Der Jahresabschluss 2025 der VERBUND Windpark Münster GmbH dürfte bei Anlegern zunächst für Stirnrunzeln sorgen. Die Umsätze gehen deutlich zurück, der operative Verlust wächst und unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von mehr als 831.000 Euro.
Gleichzeitig passiert auf der anderen Seite der Bilanz etwas Bemerkenswertes: Die Kapitalrücklage steigt um 2,67 Millionen Euro und das Bankguthaben springt von knapp 134.000 Euro auf fast 2,5 Millionen Euro.
Ist das ein Warnsignal – oder schlicht Ausdruck einer kapitalintensiven Windparkfinanzierung?
Die Zahlen verdienen einen genaueren Blick.
Umsatz deutlich eingebrochen
Die Umsatzerlöse der VERBUND Windpark Münster GmbH sanken von 942.800 Euro im Jahr 2024 auf nur noch 675.800 Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von rund 28,3 Prozent.
Noch deutlicher zeigt sich die Verschlechterung beim Ergebnis: Der operative Verlust erhöhte sich von 303.700 Euro auf 541.800 Euro.
Hinzu kommen erheblich höhere Finanzierungskosten. Die Zinsaufwendungen stiegen von 95.200 Euro auf 289.400 Euro – sie haben sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht.
Unter dem Strich steht 2025 ein Jahresfehlbetrag von 831.300 Euro. Im Vorjahr waren es bereits minus 398.900 Euro. Der Verlust hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.
Der aufgelaufene Bilanzverlust erreicht inzwischen rund 1,468 Millionen Euro.
Für Anleger ist das zunächst keine erfreuliche Entwicklung.
Allerdings: 795.700 Euro sind Abschreibungen
Bei der Bewertung muss man jedoch einen wichtigen Punkt berücksichtigen.
In den Aufwendungen stecken 795.700 Euro planmäßige Abschreibungen. Diese Abschreibungen stellen im betreffenden Jahr grundsätzlich keinen entsprechenden unmittelbaren Zahlungsmittelabfluss dar.
Das ist bei kapitalintensiven Windparks relevant. Die Anlagen werden über ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer abgeschrieben, sodass ein bilanzieller Verlust nicht automatisch bedeutet, dass im selben Umfang Liquidität verbrannt wurde.
Umgekehrt wäre es aber ebenfalls falsch, den Verlust deshalb einfach abzutun.
Denn selbst unter Berücksichtigung dieses Effekts bleiben zwei Entwicklungen erklärungsbedürftig: Die Umsätze sind deutlich gesunken und die Zinsbelastung ist erheblich gestiegen.
Gerade die Kombination aus schwächerem Erlösniveau und höheren Finanzierungskosten sollte ein Anleger im Blick behalten.
Woher kommt der Umsatzrückgang?
Das ist die vielleicht wichtigste offene Frage des Abschlusses.
Aus dem vorliegenden Jahresabschluss lässt sich nicht eindeutig ablesen, warum die Umsatzerlöse um mehr als ein Viertel zurückgegangen sind.
Denkbare Einflussgrößen eines Windparks wären beispielsweise Windaufkommen, technische Verfügbarkeit, Stromproduktion, Vermarktung und erzielte Strompreise. Welche dieser Faktoren bei der Münster-Gesellschaft konkret ausschlaggebend waren, sollte ohne weitere Informationen jedoch nicht behauptet werden.
Für einen Anleger wäre genau diese Erklärung besonders wertvoll.
Denn ein vorübergehend schwaches Windjahr wäre wirtschaftlich anders zu bewerten als längerfristige technische Probleme oder dauerhaft schwächere Erlöse.
Dann kommt die überraschende Zahl: 2,48 Millionen Euro auf der Bank
Trotz des hohen Jahresverlusts sieht die Liquiditätsposition am Bilanzstichtag erheblich stärker aus.
Das Guthaben bei Kreditinstituten erhöhte sich von lediglich 133.900 Euro Ende 2024 auf rund 2,482 Millionen Euro Ende 2025.
Das gesamte Umlaufvermögen stieg dadurch von knapp 380.000 Euro auf rund 2,673 Millionen Euro.
Ein Blick auf die Passivseite liefert einen wichtigen Hinweis darauf, wie diese Entwicklung einzuordnen ist.
Kapitalrücklage steigt von 430.000 auf 3,1 Millionen Euro
Die Kapitalrücklage der Gesellschaft erhöhte sich innerhalb eines Jahres um 2,67 Millionen Euro: von 430.000 Euro auf 3,1 Millionen Euro.
Im Anhang wird ausdrücklich erklärt, dass diese Rücklagen der „Kapitalstärkung für zukünftige Investitionen“ dienen.
