Bei der ING steht eine größere Veränderung bevor. Die Bank stellt ihr Kontosystem neu auf und will künftig vier unterschiedliche Kontomodelle anbieten. Statt eines vergleichsweise klassischen Girokontos sollen Kunden zwischen ING Go, ING More, ING Extra und ING Max wählen können. Neben normalen Banking-Funktionen sollen je nach Tarif zusätzliche Leistungen wie Versicherungen, Reisevorteile, Cashback oder Partnerangebote hinzukommen.
Für deutsche Kunden dürfte dabei vor allem eine Frage interessant sein: Wird das Girokonto künftig teurer?
Eine eindeutige Antwort gibt es darauf bislang nicht. Denn während die neuen Modelle in anderen europäischen Ländern bereits eingeführt wurden, stehen die konkreten Preise und Leistungen für Deutschland noch nicht fest.
Vier Kontomodelle statt einer einfachen Lösung
Mit der neuen Struktur verfolgt die ING einen deutlich breiteren Ansatz. Das Konto soll offenbar stärker zu einem Paket aus Banking und zusätzlichen Dienstleistungen werden.
Das Einstiegsmodell ING Go konzentriert sich auf grundlegende Bankdienstleistungen und Standardfunktionen. ING More soll zusätzliche Services bieten, während ING Extra und ING Max stärker auf Kunden mit höheren Ansprüchen ausgerichtet sind.
Bei den umfangreicheren Varianten können je nach Markt unter anderem Versicherungsleistungen, Reisevorteile, Cashback-Angebote und weitere Partnerleistungen dazugehören. ING Max bildet dabei das umfangreichste Paket.
Damit nähert sich das Girokonto stärker einem klassischen Abonnementmodell an: Wer zusätzliche Leistungen möchte, bezahlt möglicherweise eine höhere monatliche Gebühr.
Bis zu 44,99 Euro monatlich in den Niederlanden
Wie weit diese Preisstaffelung gehen kann, zeigt der Blick in die Niederlande.
Dort kostet ING Go derzeit 4 Euro pro Monat. Für ING More werden 7 Euro verlangt. ING Extra kostet 15,99 Euro, während für ING Max sogar 44,99 Euro pro Monat anfallen.
Auf ein Jahr gerechnet entspricht das beim teuersten Modell fast 540 Euro.
Diese Zahlen dürften bei deutschen ING-Kunden zunächst für Aufmerksamkeit sorgen. Sie lassen sich allerdings nicht einfach auf Deutschland übertragen.
Die Bank passt ihre Tarife an die jeweiligen Märkte an. Welche Preise hierzulande verlangt werden, ist nach dem vorliegenden Bericht bislang offen.
Die niederländischen Gebühren zeigen deshalb lediglich, wie stark die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Kontostufen grundsätzlich ausfallen können.
Start in Deutschland für Mitte 2027 geplant
Der Umbau ist bereits angelaufen. In Belgien, Polen, Rumänien und den Niederlanden sind die neuen Modelle laut Bericht schon verfügbar.
Insgesamt betrifft die Umstellung rund 41 Millionen Kunden in neun Ländern. Mehrere Millionen Menschen nutzen die neuen Tarife demnach bereits beziehungsweise wurden schrittweise auf diese umgestellt.
Für Deutschland gibt es inzwischen ebenfalls einen konkreteren Zeitrahmen.
ING-Deutschland-Chef Lars Stoy sagte dem Bericht zufolge, dass die neuen Kontomodelle hierzulande voraussichtlich Mitte 2027 eingeführt werden sollen. Derzeit arbeite die Bank noch an der konkreten Ausgestaltung.
Bleibt das kostenlose ING-Girokonto erhalten?
Genau an diesem Punkt dürfte es für viele Bestandskunden spannend werden.
Denn bislang ist offen, welche Leistungen die vier deutschen Varianten enthalten werden und ob es weiterhin ein kostenloses Girokonto geben wird.
