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Neuer Hebammenhilfevertrag: Sorge um Geburtshilfe – droht ein Exodus aus den Kreißsälen?

PublicDomainPictures (CC0), Pixabay

Ab November 2025 soll der neue Hebammenhilfevertrag in Kraft treten – und er sorgt bereits jetzt für große Verunsicherung in der Geburtshilfe. Besonders freiberufliche Hebammen, die im Belegsystem arbeiten, befürchten drastische finanzielle Einbußen. Einige stellen sogar ihre Zukunft im Kreißsaal infrage. Die Konsequenzen könnten gravierend sein – nicht nur für die Hebammen selbst, sondern vor allem für Schwangere und Neugeborene.

Weniger Geld bei gleicher Verantwortung

Der Vertrag sieht vor, dass Hebammen für die gleichzeitige Betreuung mehrerer Gebärender künftig gestaffelt und deutlich geringer bezahlt werden: Für die erste Frau gibt es nur noch 80 Prozent des regulären Stundenlohns, für die zweite und dritte jeweils 30 Prozent – ab der vierten keine zusätzliche Vergütung mehr. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für jede einzelne Geburt bestehen, unabhängig davon, wie viele Frauen parallel betreut werden.

Für viele Hebammen ist diese Regelung nicht tragbar. Sie rechnen mit Einbußen von bis zu 40 Prozent und sehen sich gezwungen, sich aus der klinischen Geburtshilfe zurückzuziehen. In vielen Fällen bleibt dann nur noch die Vor- und Nachsorge als Einkommensquelle – ein Rückschritt für eine Berufsgruppe, die bereits seit Jahren unter hohem Druck steht.

Versorgungslücken drohen

In manchen Regionen, insbesondere dort, wo Geburtshilfe ausschließlich mit Beleghebammen organisiert wird, stellt sich nun die Frage, ob die Kreißsäle langfristig überleben können. Wenn sich immer mehr freiberufliche Hebammen aus dem Kreißsaalbetrieb zurückziehen, könnten Schwangere künftig in Notfällen abgewiesen oder weiter entfernte Kliniken verwiesen werden. Eine kontinuierliche und persönliche Betreuung unter der Geburt wäre dann vielerorts nicht mehr gewährleistet.

Kliniken ohne Klarheit

Viele Krankenhäuser stehen dem neuen Vertrag ebenfalls skeptisch gegenüber – nicht zuletzt, weil der endgültige Wortlaut noch nicht veröffentlicht wurde. Die Unsicherheit erschwert es den Verantwortlichen, frühzeitig zu planen oder Gegenmaßnahmen zu ergreifen. In Häusern, in denen sich das Belegsystem über Jahre bewährt hat, wäre ein Rückbau mit schwerwiegenden Folgen verbunden – sowohl organisatorisch als auch emotional.

Reformziel verfehlt?

Offiziell soll der neue Vertrag die Eins-zu-eins-Betreuung stärken. So wird ein Zuschlag gezahlt, wenn eine Hebamme eine Gebärende zwei Stunden vor und zwei Stunden nach der Geburt durchgängig betreut. Viele Fachleute halten das allerdings für praxisfern. Geburten lassen sich nicht planen, Hebammen arbeiten oft im Wechsel zwischen mehreren Frauen, und eine solche Betreuung im vorgeschriebenen Zeitfenster ist im realen Klinikalltag kaum durchzuhalten.

Widerstand wächst

Der Hebammenverband und zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer kritisieren die geplanten Änderungen scharf. Sie warnen davor, dass nicht die Hebammen, sondern am Ende vor allem die Frauen und ihre Kinder den Preis zahlen. Petitionen gegen den Vertrag verbreiten sich inzwischen über soziale Medien, begleitet von der Forderung nach einer fairen und praxisnahen Vergütung.

Fazit: Zukunft der Geburtshilfe ungewiss

Was als Reform zur Verbesserung der Geburtshilfe angekündigt wurde, könnte in der Praxis das Gegenteil bewirken. Ohne tragfähige finanzielle Rahmenbedingungen ist das Engagement freiberuflicher Hebammen im Kreißsaal ernsthaft gefährdet. Bleibt es bei den geplanten Kürzungen, drohen nicht nur persönliche Schicksale – sondern auch ein struktureller Rückschritt in der Geburtshilfeversorgung.

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