Der Jahresbericht 2025/2026 des S4A EU Pure Equity vermittelt aus Anlegersicht ein gemischtes Bild. Positiv fällt zunächst das deutliche Wachstum des Fondsvermögens auf: Es stieg von rund 30,42 Mio. Euro auf 36,86 Mio. Euro. Dieses Wachstum ist allerdings nicht auf eine entsprechend starke Wertentwicklung zurückzuführen, sondern fast vollständig auf Netto-Mittelzuflüsse von rund 6,39 Mio. Euro. Das Ergebnis des Geschäftsjahres belief sich dagegen lediglich auf rund 24.000 Euro. Das hohe Anlegerinteresse ist somit erfreulich, sollte aber nicht mit einer hohen Investmentrendite verwechselt werden.
Die tatsächliche Wertentwicklung fiel im Berichtszeitraum vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 ausgesprochen schwach aus. Die Anteilklasse R erzielte -0,33 %, während die Klassen I und A jeweils +0,17 % erreichten. Besonders auffällig ist, dass der Fonds trotz ordentlicher Dividendenerträge erhebliche Verluste aus Wertpapierverkäufen verbuchte. Insgesamt standen realisierten Gewinnen von rund 1,99 Mio. Euro realisierte Verluste von 2,68 Mio. Euro gegenüber, sodass aus Veräußerungsgeschäften ein Minus von rund 689.000 Euro entstand. Die laufenden Erträge konnten diese Verluste weitgehend auffangen, jedoch nicht zu einer attraktiven Gesamtrendite führen.
Etwas positiver erscheint das Bild bei längerfristiger Betrachtung. Der Anteilwert der thesaurierenden R-Klasse ist von 210,55 Euro im Geschäftsjahr 2022/2023 auf 260,92 Euro 2025/2026 gestiegen. Bei der I-Klasse erhöhte er sich im gleichen Zeitraum von 100,52 Euro auf 126,38 Euro. Damit bleibt der längerfristige Trend trotz der aktuellen Stagnation grundsätzlich positiv.
Das Portfolio ist mit 99,3 % Aktienquote nahezu vollständig investiert und besitzt damit nur einen sehr geringen Liquiditätspuffer. Regional besteht eine deutliche Konzentration: Frankreich macht 32,21 % und Deutschland 25,77 % des Fondsvermögens aus – zusammen also knapp 58 %. Auch auf Branchenebene konzentriert sich das Portfolio stark auf Industriewerte (26,06 %), Finanzwerte (20,99 %) und Basiskonsumgüter (11,66 %). Damit ist der Fonds zwar über zahlreiche Einzelunternehmen diversifiziert, gleichzeitig besteht jedoch eine erkennbare Abhängigkeit von wenigen europäischen Ländern und Wirtschaftssektoren.
Ein wichtiger Kritikpunkt aus Anlegersicht sind die Kosten. Die Gesamtkostenquote beträgt bei der R-Klasse 1,60 % jährlich, bei den Klassen I und A jeweils 1,10 %. Zusätzlich entstanden Transaktionskosten von rund 76.964 Euro, die nicht in der Gesamtkostenquote enthalten sind. Gerade bei einer Jahresrendite zwischen -0,33 % und +0,17 % fällt diese Kostenbelastung stark ins Gewicht. Für Privatanleger ist die R-Klasse zudem vergleichsweise teuer: Sie weist eine Verwaltungsvergütung von 1,5 % auf und kann mit einem Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % belastet werden. Die günstigeren I- und A-Klassen verlangen dagegen eine Mindestanlage von 100.000 Euro, haben keinen Ausgabeaufschlag und eine Verwaltungsvergütung von 1,0 %.
Positiv hervorzuheben ist das starke Anlegervertrauen insbesondere in die institutionelle I-Klasse. Deren Vermögen wuchs von rund 20,75 Mio. Euro auf 27,28 Mio. Euro, wobei netto rund 6,43 Mio. Euro neue Anlegergelder zuflossen. Auch der Jahresbericht selbst erhielt vom unabhängigen Abschlussprüfer ein uneingeschränktes Prüfungsurteil hinsichtlich der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und der Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse des Fonds.
Fazit aus Anlegersicht: Der S4A EU Pure Equity verfügt über einen grundsätzlich positiven längerfristigen Track Record und konnte im Berichtsjahr erhebliche neue Anlegergelder gewinnen. Die aktuelle operative Bilanz überzeugt jedoch weniger: Die Rendite stagnierte, realisierte Aktienverluste waren hoch und insbesondere die R-Klasse weist eine erhebliche Kostenbelastung auf. Hinzu kommen die hohe Aktienquote sowie eine deutliche Länder- und Branchenkonzentration. Für langfristig orientierte Anleger kann der Fonds deshalb weiterhin interessant sein, vor allem in den günstigeren Anteilklassen. Für einen Neueinstieg erscheint aufgrund der zuletzt schwachen Rendite im Verhältnis zu den Kosten jedoch eine eher neutrale bis vorsichtige Einschätzung angebracht. Entscheidend für die weitere Attraktivität ist, ob die quantitative Anlagestrategie künftig wieder einen deutlicheren Mehrwert gegenüber ihrem Vergleichsindex erzielen kann.