Der Jahresabschluss 2025 der VERBUND Windpark Mariengarten GmbH liefert aus Anlegersicht ein durchaus gemischtes Bild. Auf der einen Seite steht ein Windparkunternehmen, das zu einem großen Energiekonzern gehört und dessen Eigenkapital im Geschäftsjahr erheblich gestärkt wurde. Auf der anderen Seite haben sich Umsatz und operatives Ergebnis deutlich verschlechtert. Wer ausschließlich auf das Thema erneuerbare Energien und die Konzernzugehörigkeit schaut, würde deshalb einen wichtigen Teil der wirtschaftlichen Realität übersehen.
Der Umsatz fällt deutlich
Der erste Blick sollte der Gewinn- und Verlustrechnung gelten. Die Umsatzerlöse gingen von 1,747 Millionen Euro im Jahr 2024 auf nur noch 1,144 Millionen Euro im Jahr 2025 zurück. Das entspricht einem Rückgang von rund 34,5 Prozent.
Noch deutlicher fällt die Veränderung beim operativen Ergebnis aus. Während 2024 vor Finanzergebnis noch ein positiver Betriebserfolg von 105.700 Euro ausgewiesen wurde, entstand 2025 ein operativer Verlust von 698.100 Euro.
Hinzu kommen Zinsaufwendungen von 504.400 Euro. Unter dem Strich weist die Gesellschaft deshalb für 2025 einen Jahresfehlbetrag von rund 1,206 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte der Verlust noch 207.600 Euro betragen.
Aus Anlegersicht ist diese Entwicklung erklärungsbedürftig. Entscheidend wäre zu wissen, wodurch der starke Umsatzrückgang verursacht wurde: geringere Stromproduktion, schwächere Erlöse, technische Verfügbarkeit, Vermarktungseffekte oder andere Faktoren? Der vorliegende Jahresabschluss liefert hierzu jedenfalls in den dargestellten Zahlen keine unmittelbar erkennbare ausführliche operative Erklärung.
Abschreibungen belasten – aber sie erklären nicht alles
Bei der Interpretation des Verlusts muss fairerweise berücksichtigt werden, dass Windparks kapitalintensive Anlagen sind und entsprechend hohe Abschreibungen aufweisen.
2025 beliefen sich die Abschreibungen auf rund 1,322 Millionen Euro. Diese Position ist nicht mit einem entsprechenden unmittelbaren Liquiditätsabfluss gleichzusetzen.
Das relativiert den ausgewiesenen Jahresverlust – beseitigt das Problem aber nicht. Denn gleichzeitig sanken die Umsätze erheblich und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich von 364.100 auf 503.700 Euro. Auch das Finanzergebnis verschlechterte sich: Die Zinsaufwendungen stiegen von 319.600 auf 504.400 Euro.
Für einen Anleger lautet die entscheidende Frage deshalb nicht lediglich: „Warum macht die Gesellschaft Verlust?“
Interessanter ist:
Erwirtschaftet der Windpark langfristig genügend operativen Cashflow, um Finanzierung, laufende Kosten und notwendige Investitionen zuverlässig zu tragen?
Diese Frage lässt sich allein anhand der vorgelegten Gewinn- und Verlustrechnung nicht abschließend beantworten.
Fast zwölf Millionen Euro Verbindlichkeiten
Auch die Passivseite verdient Aufmerksamkeit. Zum 31. Dezember 2025 bestanden Verbindlichkeiten von insgesamt rund 11,796 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 11,787 Millionen Euro auf Kreditinstitute.
Das ist zunächst nicht ungewöhnlich. Windparks werden typischerweise mit erheblichen Fremdmitteln finanziert. Entscheidend ist deshalb weniger die absolute Höhe der Schulden als deren Verhältnis zur Ertrags- und Cashflowkraft des Projekts.
Positiv fällt auf, dass die gesamten Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken sind. Ende 2024 lagen sie noch bei rund 15,429 Millionen Euro. Gleichzeitig gingen insbesondere die langfristigen Bankverbindlichkeiten zurück.
Das spricht gegen eine vorschnelle Interpretation, die Gesellschaft habe 2025 schlicht immer mehr Schulden aufgebaut.
Der bemerkenswerteste Bilanzposten: knapp drei Millionen Euro Kapitalrücklage
Besonders interessant ist die Entwicklung des Eigenkapitals.