Damit verändert sich auch die Eigenkapitalsituation fundamental.
Ende 2024 wies die Gesellschaft noch ein negatives Eigenkapital von 181.400 Euro aus. Ende 2025 stehen trotz des hohen Jahresverlusts wieder rund 1,657 Millionen Euro positives Eigenkapital in der Bilanz.
Das ist aus Gläubiger- und Anlegersicht zunächst positiv.
Es sollte aber richtig interpretiert werden: Die Eigenkapitalverbesserung ist nicht das Ergebnis einer verbesserten Profitabilität des Windparks. Sie ist wesentlich durch die deutlich erhöhte Kapitalrücklage ermöglicht worden.
Der Anhang selbst beziffert die Kapitalrücklage auf 3,1 Millionen Euro und nennt als Zweck zukünftige Investitionen. Gleichzeitig besteht ein Bilanzverlust von rund 1,468 Millionen Euro.
Fast 10 Millionen Euro Verbindlichkeiten
Auf der Finanzierungsseite bleibt die Gesellschaft stark fremdfinanziert.
Ende 2025 bestehen Verbindlichkeiten von insgesamt rund 9,838 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 6,493 Millionen Euro auf Kreditinstitute und rund 3,320 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen.
Positiv ist dabei, dass die Bankverbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind. Ende 2024 lagen sie noch bei rund 7,021 Millionen Euro.
Die gesamten Verbindlichkeiten reduzierten sich ebenfalls von rund 10,194 Millionen auf 9,838 Millionen Euro.
Gleichzeitig erhöhten sich allerdings die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen von rund 3,115 Millionen auf rund 3,320 Millionen Euro. Davon entfallen 3,315 Millionen Euro auf Finanzverbindlichkeiten.
Für ein Windenergieprojekt ist eine hohe langfristige Fremdfinanzierung grundsätzlich nichts Außergewöhnliches. Entscheidend ist vielmehr, ob der Windpark über seine Laufzeit genügend Cashflow erwirtschaftet, um Betrieb, Zinsen und Tilgung zuverlässig zu finanzieren.
Die Zinsen verdienen besondere Aufmerksamkeit
Genau an dieser Stelle wird eine weitere Kennzahl interessant.
Während die Bankverbindlichkeiten sinken, steigen die in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Zinsaufwendungen von 95.200 auf 289.400 Euro.
Das ist eine erhebliche Veränderung.
Aus dem vorliegenden Abschluss allein sollte man allerdings nicht vorschnell eine einzelne Ursache dafür ableiten. Für Anleger wäre es interessant zu wissen, wie sich die Zinsaufwendungen auf Bankfinanzierung und Konzernfinanzierung verteilen und welche Konditionen beziehungsweise Veränderungen dahinterstehen.
Bei einem Projekt mit vergleichsweise niedrigen Jahresumsätzen kann die Finanzierungslast erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben.
Auch die Konzernzugehörigkeit sollte richtig eingeordnet werden
Allein steht die Projektgesellschaft nicht.
Das Stammkapital der VERBUND Windpark Münster GmbH wird von der VERBUND Green Power Deutschland GmbH gehalten. Konsolidierungspflichtiges Mutterunternehmen ist die österreichische VERBUND AG.
Das ist ein wichtiger stabilisierender Hintergrund.
Die Konzernzugehörigkeit darf jedoch nicht mit einer uneingeschränkten Garantie verwechselt werden. Ob und in welchem Umfang ein Mutterunternehmen rechtlich für Verpflichtungen einer Tochtergesellschaft einstehen muss, hängt von konkreten Vereinbarungen und Strukturen ab.
Die erfolgte Kapitalstärkung ist dagegen eine konkrete und im Abschluss erkennbare Tatsache.
Was spricht für die Gesellschaft – und was dagegen?
Aus Anlegersicht ergibt sich deshalb kein schwarz-weißes Bild.
Auf der positiven Seite stehen die erhebliche Stärkung der Kapitalbasis, wieder positives Eigenkapital, ein deutlich höheres Bankguthaben, rückläufige Bankverbindlichkeiten und die Einbindung in den VERBUND-Konzern.
Auf der kritischen Seite stehen ein Umsatzrückgang von rund 28 Prozent, ein operativer Verlust von 541.800 Euro, die mehr als verdreifachten Zinsaufwendungen, ein auf 831.300 Euro gestiegener Jahresfehlbetrag und ein kumulierter Bilanzverlust von fast 1,5 Millionen Euro.
Hinzu kommt eine für Anleger wichtige Informationslücke: Der Abschluss zeigt sehr deutlich, dass sich das operative Ergebnis verschlechtert hat. Er erklärt aber nicht detailliert, warum der Umsatz so stark zurückgegangen ist.