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Xhaka fehlt – jetzt schlägt Jasharis große Stunde im Schweizer Mittelfeld

Kaufdex (CC0), Pixabay

Vier Jahre warten, elf Länderspiele, gerade einmal 356 Einsatzminuten: Ardon Jashari musste bei der Schweizer Nationalmannschaft bislang vor allem eine Fähigkeit perfektionieren – Geduld. Nun könnte sich das ändern. Weil Kapitän Granit Xhaka nach der Affäre um sein Covid-Impfzertifikat fehlt, dürfte der 24-Jährige in den kommenden Nations-League-Partien endlich jene Rolle bekommen, für die er seit Jahren als möglicher Nachfolger gehandelt wird.

Vier Jahre im Wartesaal der Nationalmannschaft

Ardon Jasharis bisherige Karriere im Schweizer Nationalteam lässt sich mit einem Satz zusammenfassen:

Gut genug für den Kader – aber Xhaka und Freuler waren meistens schon da.

Seit seinem Debüt vor vier Jahren gehörte Jashari bei zwei Weltmeisterschaften und einer Europameisterschaft zum Schweizer Aufgebot.

Die Einsatzstatistik fällt trotzdem überschaubar aus.

Elf Länderspiele.

356 Minuten.

Drei Einsätze von Beginn an.

Das ist erstaunlich wenig für einen Spieler, der sich auf Vereinsebene bei Brügge und der AC Milan auf hohem Niveau bewiesen hat.

Das Problem hieß allerdings nicht mangelndes Talent.

Es hieß Granit Xhaka und Remo Freuler.

An den beiden Dauerkräften im zentralen Schweizer Mittelfeld führte jahrelang kaum ein Weg vorbei.

Ausgerechnet Xhakas Fehlen öffnet jetzt die Tür

Nun verändert sich die Situation grundlegend.

Xhaka steht der Nationalmannschaft nach Bekanntwerden der Affäre um sein Covid-Impfzertifikat nicht zur Verfügung.

Damit wird plötzlich jene Position frei, auf die Jashari jahrelang gewartet hat.

Für den 24-Jährigen ist das sportlich eine große Gelegenheit.

Nationaltrainer Murat Yakin traut ihm nach eigener Aussage ausdrücklich zu, künftig eine Führungsrolle zu übernehmen.

Vor den anstehenden Nations-League-Partien gegen Nordmazedonien, Schottland und Slowenien spricht deshalb vieles dafür, dass Jashari deutlich mehr Verantwortung erhält.

Jetzt muss aus dem ewigen Versprechen ein Leistungsträger werden.

Der „neue Xhaka“?

Vergleiche zwischen Jashari und Xhaka begleiten den jüngeren Mittelfeldspieler schon länger.

Das ist Kompliment und Belastung zugleich.

Denn Granit Xhaka war über Jahre nicht einfach irgendein zentraler Mittelfeldspieler der Schweiz.

Er bestimmte Rhythmus und Spielaufbau, übernahm Verantwortung und entwickelte sich zum Führungsspieler.

Wer als sein möglicher Nachfolger bezeichnet wird, bekommt deshalb gleich einen ziemlich großen Rucksack mit auf den Platz.

Jashari soll nun zeigen, ob er nicht nur spielerisch, sondern auch hinsichtlich Präsenz und Verantwortung in eine solche Rolle hineinwachsen kann.

Eine Kopie Xhakas muss er dafür allerdings nicht werden.

Vielleicht besteht seine größte Chance gerade darin, eine eigene Version dieser Position zu entwickeln.

Im Training hat Jashari Yakin längst überzeugt

Für Murat Yakin kommt Jasharis Chance offenbar keineswegs überraschend.

Der Nationaltrainer verweist insbesondere auf dessen Trainingsleistungen während der Weltmeisterschaft und dessen Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Das ist bemerkenswert.

Denn kaum etwas dürfte für einen hochklassigen Fußballer frustrierender sein, als regelmäßig mit der Nationalmannschaft zu reisen und anschließend einen erheblichen Teil der Spiele von der Bank aus zu verfolgen.

Jashari ließ sich öffentlich davon kaum etwas anmerken.

Natürlich sprach auch er gelegentlich von Enttäuschung.

Ein Fußballprofi möchte schließlich Fußball spielen.