Damit wäre es zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht zu behaupten, dass ING-Kunden ab 2027 zwangsläufig höhere Kontogebühren zahlen müssen.
Das Risiko einer stärkeren Kostenstaffelung ist durch die geplanten unterschiedlichen Leistungspakete zwar offensichtlich. Welche Konsequenzen das tatsächlich für einen durchschnittlichen deutschen Kunden haben wird, lässt sich aber erst beurteilen, wenn die ING ihre deutschen Konditionen veröffentlicht.
Aktuell ist das ING-Konto unter Bedingungen kostenlos
Der Vergleich im vorliegenden Bericht zeigt auch, wie groß der Unterschied zur derzeitigen Situation ausfallen könnte.
Aktuell ist das ING-Girokonto demnach bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.000 Euro kostenlos. Für Kunden unter 28 Jahren fällt ebenfalls keine Kontoführungsgebühr an. Andernfalls werden 4,90 Euro pro Monat verlangt.
Ob eine vergleichbare Möglichkeit zur kostenlosen Kontoführung bei ING Go oder einem anderen der neuen Modelle erhalten bleibt, ist derzeit nicht bekannt.
Gerade für Bestandskunden dürfte dies letztlich wichtiger sein als zusätzliche Premiumleistungen.
Mehr Leistungen – aber braucht jeder Kunde sie?
Die neue Strategie hat durchaus Vorteile. Kunden könnten künftig gezielter ein Paket auswählen, das ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht.
Wer Versicherungen, Reisevorteile, Cashback oder andere Zusatzangebote tatsächlich nutzt, könnte von einem umfangreicheren Tarif profitieren.
Anders sieht es bei Kunden aus, die von ihrer Bank hauptsächlich ein Girokonto, eine Karte und grundlegende Zahlungsfunktionen erwarten. Für sie stellt sich die Frage, ob zusätzliche Leistungen einen möglichen monatlichen Aufpreis rechtfertigen.
Entscheidend wird deshalb nicht allein die Höhe der Gebühren sein, sondern auch, welche Leistungen die ING in Deutschland welchem Tarif zuordnet.
Aus dem Girokonto wird zunehmend ein Abo
Hinter der Umstellung steckt zudem ein größerer Trend. Banken versuchen zunehmend, klassische Finanzdienstleistungen mit zusätzlichen Angeboten zu verbinden. Der vorliegende Bericht beschreibt diese Entwicklung als Wandel vom reinen Girokonto hin zu umfassenderen Paketen mit Finanz- und Lifestyle-Leistungen.
Für Banken kann dieses Modell attraktiv sein, weil zusätzliche Leistungen eine stärkere Differenzierung zwischen verschiedenen Kundengruppen ermöglichen.
Für Verbraucher wird der Vergleich allerdings komplizierter.
Statt lediglich Kontoführungsgebühren, Kartenkosten und Bargeldversorgung gegenüberzustellen, müssen Kunden künftig möglicherweise beurteilen, ob Cashback, Versicherungen oder andere Zusatzangebote ihren monatlichen Preis tatsächlich wert sind.
Noch kein Grund für deutsche Kunden, in Panik zu geraten
Trotz der teilweise hohen Gebühren der niederländischen Modelle gibt es derzeit keinen Beleg dafür, dass deutsche Kunden künftig vergleichbare Beträge bezahlen müssen.
Die deutschen Preise sind schlicht noch nicht bekannt.
Ebenso wenig steht fest, dass das bisherige kostenlose Kontomodell vollständig verschwinden wird. ING-Deutschland-Chef Lars Stoy ließ laut Bericht ausdrücklich offen, ob weiterhin ein kostenloses Girokonto angeboten werden soll.
Deshalb wäre die Schlagzeile „ING schafft kostenloses Girokonto ab“ nach dem derzeitigen Informationsstand nicht gerechtfertigt.