Ende 2024 verfügte die Gesellschaft lediglich über rund 183.900 Euro Eigenkapital. Ende 2025 waren es trotz des hohen Jahresverlusts rund 1,975 Millionen Euro.
Der Grund dafür ist eine Kapitalrücklage von rund 2,997 Millionen Euro, die im Vorjahr noch bei null lag. Laut Anhang dient diese Kapitalrücklage der „Kapitalstärkung für zukünftige Investitionen“.
Das ist für Anleger eine wichtige Information.
Die Gesellschafterseite hat das Unternehmen offensichtlich nicht sich selbst überlassen, sondern dessen Kapitalbasis erheblich gestärkt. Das ist grundsätzlich positiv zu bewerten.
Gleichzeitig sollte man daraus keine weitergehende Garantie ableiten. Eine Kapitalzuführung sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, wie profitabel der Windpark künftig arbeiten wird oder ob vergleichbare Unterstützungen bei zukünftigen Verlusten erneut erfolgen würden.
Hinter der Gesellschaft steht VERBUND
Die Eigentümerstruktur ist ebenfalls relevant. Das Stammkapital der VERBUND Windpark Mariengarten GmbH wird laut Anhang von der VERBUND Green Power Deutschland GmbH gehalten. Oberstes Mutterunternehmen ist die österreichische VERBUND AG.
Für die Risikoeinschätzung ist eine solche Konzernzugehörigkeit zweifellos ein Faktor.
Aber auch hier gilt aus Anlegersicht: Die wirtschaftliche Stärke eines Mutterkonzerns darf nicht automatisch mit einer rechtlichen Garantie für sämtliche Verpflichtungen einer Tochtergesellschaft gleichgesetzt werden. Dafür müsste geprüft werden, welche konkreten Garantien, Patronatserklärungen, Finanzierungszusagen oder sonstigen Verpflichtungen tatsächlich bestehen.
Auch die Liquidität ist einen Blick wert
Das Guthaben bei Kreditinstituten sank von rund 1,298 Millionen Euro auf 600.000 Euro. Gleichzeitig stiegen Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 601.400 auf 731.900 Euro. Das gesamte Umlaufvermögen verringerte sich damit von rund 1,900 Millionen auf 1,332 Millionen Euro.
Allein daraus lässt sich keine Liquiditätskrise ableiten. Dafür fehlen insbesondere eine Kapitalflussrechnung und weitere Informationen zur laufenden Zahlungsfähigkeit.
Für einen Anleger ist die Entwicklung aber relevant, weil gleichzeitig ein hoher Jahresverlust entstanden ist.
Was positiv auffällt
Eine ausgewogene Betrachtung darf die stabilisierenden Faktoren nicht unterschlagen.
Die Verbindlichkeiten sind gegenüber 2024 deutlich gesunken. Die Eigenkapitalbasis wurde durch eine Kapitalrücklage von knapp drei Millionen Euro erheblich gestärkt. Zudem steht hinter der Gesellschaft ein großer Energiekonzern.
Auch der hohe Jahresfehlbetrag darf wegen der Abschreibungen nicht eins zu eins als Geldabfluss interpretiert werden.
Der Anhang weist außerdem aus, dass nach dem Bilanzstichtag keine Vorgänge von besonderer Bedeutung eingetreten seien.
Was Anleger kritisch hinterfragen sollten
Trotz dieser positiven Faktoren hinterlässt 2025 einige wesentliche Fragen.
Vor allem der Umsatzrückgang von rund einem Drittel verdient eine nachvollziehbare operative Erklärung. Hinzu kommen der Sprung vom positiven zum deutlich negativen Betriebsergebnis, höhere Zinsaufwendungen und der Jahresfehlbetrag von mehr als 1,2 Millionen Euro.
Besonders wichtig wäre deshalb eine Betrachtung der tatsächlichen Stromproduktion, erzielten Strompreise beziehungsweise Vergütungen, technischen Verfügbarkeit der Anlagen, Finanzierungskonditionen und des operativen Cashflows.
Auch die Kapitalzuführung von knapp drei Millionen Euro sollte ein Anleger nicht nur positiv registrieren, sondern hinterfragen: Warum war sie erforderlich? Welche Investitionen sind geplant? Und wie sähe die wirtschaftliche Situation ohne diese Stärkung durch die Gesellschafterseite aus?