Große öffentliche Beschwerden, Forderungen oder demonstrativen Frust gab es jedoch nicht.

Er wartete.

Und wartete.

Und wartete noch ein bisschen.

Vier Jahre später könnte sich herausstellen, dass sich die Geduld gelohnt hat.

Ein Versuch mit Xhaka und Jashari funktionierte nicht

Ganz neu ist die Idee eines prominenteren Jashari im Schweizer Mittelfeld allerdings nicht.

Im WM-Achtelfinale gegen Kolumbien versuchte Yakin eine Formation mit Xhaka, Freuler und Jashari.

Das Experiment funktionierte nach Darstellung der Vorlage nicht wie erhofft und wurde bereits nach einer Halbzeit beendet.

Damals musste Jashari seinen Platz also noch neben den beiden etablierten Kräften finden.

Diesmal ist die Situation anders.

Jetzt könnte er nicht Ergänzung, sondern Ersatz für eine zentrale Figur sein.

Und genau darin liegt seine große Gelegenheit.

Ausgerechnet gegen Nordmazedonien

Dass Jasharis mögliche große Stunde ausgerechnet gegen Nordmazedonien beginnt, verleiht der Geschichte eine zusätzliche persönliche Note.

Seine Eltern stammen aus Nordmazedonien.

Für den Schweizer Nationalspieler dürfte die Partie deshalb eine besondere Bedeutung besitzen.

Zusätzliche Motivation scheint er allerdings kaum zu benötigen.

Jashari hatte bereits im Mai betont, Yakin könne sich darauf verlassen, dass er hundertprozentigen Einsatz bringe und die taktischen Vorgaben umsetze.

Nun dürfte er Gelegenheit bekommen, das über deutlich mehr als einige Einsatzminuten zu demonstrieren.

Auch die Mitspieler glauben an ihn

Unterstützung erhält Jashari aus der Mannschaft.

Zachary Athekame, in der vergangenen Saison sein Teamkollege bei der AC Milan, bescheinigt ihm die Qualität für das höchste Niveau.

Auch Adrian Bajrami traut ihm eine große Karriere zu.

Bajrami liefert zudem eine Information, die bei Diskussionen über defensive Mittelfeldspieler erstaunlich selten vorkommt:

Jashari sei ein ausgesprochen lustiger Typ.

Das hilft möglicherweise nicht unmittelbar beim Spielaufbau.

Für eine Mannschaftskabine ist es aber sicherlich kein Nachteil.

Jetzt muss Jashari nicht mehr warten – sondern liefern

Die Ausgangslage ist damit ungewöhnlich eindeutig.

Jahrelang konnte man bei Jashari sagen:

Er würde ja gerne – aber Xhaka und Freuler spielen.

Diese Erklärung dürfte bei den kommenden Partien wegfallen.

Die Tür zur Startelf steht offen.

Jetzt geht es darum, sie nicht nur zu durchschreiten, sondern anschließend möglichst dafür zu sorgen, dass sie nicht sofort wieder geschlossen wird.

Jashari besitzt dafür offenbar das Vertrauen des Trainers.

Er besitzt internationale Erfahrung.

Er hat sich auf Vereinsebene bewiesen.

Und mit 24 Jahren befindet er sich in einem Alter, in dem aus einem Talent endgültig ein Führungsspieler werden kann.

Die Schweiz braucht keinen zweiten Granit Xhaka

Vielleicht ist deshalb auch die ständig gestellte Frage nach dem „neuen Xhaka“ die falsche.

Granit Xhaka hat seine eigene Geschichte in der Schweizer Nationalmannschaft geschrieben.

Ardon Jashari muss sie nicht kopieren.

Die interessantere Frage lautet:

Kann Jashari jetzt seine eigene schreiben?

Nach vier Jahren, elf Länderspielen und lediglich 356 Einsatzminuten bekommt er dazu möglicherweise erstmals wirklich Gelegenheit.

Für einen Fußballer, der so lange auf diesen Moment gewartet hat, gibt es kaum eine bessere Antwort als eine starke Leistung auf dem Platz.

Die Bank kennt Ardon Jashari inzwischen jedenfalls gut genug. Jetzt darf er zeigen, wie gut er das Schweizer Mittelfeld kennt.

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