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Telefonfalle beim Freizeichen: Warum Anrufer besser schweigen sollten

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay

Ein Telefonat beginnt für die meisten Menschen erst mit dem bekannten „Hallo“ am anderen Ende der Leitung. Doch offenbar kann die Sprachübertragung unter bestimmten Umständen schon einige Sekunden früher einsetzen. Forschende weisen darauf hin, dass die angerufene Person möglicherweise bereits mithören kann, während der Anrufer selbst noch das Freizeichen hört.

Das kann unangenehme Folgen haben. Viele Menschen nutzen die vermeintlich unbeobachteten Sekunden vor der Gesprächsannahme, um sich mit Kollegen oder Familienmitgliedern auszutauschen, über den bevorstehenden Gesprächspartner zu sprechen oder persönliche Informationen weiterzugeben. Gerade bei einem Anruf beim Kundenservice fällt möglicherweise noch eine wenig schmeichelhafte Bemerkung über das Unternehmen – in der Annahme, dass auf der anderen Seite noch niemand zuhört.

Bis zu drei Sekunden können entscheidend sein

Nach den im Bericht wiedergegebenen Informationen des ORF Steiermark kann die angerufene Person in bestimmten Fällen bereits einige Sekunden vor der vermeintlichen Gesprächsannahme hören, was auf der anderen Seite gesagt wird. Genannt wird ein Zeitraum von bis zu drei Sekunden. Der Anrufer selbst bemerkt davon normalerweise nichts, weil für ihn weiterhin das gewöhnliche Freizeichen zu hören ist.

Dabei handelt es sich den Angaben zufolge nicht um ein Phänomen, das zwangsläufig bei jedem Telefonat auftritt. Es soll grundsätzlich in Mobilfunknetzen vorkommen können. Wie häufig dies tatsächlich geschieht, lässt sich aus den vorliegenden Informationen allerdings nicht ableiten.

Wie kann die Stimme übertragen werden, obwohl es noch klingelt?

Eine technische Erklärung liefert Gernot Kubin vom Institut für Signal- und Sprachverarbeitung der TU Graz. Der entscheidende Punkt liegt demnach in der Funktionsweise moderner Mobilfunknetze.

Sprachdaten und die technischen Informationen zum Aufbau einer Verbindung werden nicht zwingend auf demselben Weg beziehungsweise exakt synchron verarbeitet. Dadurch können zeitliche Verschiebungen entstehen.

Eine Systemkomponente kann demnach bereits auf die Sprachübertragung umgeschaltet haben, während andere Teile des Systems dem Anrufer weiterhin signalisieren, dass die Verbindung noch aufgebaut wird. Das Mikrofon könnte somit bereits aktiv sein, obwohl weiterhin das vertraute Freizeichen ertönt.

Genau darin liegt das Problem: Das Freizeichen vermittelt dem Nutzer subjektiv den Eindruck, dass noch keine Gesprächsverbindung besteht. Technisch muss dieser Eindruck offenbar nicht in jedem Fall mit dem tatsächlichen Zustand der Sprachverbindung übereinstimmen.

Besonders bei Hotlines kann Vorsicht sinnvoll sein

Zusätzliche Aufmerksamkeit empfiehlt sich bei Anrufen bei Service-Hotlines und Callcentern. Auch dort könnten Mikrofone beziehungsweise Sprachverbindungen bereits vor dem offiziell wahrgenommenen Gesprächsbeginn aktiv sein.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Unternehmen ihre Kunden heimlich abhören. Der beschriebene Effekt wird vielmehr mit technischen Abläufen beim Aufbau der Verbindung erklärt. Dennoch können dadurch Aussagen übertragen werden, von denen der Anrufer glaubt, dass sie noch niemand hören könne.

Wie häufig das tatsächlich passiert und welche technischen Konstellationen dafür erforderlich sind, ist nach den vorliegenden Berichten nicht bekannt.

Ein einfacher Tipp schützt vor unangenehmen Überraschungen

Die Konsequenz ist denkbar einfach: Nach dem Wählen besser schweigen, bis sich der Gesprächspartner tatsächlich gemeldet hat.

Wer während des Freizeichens keine vertraulichen Informationen nennt und keine Bemerkungen über den Gesprächspartner macht, muss sich auch keine Gedanken darüber machen, ob die Leitung möglicherweise schon offen war.

Das gilt insbesondere für Gespräche mit Banken, Versicherungen, Behörden, Ärzten, Arbeitgebern oder Kundenservices, bei denen schnell persönliche oder sensible Informationen zur Sprache kommen können.

Die Erkenntnis verändert damit eine alltägliche Gewohnheit: Das Freizeichen ist offenbar keine Garantie dafür, dass am anderen Ende noch niemand etwas hören kann.

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