Seit einem Jahrhundert gehört er zur Berliner Silhouette: Der Funkturm auf dem Messegelände feiert seinen 100. Geburtstag. Am 3. September 1926 wurde das Bauwerk anlässlich der dritten Großen Deutschen Funkausstellung eröffnet. Was zunächst vor allem der neuen Rundfunktechnik dienen sollte, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Hauptstadt. Der heute 147 Meter hohe Stahlturm trägt längst seinen typisch Berliner Spitznamen: „Langer Lulatsch“.
Die Geschichte begann allerdings noch vor der offiziellen Eröffnung. Auf dem Messegelände befand sich zunächst eine 126 Meter hohe Antenne des Senders Witzleben. Daraus entstand die Idee eines dauerhaften Stahlturms. Neben seiner technischen Funktion erhielt der Neubau einen Aufzug, ein Restaurant und eine Aussichtsplattform. Seine Ähnlichkeit mit dem Pariser Eiffelturm ist dabei kein Zufall – dessen Konstruktion diente als Inspiration.
Die Messe Berlin beschreibt den Funkturm bei seiner Einweihung 1926 zunächst als 135 Meter hohen Stahlfachwerk-Antennenträger. Heute erreicht er 147 Meter. Die Aussichtsplattform liegt auf 126 Metern, das Restaurant rund 55 Meter über dem Boden.
Damit war der Funkturm von Anfang an mehr als ein nüchterner Sendemast. Menschen sollten nicht nur Radiowellen von ihm empfangen, sondern selbst hinauffahren und Berlin von oben erleben können. Diese Verbindung aus Technik, Gastronomie und Aussicht machte ihn schon früh zu einem Publikumsmagneten.
Seine 100-jährige Geschichte verlief jedoch alles andere als unbeschadet. 1935 zerstörte ein Großbrand Teile der Sendetechnik auf dem Messegelände. Noch dramatischer wurde die Situation während des Zweiten Weltkriegs. Eine Granate traf eine der Hauptstreben des Turms. Die rund 600 Tonnen schwere Konstruktion stand zeitweise nur noch auf drei Beinen.
Der Funkturm blieb dennoch stehen.
Nach Kriegsende wurde die beschädigte Konstruktion stabilisiert. Während der Berlin-Blockade erhielt das Bauwerk eine völlig andere Bedeutung: Es diente den Piloten der alliierten Luftbrücke als Orientierungspunkt auf ihrem Weg nach West-Berlin. Damit wurde aus einem Symbol des technischen Fortschritts zeitweise auch ein weithin sichtbarer Wegweiser der eingeschlossenen Stadt.
Auch die Messe Berlin hebt diese Episode hervor. Während der Luftbrücke habe der Turm den Piloten den Weg Richtung Tempelhof gewiesen.
Technikhistorisch spielte der Funkturm ebenfalls eine bemerkenswerte Rolle. Nach Angaben der Berliner Denkmaldatenbank wurden von hier ab 1926 Hörfunksendungen ausgestrahlt. Ab 1929 folgten versuchsweise Fernseh-Testsendungen; 1932 wurde von dort eine frühe Fernsehausstrahlung übertragen. Erst in den 1970er- und 1980er-Jahren verlor der Funkturm zunehmend seine Bedeutung als Sendeturm.
Heute werden von ihm keine Funkwellen mehr verbreitet. Trotzdem ist der alte Stahlriese alles andere als überflüssig geworden. Seine Funktion hat sich schlicht verändert: vom technischen Sendeturm zum Denkmal, Aussichtspunkt, Veranstaltungsort und Wahrzeichen der City West.
Passend zum 100. Geburtstag wurde kräftig investiert. Nach einer rund zehnmonatigen Renovierungsphase wurde der Funkturm im März 2026 wieder für Besucher geöffnet. Dabei wurden nicht nur Teile der historischen Konstruktion instand gesetzt, sondern auch technische Anlagen modernisiert.
Wer heute hinauffährt, gelangt mit einem verglasten Aufzug zur 126 Meter hohen Aussichtsplattform. Das Restaurant befindet sich auf rund 55 Metern. Nach Angaben von visitBerlin benötigt der Aufzug lediglich rund 33 Sekunden bis nach oben.
Zum Jubiläum setzt Berlin seinen alten Turm zudem buchstäblich neu ins Licht. Unter dem augenzwinkernden Motto „What the Funk“ startete die Messe Berlin bereits im März eine Jubiläumskampagne mit Lichtinszenierungen und Veranstaltungen. Am eigentlichen 100. Geburtstag wurde der Funkturm im Rahmen der offiziellen IFA-Eröffnungsgala erneut bunt beleuchtet.
Damit ist der Geburtstag keineswegs nach einem Abend vorbei. Vom 3. bis 7. September werden beispielsweise 100 Funkturm-Tickets innerhalb von 100 Stunden verlost. Im Oktober folgen weitere Veranstaltungen: Vom 9. bis 18. Oktober soll der Turm beim Festival of Lights in bunten Farben erscheinen. Am 10. Oktober ist im historischen Funkturm-Restaurant eine Jubiläumsnacht im Stil der 1920er-Jahre mit Dinner und Livemusik geplant.
Gerade diese Mischung erklärt vermutlich, warum der Funkturm auch 100 Jahre nach seiner Eröffnung funktioniert. Technisch ist er längst nicht mehr das, wofür er ursprünglich gebaut wurde. Andere Anlagen haben seine Aufgaben übernommen. Als Wahrzeichen hat er seine Funktion dagegen nie verloren.
1926 stand der Funkturm für die damals revolutionäre Welt des Rundfunks. 2026 steht er für ein Jahrhundert Berliner Technik- und Stadtgeschichte. Er überlebte einen Großbrand, schwere Kriegsschäden und die Blockade, verlor seine ursprüngliche Aufgabe als Sendeturm – und steht trotzdem noch immer auf dem Messegelände.
Der „Lange Lulatsch“ ist damit tatsächlich ein Berliner Überlebenskünstler aus Stahl. Und nach seiner jüngsten Sanierung sieht es danach aus, als könnte er noch einige Geburtstage mehr über der Hauptstadt feiern.
Der Funkturm ist seit meinen Kindertage mein Freund, also seit 76 Jahren. Ich spreche immer mit ihm , wenn ich ihn sehe!