Der Werte & Sicherheit – VUB Tenoris blickt auf ein ausgesprochen erfolgreiches Geschäftsjahr 2025/26 zurück. Der weltweit investierende Aktienfonds verfolgt einen aktiven, benchmarkfreien Ansatz und konzentriert sich auf Unternehmen aus langfristigen globalen Trendthemen. Das Geschäftsjahr lief vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026.
Deutlich steigende Anteilwerte
Die Entwicklung der Anteilwerte fällt auf den ersten Blick überzeugend aus. Der Anteilwert der institutionellen Klasse I erhöhte sich von 61,85 Euro auf 75,58 Euro. Das entspricht einem reinen Anteilwertanstieg von rund 22,2 % innerhalb des Geschäftsjahres. Bei der Klasse V stieg der Anteilwert von 60,45 Euro auf 74,08 Euro und damit um rund 22,5 %. Dabei sind Ausschüttungen noch nicht berücksichtigt. Seit der Auflegung am 1. Juni 2023 zu jeweils 50 Euro ist der Anteilwert damit auf 75,58 beziehungsweise 74,08 Euro gestiegen.
Auch das Fondsvolumen entwickelte sich positiv. Bei der Anteilklasse I erhöhte sich das Sondervermögen von 16,46 Mio. Euro auf 21,59 Mio. Euro. Neben dem guten Anlageergebnis trugen Netto-Mittelzuflüsse von rund 1,28 Mio. Euro dazu bei. Die kleinere V-Klasse verzeichnete ebenfalls Nettozuflüsse von rund 272.000 Euro und wuchs von 1,02 Mio. Euro auf 1,57 Mio. Euro.
Für Anleger ist dies positiv zu bewerten: Die Vermögenszunahme beruht nicht ausschließlich auf Kursgewinnen, sondern wird zusätzlich von neuem Anlegerkapital getragen.
Fast vollständig in Aktien investiert
Zum Bilanzstichtag verfügte der Fonds insgesamt über ein Fondsvermögen von rund 23,16 Mio. Euro. Davon waren 96,30 % in Aktien investiert, während 4,41 % als Bankguthaben gehalten wurden. Der Fonds war damit praktisch vollständig dem Aktienmarktrisiko ausgesetzt.
Die Titelauswahl verdeutlicht die Ausrichtung auf strukturelle Wachstumsthemen. Zu den größten Positionen gehörten unter anderem Micron Technology mit 3,08 %, SK Hynix mit 2,98 %, AMD mit 2,69 %, ABB mit 2,56 %, Samsung Electronics mit 2,13 %, Applied Materials mit 2,08 %, CATL mit 2,04 % und KLA mit 1,97 %. Daneben finden sich Unternehmen wie CrowdStrike, Palantir, Broadcom, SoftBank, Coinbase, IonQ, Rigetti Computing, Rocket Lab sowie verschiedene Unternehmen aus Verteidigung, Raumfahrt, Gesundheit und erneuerbarer Energie im Portfolio.
Damit ist die Einzeltitelstreuung zwar vergleichsweise breit – selbst die größten Positionen liegen nur bei rund 3 % –, auf Themenebene besteht jedoch eine erkennbare Konzentration. Besonders stark vertreten sind Halbleiter, künstliche Intelligenz, Cloud- und Cybersicherheit, Digitalisierung sowie weitere technologiegetriebene Wachstumsbereiche. Ergänzt wird dies durch Bereiche wie Gesundheit, Energieinfrastruktur, Verteidigung und Raumfahrt.
Diese Positionierung dürfte erheblich zur guten Entwicklung des Berichtsjahres beigetragen haben. Sie erhöht aber zugleich die Abhängigkeit von den Bewertungen wachstumsorientierter Unternehmen. Bei einer Rotation weg von Technologie- und Wachstumstiteln oder steigenden Kapitalmarktzinsen kann ein derartiges Portfolio überdurchschnittlich schwanken.
Gute Gewinne – aber stark kapitalmarktgetrieben
Für die Anteilklasse I weist der Bericht ein Geschäftsjahresergebnis von 4,36 Mio. Euro aus. Davon entfielen rund 1,24 Mio. Euro auf realisierte Ergebnisse und rund 3,12 Mio. Euro auf nicht realisierte Wertsteigerungen. Besonders auffällig ist, dass die noch nicht realisierten Gewinne mit rund 3,54 Mio. Euro einen wesentlichen Beitrag zum Jahresergebnis leisteten.
