75 Prozent der Pierer Mobility AG. In Zukunft wird Bajaj allein das Sagen haben. Eine Garantievereinbarung sowie ein Aktienverpfändungsvertrag zwischen Pierer Mobility und der Bajaj Auto International Holdings B.V. sind bereits unterzeichnet.

Strategiewechsel mit Zukunft – Standort bleibt gesichert

Für viele der über 2.600 Beschäftigten ist jedoch eine andere Frage noch viel bedeutender: Bleibt der Standort Mattighofen erhalten? CEO Gottfried Neumeister zeigt sich optimistisch: „Wir haben mit Bajaj einen Partner, mit dem uns eine jahrzehntelange Zusammenarbeit verbindet. Unsere Stammwerke in Mattighofen und Munderfing bleiben die Basis unserer Zukunft.“

Auch Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) äußerte sich erleichtert: „Bajaj hat sich in den letzten 20 Jahren als stabiler Partner erwiesen. Die Fortsetzung dieses Engagements stärkt den Produktionsstandort Oberösterreich und gibt neue Perspektiven für die Zukunft von KTM.“

Doch nicht alle politischen Stimmen sind beruhigt. Die Grünen fordern ein klares Bekenntnis des indischen Konzerns zum Standort in Mattighofen: „Diese Rettung darf nicht nur eine finanzielle Transaktion bleiben, sondern muss den Standort und die Arbeitsplätze langfristig absichern“, so Arbeitsmarktsprecherin Ulrike Schwarz.

Der Abschied von Stefan Pierer

Eine Ära geht ebenfalls zu Ende: Stefan Pierer, der langjährige Kopf hinter KTM, wird sich nach Abschluss des Sanierungsverfahrens im Juni aus dem Vorstand der Pierer Mobility AG zurückziehen. Ihm folgt Verena Schneglberger-Grossmann, seit 2015 in führenden Positionen innerhalb der Gruppe tätig, in den Vorstand. Sie wird künftig CEO Neumeister zur Seite stehen.

Interessanterweise betonte Neumeister, dass Pierer emotional, nicht jedoch finanziell, zur Rettung beigetragen habe – ein Umstand, der in den letzten Wochen zunehmend kritisch hinterfragt worden war.

Blick nach vorn – neue Investoren nicht ausgeschlossen

Auch wenn Bajaj derzeit der Retter in der Not ist, ist die Tür für weitere strategische Partner in Zukunft nicht verschlossen. Sanierungsverwalter Peter Vogl betont: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bajaj 800 Millionen Euro investiert, ohne ein langfristiges Interesse am Standort zu haben.“ Sollte sich die wirtschaftliche Situation stabilisieren, könnte es erneut zu Veränderungen in der Eigentümerstruktur kommen.

Fazit: Hoffnung, die auf zwei Rädern rollt

Mit der Rettung durch Bajaj beginnt für KTM ein neues Kapitel. Die Finanzmittel sind gesichert, die Standorte bleiben bestehen, und der Wille, das Unternehmen wieder auf die Überholspur zu bringen, ist deutlich spürbar. CEO Neumeister bringt es auf den Punkt: „Wir haben die Chance bekommen, die Geschichte von KTM fortzuschreiben.“

Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Neuanfang gelingt – doch der entscheidende erste Schritt ist getan. Und dieser führt nicht rückwärts, sondern vorwärts – mit Vollgas.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Berlin gibt Widerstand gegen Pariser Atomkurs auf

Next Post

Schleswig-Holsteins Freibäder: Sanierungsstau trifft auf Gemeinwohl – Kommunen investieren Millionen