Das zeigt einerseits die starke Entwicklung der gehaltenen Aktien, macht andererseits aber deutlich, dass ein erheblicher Teil des Erfolgs bislang als Buchgewinn im Portfolio steckt. Bei fallenden Aktienkursen können diese Gewinne entsprechend wieder zurückgehen.
Interessant ist außerdem der negative ordentliche Nettoertrag. Bei der I-Klasse standen Erträgen von rund 131.500 Euro Aufwendungen von etwa 303.500 Euro gegenüber, sodass der ordentliche Nettoertrag bei minus 171.976 Euro lag. Der eigentliche Anlageerfolg resultierte somit nicht aus Dividenden oder Zinsen, sondern nahezu vollständig aus Kurs- und Veräußerungsgewinnen.
Für Einkommensanleger ist dies relevant: Der Tenoris ist wirtschaftlich ein wachstumsorientierter Aktienfonds und kein klassischer Ertragsfonds.
Ausschüttung von 2 Euro je Anteil
Trotz des negativen ordentlichen Nettoertrags schütten beide Anteilklassen 2,00 Euro je Anteil aus. Bei den Schlussanteilwerten von 75,58 beziehungsweise 74,08 Euro entspricht dies rechnerisch rund 2,6 bis 2,7 % des Anteilwertes. Die Ausschüttung wird jedoch wesentlich durch realisierte Kapitalgewinne beziehungsweise Ergebnisvorträge ermöglicht und sollte daher nicht mit einer nachhaltig aus Dividenden erwirtschafteten Verzinsung verwechselt werden.
Kosten: deutlicher Vorteil für die I-Klasse
Ein entscheidender Punkt für Anleger ist die unterschiedliche Kostenstruktur der Anteilklassen. Die I-Klasse besitzt eine Verwaltungsvergütung von 0,78 % jährlich, während für die V-Klasse 1,78 % berechnet werden. Allerdings verlangt die I-Klasse ein Mindestanlagevolumen von 100.000 Euro, während bei der V-Klasse bereits 25 Euro ausreichen.
Die ausgewiesene Gesamtkostenquote (TER) beträgt bei der I-Klasse 0,88 %, bei der V-Klasse dagegen 1,93 %. Zusätzlich weist der Bericht performanceabhängige Vergütungen von 0,81 % beziehungsweise 0,61 % aus. Hinzu kamen auf Fondsebene Transaktionskosten von rund 24.000 Euro.
Damit ist die V-Klasse aus Kostensicht deutlich weniger attraktiv. Ein jährlicher Kostenunterschied von mehr als einem Prozentpunkt kann sich bei langfristiger Anlage durch den Zinseszinseffekt erheblich auf das Endvermögen auswirken. Wer die Mindestanlagesumme der I-Klasse erfüllen kann und grundsätzlich in den Fonds investieren möchte, erhält daher die wesentlich günstigere Anteilklasse.
Auffällig hohe Handelsaktivität
Das gesamte Transaktionsvolumen des Geschäftsjahres betrug rund 18,07 Mio. Euro und lag damit in einer Größenordnung, die einen beträchtlichen Teil des Fondsvermögens ausmacht. Bemerkenswert ist zudem, dass laut Bericht 100 % dieses Transaktionsvolumens mit verbundenen Unternehmen abgewickelt wurden.
Dies ist nicht automatisch negativ zu bewerten, sollte aus Anlegersicht aber beobachtet werden. Bei einer solchen Struktur sind insbesondere transparente Ausführungsbedingungen und eine konsequente Best-Execution-Praxis wichtig.
Risikoprofil bleibt offensiv
Der Fonds ist trotz der breiten Zahl einzelner Aktien kein defensives Investment. Neben dem allgemeinen Aktienmarktrisiko bestehen erhebliche Währungsrisiken, da zahlreiche Positionen in US-Dollar, Hongkong-Dollar, Schweizer Franken, japanischen Yen und weiteren Fremdwährungen notieren. Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass Währungsschwankungen den Fondswert beeinflussen können. Gleichzeitig wird die Liquidität aufgrund der überwiegend hohen Marktkapitalisierung der gehaltenen Aktien als grundsätzlich gut eingeschätzt.
Zusätzliche Risiken sieht die Fondsgesellschaft in geopolitischen Konflikten, Energie- und Rohstoffpreisen, geldpolitischen Entscheidungen sowie der US-Zollpolitik und möglichen Gegenmaßnahmen anderer Staaten.
Positiv ist dagegen, dass zum Geschäftsjahresende keine Derivatepositionen bestanden. Das Derivate-Exposure lag bei null. Damit resultiert das wesentliche Risiko transparent aus den tatsächlich gehaltenen Aktien und nicht aus zusätzlicher derivativer Hebelwirkung.
Kein Benchmark – Erfolg schwerer einzuordnen
Der Fonds orientiert sich ausdrücklich an keinem festgelegten Vergleichsindex. Dies gibt dem Management große Freiheit bei der Titelauswahl und ermöglicht eine konsequente Umsetzung der Trendthemenstrategie. Für Anleger hat dies jedoch einen Nachteil: Es fehlt ein offizieller Maßstab, anhand dessen beurteilt werden kann, ob die erzielte Rendite tatsächlich auf erfolgreichem aktivem Management beruht oder im Wesentlichen das starke Marktumfeld der favorisierten Technologie- und Wachstumssegmente widerspiegelt.
Gerade angesichts der Verwaltungs- und Performancegebühren wäre langfristig ein Vergleich mit breit diversifizierten globalen Aktienindizes sinnvoll.
Nachhaltigkeit spielt keine zentrale Rolle
Der Fonds wird als Finanzprodukt nach Artikel 6 der EU-Offenlegungsverordnung geführt. Nachhaltigkeitsrisiken wurden gemäß Bericht im Berichtszeitraum bei den Anlageentscheidungen nicht berücksichtigt; die Investitionen orientieren sich auch nicht an den EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.
Für Anleger mit expliziten ESG- oder Nachhaltigkeitsanforderungen ist der Fonds daher nur eingeschränkt geeignet.
Positives Prüfungsurteil
Der unabhängige Abschlussprüfer kommt zu dem Ergebnis, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des deutschen Kapitalanlagegesetzbuches entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens vermittelt.
Fazit aus Anlegersicht
Der Werte & Sicherheit – VUB Tenoris hat im Geschäftsjahr 2025/26 eine sehr starke Entwicklung gezeigt. Anteilwertsteigerungen von mehr als 22 %, deutliche nicht realisierte Kursgewinne und positive Nettomittelzuflüsse sprechen für ein erfolgreiches Jahr. Das breit über zahlreiche Einzeltitel verteilte Portfolio bietet Zugang zu attraktiven langfristigen Themen wie Halbleitern, künstlicher Intelligenz, Digitalisierung, Cybersicherheit, Gesundheit, Energie, Verteidigung und Raumfahrt.
Der Erfolg hat allerdings seinen Preis. Das Portfolio ist mit mehr als 96 % Aktienquote offensiv positioniert und weist trotz breiter Einzeltitelstreuung eine erkennbare Konzentration auf Technologie- und Wachstumsthemen auf. Ein erheblicher Teil des Jahresergebnisses stammt aus noch nicht realisierten Kursgewinnen. Hinzu kommen Fremdwährungsrisiken sowie insbesondere bei der V-Klasse eine vergleichsweise hohe laufende Kostenbelastung.
Für langfristig orientierte und risikobereite Anleger, die bewusst an globalen Zukunfts- und Technologiethemen partizipieren möchten, erscheint der Fonds grundsätzlich interessant. Er ist jedoch weniger als defensives Basisinvestment denn als offensiver Wachstumsbaustein einzuordnen. Besonders attraktiv wirkt – sofern das hohe Mindestanlagevolumen erfüllt werden kann – die deutlich günstigere I-Klasse.
Insgesamt fällt das Anlegerurteil positiv mit Einschränkungen aus: Die bisherige Wertentwicklung und die Portfoliostruktur überzeugen, doch Anleger sollten nach dem außergewöhnlich starken Berichtsjahr vor allem die hohe Aktienquote, die Technologieabhängigkeit, die Bewertung einzelner Wachstumstitel und die Kostenstruktur im Blick behalten.